Dem SC Freiburg sei Dank haben der FC Augsburg und Mainz 05 gar nicht so schlechte Chancen, im kommenden Jahr international zu spielen. Doch selbst fünf weitere Klubs bis tief in die Abstiegszone dürfen noch hoffen.
Sieben Klubs mit der Chance auf Platz 9
Es gab Jahre, da musste man mit 34 Punkten nach 31 Spielen noch um den Klassenverbleib zittern. In der Theorie kann der 1. FSV Mainz mit dieser Bilanz aktuell auch noch auf Rang 16 und damit in die Relegation abrutschen. Doch die Wahrscheinlichkeit ist verschwindend gering.
Die Chance, nächstes Jahr erneut international zu spielen, ist deutlich größer – auch wenn Sportdirektor Niko Bungert davon nichts hören möchte: „Wir schauen nur auf uns und wollen beim FC St. Pauli den entscheidenden Schritt machen, um den Klassenhalt sicher zu haben. Darum geht es, um nicht mehr und nicht weniger. Solange da kein Deckel drauf ist, reden wir über nichts anderes.“
In Augsburg müssen sie sich solche Gedanken nicht machen. Der Klassenverbleib ist fix und sogar Rang 7, der ohne jegliche Rechenspiele oder Abhängigkeiten von anderen Teams ins internationale Geschäft führt, ist noch möglich. Bei sechs Punkten Rückstand auf die punktgleichen Klubs Freiburg und Frankfurt, aber ähnlich unwahrscheinlich wie ein Mainzer Abstieg.
Doch ein Szenario führt auch den Tabellen-Neunten auf Reisen durch Europa. Im Wettlauf zwischen Augsburg und Mainz stehen in den kommenden drei Wochen also Millioneneinnahmen auf dem Spiel. Aber der Reihe nach.
Im DFB-Pokalfinale stehen mit Stuttgart und Bayern zwei Teams, die über die Liga ohnehin schon einen sicheren Platz im Europapokal haben. Die eigentlich dem Pokalsieger zustehende Europa-League-Teilnahme wandert also in die Liga. Stand jetzt spielen Platz 1 bis 4 Champions League, Platz 5 und 6 Europa League und Platz 7 Conference League.
Zwei Variablen machen die Sache danach kompliziert: der European-Performance-Spot (EPS) für die zwei besten Nationen in den laufenden Wettbewerben sowie der mögliche Europa-League-Sieg des SC Freiburg. Im Rennen um den über den UEFA-Koeffizienten vergebenen zusätzlichen Champions-League-Platz liegt Deutschland derzeit hauchdünn hinter Spanien. Beide Nationen haben noch zwei Eisen im Feuer: Der FC Bayern und Atletico Madrid stehen im Halbfinale der Champions League, Freiburg in der Europa League und Rayo Vallecano in der Conference League.
Freiburger Triumph in Europa League notwendig
Nur ein Freiburger Triumph in der Europa League könnte neun deutsche Teilnehmer in den UEFA-Wettbewerben des kommenden Jahres ermöglichen. Aber auch nur unter weiteren Bedingungen. Gewinnt der Sport-Club am 20. Mai das Finale in Istanbul, stehen die Chancen sehr gut, dass der EPS nach Deutschland geht und damit fünf Plätze für die Königsklasse über die Liga vergeben werden.
Die weitere Verteilung hängt vom Freiburger Abschneiden in der Liga ab. Beendet Freiburg in diesem Szenario die Bundesliga auf Platz 7 und Eintracht Frankfurt auf Platz 8, hätte sich der SCF über den Finalsieg in Istanbul das Champions-League-Ticket gesichert und müsste nicht in der Conference League ran. Die Eintracht würde sogar in die Europa League einziehen.
Da der European Performance Spot erst angewendet wird, wenn alle Europapokal-Plätze vergeben sind, würde der ursprünglich Freiburg zugedachte Conference-League-Platz entfallen, der Fünfte würde in der Champions League starten, der Sechste und der Achte dann in der Europa League. Freiburg, hier auf Platz 7, startet als sechstes Team in der Königsklasse. In der Conference League ginge kein deutsches Team an den Start.
- Tabellenrechner
Anders ist die Lage, wenn Frankfurt auf Platz 7 einläuft und Freiburg auf Platz 8. Der SC hätte über die Liga erstmal kein internationales Startrecht erworben, bekanntermaßen aber über den Europa-League-Triumph. Bei der Anwendung des EPS würde Freiburg dann nicht beachtet werden, weil ohnehin schon für die Champions League qualifiziert – stattdessen führt Platz 9 in die Conference League, weil die UEFA eine Nation mit dem EPS in jedem Fall belohnen will.
Hinter Mainz und Augsburg: Fünf Klubs könnten noch auf Rang 9 springen
Und damit wahrscheinlich Augsburg oder Mainz. In der Theorie aber auch Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen, Union Berlin, sowie der 1. FC Köln und selbst der aktuell auf Rang 15 liegende Hamburger SV, die beide drei Spieltage vor Schluss sechs Punkte hinter Augsburg liegen. Diese Klubs könnten noch auf Rang 9 springen.
Neun internationale Starter gibt es in einem weiteren Szenario: Deutschland holt den Perfomance-Spot, Freiburg gewinnt die Europa League, landet in der Liga aber hinter Augsburg auf Platz 9. Platz 6 und 7 führen dabei in die Europa League, Platz 8 in die Conference League – und Freiburg landet in der Champions League.
Dem SC Freiburg sei Dank haben der FC Augsburg und Mainz 05 gar nicht so schlechte Chancen, im kommenden Jahr international zu spielen. Doch selbst fünf weitere Klubs bis tief in die Abstiegszone dürfen noch hoffen.
