Zündstoff vor Sportministerkonferenz: Worum es beim Thema Stadionverbote geht 

Die anstehende Woche könnte für den deutschen Fußball und sein Verhältnis zur Politik zur echten Härteprobe werden. Wenn am Donnerstag und Freitag auf Norderney die 52. Sportministerkonferenz stattfindet, wird es erneut um das Thema Stadion-Sicherheit gehen – und das birgt einigen Zündstoff.

Fast finaler Entwurf in dieser Woche erwartet

Erst im vergangenen Dezember hatte die Innenministerkonferenz nach drei Sitzungen einer Bund-Länder-offenen Arbeitsgruppe (BLoAG) und vielen informellen Gesprächen beschlossen, den Verbänden nur den Auftrag zur Neugestaltung der Stadionverbots-Kommission zu erteilen. Andere im Vorfeld besprochene Maßnahmen wie personalisierte Tickets, Blocksperren für Auswärtsfans oder ein Drei-Stufen-Plan waren zunächst hintenan gestellt worden. Doch nun verschärft die Politik den Ton in Richtung der Vereine und Verbände. In einem kicker-Interview machen die beiden Innenminister Herbert Reul (Nordrhein-Westfalen) und Armin Schuster (Sachsen) deutlich klar, dass ihnen seit Dezember zu wenig passiert ist.

„Mein letzter Stand ist, dass wir im Grunde wieder bei null stehen und die Verbände nicht mehr zu dem ausgehandelten Kompromiss stehen“, sagt Reul zu der in der BLoAG verhandelten Reform der Stadionverbote. Und er spricht über mögliche Konsequenzen: „Das wird wieder Auftrieb für diejenigen sein, die fordern, wir sollen den Vereinen Rechnungen schreiben.“ Rechnungen also für die Kosten der Polizei-Einsätze bei Hochrisiko-Spielen, die gerichtlich bestätigt an Klubs weitergegeben werden dürfen.

  • Innenminister erhöhen Druck auf DFL und DFB: „Da werde ich stinksauer“ (k+)

Nach kicker-Informationen will die DFL den aktuellen und fast finalen Entwurf für eine zentrale Fachaufsicht den Vereinen in dieser Woche vorstellen, die wiederum sollen danach in den Austausch mit den Fans gehen. Zentraler Punkt ist dabei die Einordnung dieser Fachaufsicht als eine Art Korrektiv, nicht als nächsthöhere Instanz.

Die Entscheidungen zu Stadionverboten werden also weiterhin in den Gremien vor Ort entschieden und nicht, wie von Teilen der IMK zunächst gefordert, in einer zentralen Kommission. Die Fachaufsicht beim DFB mit vier stimmberechtigten Mitgliedern und fünf beratenden soll dafür sorgen, dass Stadionverbote zukünftig standortübergreifend, einheitlich und transparent ausgesprochen werden oder eben nicht ausgesprochen, aufgehoben, reduziert oder ausgesetzt werden.

Wann greift die neue Fachaufsicht ein?

Diskussionspunkt bis zuletzt zwischen Verbänden und Politik war dabei die Eingriffsschwelle der Fachaufsicht. Zunächst war nur unkonkret von einem „begründeten Einzelfall“ die Rede, nun lautet die Formulierung, hinter der das am Ende die Entscheidung treffende DFB-Präsidium steht, es müsse um eine „klare und offensichtliche wesentliche Nichteinhaltung von Bestimmungen“ gehen. Das bedeutet für Vereine, Fans und Behörden gleichermaßen eine höhere Hürde, sich an die Fachaufsicht zu wenden.

 Die anstehende Woche könnte für den deutschen Fußball und sein Verhältnis zur Politik zur echten Härteprobe werden. Wenn am Donnerstag und Freitag auf Norderney die 52. Sportministerkonferenz stattfindet, wird es erneut um das Thema Stadion-Sicherheit gehen – und das birgt einigen Zündstoff. 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert