Der BVB hat zahlreiche Talente mit ins Trainingslager nach Marbella genommen, damit sie sich präsentieren können. Trainer Niko Kovac nimmt die Jugend in die Pflicht. Ein anderer Youngster reist vorzeitig ab.
Kaba, Inacio und Albert spielen bei den BVB-Profis vor
Aus dem Trainingslager des BVB in Marbella berichtet Matthias Dersch
Der Dauerregen am Sonntag war es nicht, der die vorzeitige Abreise von Cole Campbell aus dem Trainingslager von Borussia Dortmund in Marbella auslöste. Vielmehr zog es das US-Talent nach Girona, wo sich derzeit 1899 Hoffenheim auf die zweite Halbserie vorbereitet. Campbell, in Dortmund ohne Perspektive auf Spielzeit, wird bis zum Sommer an die Kraichgauer ausgeliehen, die sich dazu eine Kaufoption sicherten. Für den BVB ist es ein verschmerzbarer Abgang.
Für Campbell ist es die letzte Chance, sich noch für die WM in seinem Heimatland in Position zu bringen, nachdem er in Dortmund nicht zum Zuge kam und zuletzt gar aufgrund von schwachen Trainingsleistungen zwischenzeitlich nicht mal dann im Kader stand, als es beim Spiel in Freiburg noch Platz auf der Ersatzbank für ihn gegeben hätte.
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Kaba könnte vom Groß-Abgang profitieren
Anders als Campbell, der in den vergangenen Monaten fest zum Profikader zählte, hoffen etliche Talente in Marbella noch darauf, nachhaltig Eindruck bei Trainer Niko Kovac zu hinterlassen: Aus dem eigenen Nachwuchs sind Mathis Albert, Samuele Inacio und Mussa Kaba mit den Profis ins Trainingslager gereist. Der 16-jährige Albert und der 17-jährige Inacio – beides Offensivspieler – waren bereits im vergangenen Sommer bei der Klub-WM dabei, für den 17 Jahre alten Mittelfeldspieler Kaba ist es eine Premiere. Er könnte von der Rückkehr von Pascal Groß nach Brighton profitieren und in der internen Hierarchie aufrücken. Noch allerdings ist der Konjunktiv mehr als angebracht.
„Man darf da nichts überpacen“, sagt Kovac und verweist auf den „richtigen Zeitpunkt“, den man für den Einbau des Nachwuchses finden müsse. „Es ist leichter, junge Spieler zu bringen, wenn man oft und hoch führt, als wenn die Spiele knapp laufen.“ Letzteres allerdings war beim BVB in der Hinrunde häufig der Fall. Erschwerend hinzu kommt für die Talente, dass der Verletztenstand bei der Borussia niedrig war in den vergangenen Monaten und Kovac deshalb darauf achten musste, durch eine ständige Rotation einerseits die Belastung zu steuern, andererseits aber auch die Motivation der etablierten Kräfte möglichst hochzuhalten.
Der BVB will weiter das eigene Narrativ stärken
Auf Sicht allerdings sollen die Talente in Dortmund zum Zuge kommen, um das eigene Narrativ eines Klubs, der hochveranlagte Youngster groß rausbringt, am Leben zu halten. Dem Talente-Trio in Marbella winkt eine feste Beförderung im Sommer, bis dahin sollen sie sich nach Möglichkeit in der eigenen U 23 an die andere Körperlichkeit im Männer-Fußball gewöhnen.
Dass der Sprung nicht zu unterschätzen ist, dafür gibt es etliche Beispiele. Wer im U-Bereich herausragend ist, ist das noch lange nicht auf Profi-Niveau. „Unten waren sie immer die stärksten“, sagt Kovac. „Hier müssen sie jetzt erstmal anfangen zu schwimmen.“ Es war ein treffender Satz, der natürlich nicht auf den Dauerregen am Sonntag in Marbella bezogen war, sondern auf das deutlich höhere Tempo im Training.
Kovac förderte Real-Star Tchouameni
Dass auch Kovac Talente eine Chance gibt, obwohl ihm der Ruf nachhängt, eher auf etablierte Kräfte zu setzen, beweist ein Blick in die Vergangenheit: In Monaco baute er den heutigen Real-Madrid-Star Aurelien Tchouameni zum Profi auf, in Dortmund setzte er in der bisherigen Hinrunde oft auf den 20-jährigen Aaron Anselmino, wenn dieser fit war. Mit Blick auf Kaba, Inacio und Albert sagt er: „Jetzt liegt es an den Jungs, jetzt müssen sie sich beweisen und durchsetzen.“ Denn einen Spieler, der besser ist als sein Positionskonkurrent, den lässt ein Trainer in der Regel nicht außen vor.
Der BVB hat zahlreiche Talente mit ins Trainingslager nach Marbella genommen, damit sie sich präsentieren können. Trainer Niko Kovac nimmt die Jugend in die Pflicht. Ein anderer Youngster reist vorzeitig ab.
