Hoffenheims Co-Trainer Moritz Volz vertritt erfolgreich den erkrankten Chefcoach Christian Ilzer. Die Abläufe und die Absprachen eines Sondereinsatzes.
Assistent in der Chefrolle
Erst am Spieltag wurde die Mannschaft informiert, dass diesmal der erkrankte Trainer Christian Ilzer nicht wie gewohnt das Auswärtsspiel in Heidenheim (4:2) würde begleiten können. „Dass er fix nicht dabei ist, haben wir am Samstag erfahren, er hat uns eine nette Nachricht hinterlassen, vor unserer Besprechung schon“, verriet Alexander Prass, „dann haben die Jungs das gut gemacht und sich die Jobs aufgeteilt, der eine mit Ball, der andere gegen den Ball und Standards. Das war sehr stimmig. Es ist ja nicht so, dass der Trainer während des Spiels zu jeder Zeit so viel Einfluss auf das Ganze hat. Deswegen ist es keine riesige Umstellung, klar, in der Halbzeit hast du nicht die gewohnte Ansprache. Aber die Jungs, die in seine Fußstapfen haben treten müssen, haben das sehr gut gemacht.“
Volz: „Chris war die ganze Zeit präsent“
Allen voran Moritz Volz, der Ilzers Rolle als Frontmann übernahm. „Es war ungewohnt, die Aufgaben und Abläufe waren anders, trotzdem war mir nicht unwohl dabei, weil ich wusste, ich stehe da nicht alleine an der Linie und habe ein super Team um mich herum“, bilanzierte der 43-Jährige, „wir sind alle als Co-Trainer und Analysten für Chris eingesprungen und freuen uns, dass es auch erfolgreich war.“
So ganz ohne den Chef musste der Stab auch nicht auskommen. „Chris war die ganze Zeit präsent. Wir waren immer im Austausch, vor, während und nach dem Spiel“, verriet Volz, „auch unsere Wechsel waren mit ihm abgestimmt. Und trotzdem waren seine Einflussmöglichkeiten aus der Distanz begrenzt.“ Die auf einigen Positionen überraschende Aufstellung des Gegners wurde ebenso im Detail besprochen wie daraus und aus den Erkenntnissen der ersten Halbzeit resultierende Anpassungen zur Pause.
„Ich habe weniger reingerufen, als ich gedacht hätte.“
Volz selbst war in der Hauptrolle sogar weniger emotional als sonst. „Ich hatte als Co-Trainer schon zwei Gelbe Karten gleich zu Beginn der Saison bekommen, weil ich mich beschwert hatte. Das Kuriose war, dass ich heute die Ruhe weg hatte und mich auch bei engen Entscheidungen auf das konzentriert habe, was ich beeinflussen kann“, schilderte Volz. „Ich habe weniger reingerufen, als ich gedacht hätte, weil ich weiß, wie limitiert das ist bei so einer Kulisse. Da musst du die Momente gut auswählen, wenn einer mal nah genug dran ist, und darauf hoffen, dass die Jungs dich nicht ignorieren.“
Zwei wichtige Personalentscheidungen hatte Ilzer vorab schon getroffen und Bernardo wie Prass in die Startelf beordert. Der eine vereitelte in höchster Not ein Gegentor, der andere überzeugte mit einem Doppelpack. „Ich freue mich extrem für Prassi, dass er sich mit zwei Toren belohnt hat“, versicherte Volz, „wir wissen immer, was wir an ihm haben, was er an Energie bringt, an Laufbereitschaft, im Defensivanschluss ist er super verlässlich, und heute hat er auch gezeigt, welche fußballerische Qualität er hat mit seinem linken Fuß.“
Auch Bernardo sei enorm wichtig für die defensive Stabilität. „Er ist eine richtige Säule in unserer Abwehr, extrem zweikampf- und kopfballstark und verteidigt wirklich mit jeder Faser seines Körpers bis zu bitterem Ende“, lobte Volz, „er hat uns wieder mit einer spektakulären Rettungsaktion ein Gegentor verhindert.“ Mit hohem Fuß hatte Bernardo den Ball vor dem heranfliegenden Heidenheimer Schöppner geklärt, den Gegner dabei noch am Kopf touchiert. Dennoch sei der Elfmeterpfiff zu Recht ausgeblieben. „Ich finde, dass Bernardo den Ball sehr klar trifft und absehbar war, dass der Heidenheimer Spieler nicht an den Ball kommt, deswegen war die Entscheidung auch richtig.“
„Tolle“ Solidaritätsaktion für Bebou mit „tollpatschiger“ Komponente
Die Solidaritätsaktion der Mannschaft für Ihlas Bebou, dessen Frau eine Fehlgeburt hatte, hatte Volz erst gar nicht mitbekommen. „Da war ich im eigenen Film und mit spielrelevanten Dingen befasst. Die Jungs wollten sich solidarisch mit einem sehr geschätzten Kameraden und seiner Familie zeigen, deshalb finde ich es toll“, so Volz, „die Tatsache, dass es vor den gegnerischen Fans war, war nicht so gut ausgewählt, sondern eher tollpatschig. Wir alle wünschen Ihlas und seiner Familie das Beste.“
Ein ereignisreicher und erfolgreicher Arbeitstag für den Assistenten. „Im Großen und Ganzen hat das ganz gut funktioniert“, resümierte Volz, „trotzdem freue ich mich, wenn Chris hoffentlich im nächsten Spiel wieder da ist.“
Hoffenheims Co-Trainer Moritz Volz vertritt erfolgreich den erkrankten Chefcoach Christian Ilzer. Die Abläufe und die Absprachen eines Sondereinsatzes.
