Die Weltmeisterschaft klopft an die Tür. Viele hoffen, nicht alle dürfen im Sommer zum kontinentalen Kräftemessen. Stuttgarts Kapitän Atakan Karazor darf sich große Hoffnungen machen.
Glücksgefühle für Stuttgarts Mittelfeldmann
Es war der ersehnte Ton zum passenden Zeitpunkt. Die letzte Schulglocke vor Ferienbeginn. Der Schlussgong nach zwölf Runden gegen Mike Tyson. Oder das Läuten an der Tür, wenn der Postmann zweimal klingelt. Wenige Stunden vor der sonntäglichen Partie gegen RB Leipzig (1:0) bekam Atakan Karazor den Anruf aller Anrufe. Vincenzo Montella (51), der türkische Nationaltrainer, teilte dem gebürtigen Essener mit, dass er für die anstehenden Länderspiele nominiert sei. „Ich freue mich sehr darüber“, sagt der 29-Jährige, dem die Nachricht Rückenwind und Motivation verlieh. „So etwas pusht natürlich.“
„“Wenn du zur WM willst, musst du diese Mannschaften schlagen.“ (Atakan Karazor vor den Play-offs)
Die Nominierung könnte die Basis dafür legen, dass sich das ganz persönliche Sommermärchen des Defensivmanns erfüllt. Jetzt muss er nur noch mit dem Heimatland seiner Eltern die Qualifikation für die Endrunde der Besten rund um den Globus bestehen. Die Türken treffen in den Play-offs auf Rumänien (am 26. März) und im Erfolgsfall anschließend auf die Slowakei oder den Kosovo (31. März). „Wenn du zur WM willst, musst du diese Mannschaften schlagen“, erklärt der Stuttgarter Kapitän selbstbewusst. Zweifel seien nicht angebracht. „Wir haben das Zeug dazu. Vor allem in der Türkei mit den Fans im Rücken.“ Wenn man in Istanbul im Halbfinale die Auswahl Rumäniens erwartet. „Da können wir sehr gut aussehen.“
Sehr gut sieht es auch für Karazor im Vereinstrikot aus, der seine Stellung in der Startformation verteidigt hat. Jungstar Chema, der im Sommer von Real Madrid zu den Schwaben gekommen war, erlebt aktuell eine kleine Niveauregulierung, nachdem er in der Hinrunde mit starken Leistungen dem Kapitän noch den Rang abzulaufen drohte.
Mehr Kreativität und Tore
Mittlerweile ist der VfB-Kapitän als Nebenmann des ohnehin unumstrittenen Angelo Stiller wieder eine feste Größe. Während er für Zweikampf und Ballzirkulation steht, sind Aufbau und Gestaltung die Tätigkeitsbereiche seines Nebenmanns. Zusammen bilden die beiden die erste Brandschutztür vor der Stuttgarter Hintermannschaft. Wenn Karazor auch noch größere Qualitäten in den Bereichen Kreativität und Torabschluss aufweisen würde, wäre der Deutsch-Türke über alle Zweifel erhaben.
Eigenschaften, die Deniz Undav in sich vereint, der ebenfalls aktuell um seine WM-Chancen spielt – mit Toren in Serie. Es käme einer bösen Überraschung für den Spieler wie auch für die Schwaben gleich, sollte Stuttgarts Torjäger nicht zu den beiden Testpartien in der Schweiz (am 29. März) und gegen Ghana (30. März) eingeladen werden.
Hoeneß hofft auf viele Stuttgarter WM-Fahrer
Sebastian Hoeneß hofft „auf viele Stuttgarts Spieler“ im Kader des deutschen WM-Trosses. Verdient wäre es. „Aber die Jungs müssen ihre Leistung bringen“, so der Cheftrainer zurückhaltend, der auch denen im weiß-roten Trikot den Glauben an die WM erhalten möchte, die diesmal vielleicht fehlen. „Selbst wenn der eine oder andere nicht dabei wäre, ist immer noch ein bisschen Zeit. Da können viele Dinge passieren.“
Die Weltmeisterschaft klopft an die Tür. Viele hoffen, nicht alle dürfen im Sommer zum kontinentalen Kräftemessen. Stuttgarts Kapitän Atakan Karazor darf sich große Hoffnungen machen.
