Mit viel Detailarbeit arbeitet der neue Coach an der grundlegenden Voraussetzung für einen Erfolg: Tore schießen. Die Überzeugung, dass seiner Mannschaft dies schon am Sonntag nach mageren Wochen endlich wieder gelingt, ist groß.
Coach versprüht Optimismus – Coulibaly fällt aus
Über ein Vierteljahr ist es her, dass Werder zuletzt in der Bundesliga einen Sieg bejubeln durfte. Das emotionale, sehr spät sichergestellte 2:1 gegen den VfL Wolfsburg am 7. November 2025 erlebte Daniel Thioune noch aus der Distanz. Jetzt holt der neue Trainer den Triumph von damals in die Köpfe seiner Spieler zurück: „Das schöne Jubelbild vom entscheidenden Tor zum Schluss habe ich den Jungs noch einmal gezeigt und sie daran erinnert.“
Ansonsten interessiert den Coach eher das, was vor ihm liegt. Zwar wartet er persönlich nach den Niederlagen in Freiburg (0:1) und gegen die Bayern (0:3) nach zwei Auftritten unter seiner Regie noch auf den ersten Punkt und sogar den ersten Treffer, doch die zurückliegenden zwei Wochen machen ihm Mut: „Ich habe eine unfassbare Energie in meiner Mannschaft gesehen. Ich habe gesehen, dass Freiburg und Bayern aktuell noch in einem anderen Regal Fußball spielen. Jetzt geht es einfach darum, die Haltung, die wir ein Stück weit mit mir entwickelt haben, mitzunehmen.“ Um auf St. Pauli und gegen den dortigen Trainerkollegen Alexander Blessin, mit dem Thioune vor elf Jahren die Fußballlehrer-Ausbildung absolvierte, zu bestehen.
Thioune fordert: Endlich „in den Rahmen hinein treffen“
„Es geht darum, in Hamburg gut und leidenschaftlich zu verteidigen, aber auch fußballerische Akzente zu setzen.“ Der Fokus liege darauf, das zuletzt in vielen Phasen ordentliche Umschaltspiel beizubehalten, die entscheidenden Umschaltmomente dann jedoch auch gewinnbringend zu finalisieren.
Gegen den noch einen Platz schlechter positionierten Nordrivalen soll entsprechend endlich das gelingen, was die Voraussetzung für einen Sieg ist – Tore schießen. Oder, wie Thioune es nennt: „In den Rahmen hinein zu treffen. Wir arbeiten sehr fleißig daran, dieses Gefühl am Sonntag einmal wieder entstehen zu lassen.“ Der Optimismus ist gegeben. „Diese Mannschaft hat mich in jedem Training bisher überzeugt, dass sie Bundesliga-Format hat und auch in der Lage ist, zu gewinnen.“
Kernproblem sei in den vergangenen Wochen das Verhalten vor beiden Toren gewesen. „Wir sind gerade nicht so scharf in den Elementen, wo man scharf sein darf: gegen den Ball und mit dem Ball“, so Thioune mit Blickrichtung auf die Strafräume vorne und hinten. „In den Boxen wird es entscheidend sein.“ Mit viel Detailarbeit wie defensivem und offensivem Gruppentraining auf engen Räumen habe man im Training an der erfolgreichen Verteidigung von Angriffen und an der eigenen Abschlussqualität gearbeitet. Ergebnis? Positiv. „Definitiv ist der eine oder andere dabei, der auch mal wieder jubeln möchte.“
Natürlich spielt nach der langen Talfahrt auch die Psyche eine Rolle. Hier ist Thioune bemüht, den Druck von den bevorstehenden 90 Minuten, in denen sich der Abstiegskampf allein durch die zwei dann aufeinandertreffenden Teams zuspitzt, zu nehmen. „Wir werden am Wochenende nicht den Klassenerhalt feiern können und wir werden am Wochenende nicht absteigen. Die Tabelle zählt am 34. Spieltag für uns. Es wird wellenförmig und anspruchsvoll bleiben – für uns und für die anderen Mannschaften um uns herum auch. Das Vertrauen ist groß, dass meine Mannschaft unabhängig vom Ausgang immer noch in der Lage ist, dafür zu sorgen, dass am Ende der Saison drei Mannschaften hinter ihr stehen.“
Wenn gerade bei Werder, dem schlechtesten Team dieses Kalenderjahres, nach dem Abwärtstrend der jüngeren Vergangenheit Spuren bleiben, dann sei dies unumgänglich. „Es fehlen die Erfolgserlebnisse, es fehlen Tore. Aber wir starten am Sonntag bei 0:0 und werden alles dafür tun, erfolgreich zu sein.“
Abwehrmann Coulibaly muss ebenfalls passen
Zum Personal: Nicht auszuschließen sei, dass die jüngste Startelf sich erneut verändert, kündigt Thioune an. In seinen ersten 180 Minuten hatte er allen gesunden Spielern des Kaders zumindest zu Teileinsätzen verholfen, was sein Bild vom Kader nach und nach festigte. „Ich habe gegen Bayern München von den Spielern vieles gesehen, was ich sehen wollte. Ich werde sicher nicht sechs oder sieben Veränderungen vornehmen.“
Eine allerdings gezwungenermaßen zumindest doch, denn: Zu den schon länger Verletzten gesellte sich in dieser Woche vorerst auch Karim Coulibaly, der sich in der Partie am Samstag gegen den FC Bayern am hinteren linken Oberschenkel wehgetan hatte. „Er fällt aus, das ist schade. Wie lange es dauert – dazu will ich keine Prognose abgeben. Es ist eine strukturelle Verletzung der Muskulatur. Wir hoffen natürlich, dass er zeitnah zurückkehrt.“ Nomineller Nachrücker für den Youngster wäre wie zuletzt Julian Malatini. Doch Thioune will die Karten in der Defensive noch nicht aufdecken: „Lassen Sie sich überraschen. So, wie ich den Gegner auch überraschen möchte …“
Werder – der Datenbank nach ein „St. Pauli-Schreck“
Die Statistiker meinen es in diesen Tagen nicht gut mit den Bremern: Aber zwölf Spiele ohne Sieg, dazu sieben der vergangenen neun Partien ohne eigenes Tor – das ist nun einmal die bittere Wahrheit in Zahlen. Doch es gibt auch Nachrichten aus der Datenbank, die Werder gut aussehen lassen. Am 1. Spieltag 1977/78 feierte der FC St. Pauli zwar sein Debüt in der Bundesliga sogleich mit einem 3:1-Heimsieg gegen Bremen. Doch dieser Erfolg von 1977 sollte der einzige Bundesliga-Erfolg der Braun-Weißen in den weiteren Vergleichen der beiden Nordklubs bleiben. Von den folgenden 18 Erstligabegegnungen mit Werder konnten die Hamburger bis heute keine einzige mehr gewinnen, fünfmal gelang immerhin ein Unentschieden.
Werder – ein echter „St. Pauli-Schreck“: Gegen keinen anderen Verein mussten die Kiez-Kicker in der höchsten Spielklasse jemals so lange auf einen Sieg warten. Und auch in der 2. Liga sah es nicht besser aus. Beide Duelle in der Saison 2021/22 endeten jeweils 1:1. Am heimischen Millerntor verlor St. Pauli seine jüngsten fünf Spiele allesamt gegen Bremen.
Mit viel Detailarbeit arbeitet der neue Coach an der grundlegenden Voraussetzung für einen Erfolg: Tore schießen. Die Überzeugung, dass seiner Mannschaft dies schon am Sonntag nach mageren Wochen endlich wieder gelingt, ist groß.
