Streit um den VAR: Baum ist fassungslos – Ittrich in Erklärungsnot 

Der FC Augsburg geriet in Mainz durch einen höchst diskutablen Elfmeter in Rückstand. Für FCA-Trainer Manuel Baum und seine Spieler war es nach dem Spiel nicht nachvollziehbar, dass der VAR da nicht eingegriffen hat. Schiedsrichter Patrick Ittrich erläuterte die Situation.

Fragwürdiger Elfmeter-Pfiff

Es waren gerade mal fünf Minuten gespielt in Mainz, als es zum Zweikampf zwischen Stefan Bell und Elvis Rexhbecaj im Augsburger Strafraum kam. Trotz der geringen Spielzeit war dies bereits die „spielentscheidende“ Situation für FCA-Trainer Manuel Baum. Denn Rexhbecaj haute am Ball vorbei, Bell ging zu Boden und Schiedsrichter Patrick Ittrich zeigte sofort auf den Punkt – Elfmeter für Mainz.

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Doch bevor Nadiem Amiri zum Strafstoß antreten durfte, verging eine gefühlte Ewigkeit. Der Videoassistent Johann Pfeifer schaute sich die Szene immer und immer wieder an, ohne aber Ittrich zum Bildschirm zu schicken. Nach mehr als drei Minuten fällte er dann die Entscheidung, nicht einzugreifen und die Feld-Entscheidung des Schiedsrichters stehenzulassen. Und das, obwohl auf den Bildern kein eindeutiger Kontakt zu erkennen war. Für Baum war das Verhalten des VAR absolut nicht nachvollziehbar.

FCA-Coach Baum versteht die Welt nicht mehr

„Es ist komplett unverständlich, dass der Schiedsrichter nicht rausgeht und das Ding nicht zurückgenommen wird. Man sieht in keinem Bild eine Berührung. Man sieht nur einen Spieler, der hinfällt“, sagte der Coach auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Der Verursacher selbst gab sogar zu, dass es womöglich einen Kontakt gab, sicher war er sich aber nicht: „Ich treffe ihn, glaub ich, minimal – wirklich minimal. Es war ein Streifer“, sagte Rexhbecaj bei Sky. Es war ein Streifer, der überall anders auf dem Spielfeld mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu einem Pfiff des Schiedsrichters geführt hätte.

Für Ittrich, der in der Szene nah dran war, gab es zunächst im Live-Geschehen gar keine Zweifel: „Ich habe gesehen, dass Bell ganz klar den Ball spielt und dass Rexhbecaj voll durchzieht und es zu einem klaren Kontakt am Fuß kommt, und ich höre ihn auch. Auch die Spieler drumherum haben alle diesen Knall wahrgenommen. Das war für mich dann glasklar ein Elfmeter.“ Dementsprechend selbstsicher zeigte der Unparteiische auch sofort auf den Punkt. Doch dann ging das lange Warten los.

„Wenn ich die Bilder sehe, muss man davon ausgehen, dass es eher kein Elfmeter ist.“ (Patrick Ittrich)

„Dann war ich im Kontakt mit dem Videoassistenten. Die haben die Bilder geprüft und konnten es weder widerlegen noch belegen.“ Da es eine hohe Eingriffsschwelle für den VAR gebe, sei er „eigentlich dankbar“, dass der VAR sich nicht einmischte. Ittrich bekam die Szene dann aber später selbst zu Gesicht und musste zugeben: „Wenn ich die Bilder sehe, muss man davon ausgehen, dass es eher kein Elfmeter ist.“ Der VAR habe trotzdem „komplett richtig gehandelt“. Denn die Feld-Entscheidungen sollen ja stark gemacht werden.

Dass diese Argumentation aber irgendwie nicht aufgeht, wenn die Feld-Entscheidung eine Fehlentscheidung ist, ließ FCA-Trainer Baum am gesamten Konstrukt Videoassistent zweifeln: „Wenn kein Kontakt in den Bildern erkennbar ist, bleibt es so stehen, was ja auch schon wieder eine aberwitzige Argumentation ist. Das kann mir keiner erklären, wie man auf so eine Kausalität kommt.“

Das habe zur Folge, dass eine gefährliche Sozialisation bei den Spielern stattfinde: „Der Videoassistent ist mittlerweile so weit: Wenn ich mich in eine Situation einfach reinstürze, dann wird gepfiffen. Das ist eine Cleverness, die das System jetzt anscheinend hervorruft, die wir bei den Spielern entwickeln müssen. Was aber meinem Gedanken von Fußball und Fairness nicht entspricht.“

Schlotterbeck ist nur noch „amüsiert“- Bell verteidigt seinen Fall

Der Frust war dem Augsburger Trainer anzumerken. Und Baum meinte auch, dass Ittrich selbst mit der VAR-Entscheidung unzufrieden gewesen sei. Der Schiedsrichter bestätigte das im Interview zwar nicht, aber es stand trotzdem außer Frage, dass in dieser Situation – mal wieder – nicht alles rund gelaufen war.

FCA-Kapitän Keven Schlotterbeck lobte Ittrich nach dem Spiel explizit für seine Spielleitung. Der Referee habe einen „Top-Job“ gemacht. Über den Videoassistenten konnte der Verteidiger aber nur noch lachen: „Ich amüsiere mich Woche für Woche, was wir eigentlich machen. Es ist brutal. Man sieht doch ganz genau, dass der an Bell vorbeischlägt.“

„Es ist eine minimale Berührung. Vor fünf oder zehn Jahren hätten wir nicht über einen Elfmeter gesprochen.“ (Niko Bungert)

Der Gefoulte selbst meldete sich übrigens auch zu Wort. Er verteidigte seinen Sturz: „Ich habe einen Kontakt gespürt. Sonst falle ich nicht. Das war natürlich kein Kontakt, der mir fast die Knochen gebrochen hätte, aber ohne Kontakt geh ich nicht runter“, sagte Bell. FSV-Sportdirektor Niko Bungert brachte das gut auf den Punkt: „Es ist eine minimale Berührung. Vor fünf oder zehn Jahren hätten wir nicht über einen Elfmeter gesprochen. Mittlerweile ist es halt einfach so.“

Ob das auch im Sinne des Sports ist, müssen wohl die Regelhüter vom DFB beantworten. Baum und seine Spieler finden jedenfalls nicht. Ihr Frust wird aber nichts daran ändern, dass an diesem Samstag in einem Duell gegen einen direkten Konkurrenten keine Punkte eingefahren wurden. Das nächste Spiel gegen ein Kellerkind wartet aber schon in einer Woche: Am kommenden Samstag (15.30 Uhr) wollen die Fuggerstädter zu Hause gegen den 1. FC Heidenheim wieder sportliche Schlagzeilen schreiben.

 Der FC Augsburg geriet in Mainz durch einen höchst diskutablen Elfmeter in Rückstand. Für FCA-Trainer Manuel Baum und seine Spieler war es nach dem Spiel nicht nachvollziehbar, dass der VAR da nicht eingegriffen hat. Schiedsrichter Patrick Ittrich erläuterte die Situation. 

 

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