Wer am Dienstagabend für Werder im Nachholspiel gegen die TSG Hoffenheim auflaufen kann, bleibt vor allem im Defensivbereich fraglich. Den unter Druck stehenden Trainer bringt das nicht aus der Ruhe.
Verteidigerfrage bleibt offen
„Wir haben schon noch Verteidiger. Nicht mehr so viele, aber trotzdem sind noch genügend da, die gut spielen können.“ Horst Steffen bemühte sich, vor der Nachholpartie am Dienstagabend (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker) gegen Hoffenheim trotz der angespannten Situation in der Abwehr keine Unruhe aufkommen zu lassen. Dass der Tabellen-15. Veränderungen vornehmen muss, ist dem Trainer klar: „Wir haben eine zwanghafte Rotation, sagen wir es einmal so …“
Letzteres liegt zumindest an zwei Akteuren. Kapitän Marco Friedl handelte sich in Leverkusen die fünfte Gelbe Karte ein und fehlt somit gesperrt. Isaac Schmidt erwischte es bei einem Zweikampf mit Bayer-Akteur Lucas Vazquez. Der Schweizer zog sich eine Kopfverletzung zu, die gemäß den medizinischen Vorschriften eine besonders sorgfältige Weiterversorgung erfordert.
Steffen sagte: „Wir müssen abwarten, wie die Tests verlaufen. Es könnte sein, dass er Ende der Woche wieder trainieren kann.“ Während Schmidts Posten links wohl wieder von Olivier Deman eingenommen wird, richten sich im Abwehrzentrum die hoffnungsvollen Blicke auf Amos Pieper, der in Leverkusen eine Wunde am rechten Knie davontrug. Ob der 28-Jährige dabei sein kann, wird sich erst kurzfristig entscheiden.
Gedankenspiele um Schmetgens und Alvero, Mbangula kehrt zurück
Für die Defensive ließ sich Steffen zumindest schon einmal zu Gedankenspielen anregen. Vor allem bei einer durchaus möglichen Rückkehr zur Viererkette („Wir haben das schon gespielt. Es ist bestimmt im Rahmen der Möglichkeiten“) könnte Youngster Mick Schmetgens (18) ins Blickfeld rücken. „Das ist natürlich ein Kandidat, der eine Rolle spielt, klar“, so Steffen, der sich ähnlich über den abwanderungswilligen Franzosen Skelly Alvero äußerte.
Im vorderen Mannschaftsteil dreht sich das Kandidatenkarussell noch schneller. Samuel Mbangula, der am Wochenende aus privaten Gründen fehlte, rückt wieder in den Kader und bildet mit Patrice Covic und Cameron Puertas personelle Möglichkeiten für Steffen, der einschränkte: „Das sind gute Jungs. Wir haben aber im Mittelfeld mit Senne Lynen, Jens Stage oder Romano Schmid auch gute Jungs. Ich habe gute Möglichkeiten auf der Bank, doch es hängt auch immer davon ab, wie die anderen spielen.“
Die angespannte Lage darf für Steffen nicht dazu führen, vor den nun anstehenden Heimspielen gegen Hoffenheim und am Samstag gegen Mönchengladbach von gewohnten Prinzipien abzugehen. „Es ist eine Situation, die anzunehmen ist. Wir wollen uns auf die Aufgaben fokussieren, die nächsten zwei Spiele nutzen, um wieder eine gute Leistung zu bringen. Jetzt brauchen wir die Ergebnisse dazu.“
Dass drei Punkte allmählich zur Pflicht werden, sei nicht ungewöhnlich. „Wir wollen Spiele gewinnen, entsprechend machen wir uns den Druck selbst. Die Spieler brauchen nicht nach acht sieglosen Spielen gesagt zu bekommen, dass sie gewinnen sollten. Das wissen sie selbst. Und das wollen sie auch jederzeit.“
„Jetzt ist es nicht so, dass ich zwingend draufhauen muss“
Dass mit Hoffenheim ausgerechnet eine der erfolgreichsten Mannschaften der vergangenen Wochen als nächster Gegner wartet, bereitet Steffen ebenfalls keine Sorgen. „Ich sehe die Qualität des Gegners und was sie schon an Punkten geholt haben und bin herausgefordert, trotzdem eine Mannschaft aufs Feld zu schicken, die Tore schießen und Spiele gewinnen kann.“ Besonnen und verlässlich will er seine Mannschaft auf die richtungsweisenden Partien einstellen. „Wichtig ist, dass immer wieder die Klarheit da ist, wie ich mit der Mannschaft umgehe. In der Regel habe ich immer meine Ruhe und meine Haltung bewahrt, nicht meine Aktionen verändert. Es hat mich immer ausgezeichnet, dass Verlässlichkeit von meiner Person ausgeht.“
Dabei habe es immer Situationen gegeben, in denen er schärfer in der Ansprache gewesen sei, auch im Erfolgsfall. „Wenn ich das Gefühl habe, ich muss die Jungs in den Arm nehmen, dann tue ich das genauso. Es ist immer eine Überlegung, wie ich mit einer Mannschaft umgehe. Jetzt ist es nicht so, dass ich zwingend draufhauen muss.“
Das eigene Schicksal, womöglich als Trainer auf Bewährung zu agieren, lässt Steffen unberührt. „Wir sind alle in der Pflicht. Jeder ist in der Pflicht, sein Bestes zu tun. Das ändert sich auch jetzt nicht. Ich mache mir wenig Gedanken über die Zukunft, sondern konzentriere mich auf meine Aufgabe, tagtäglich das Beste zu machen. Ich fühle mich gut hier. Die Ergebnisse fühlen sich nicht gut an, das ist das, was stört.“ Bei den guten Leistungen, die seine Mannschaft abliefere, gebe es auch wieder Siege. „Es ist eine Frage der Zeit, bis das passiert.“
Absturzsorgen? Erinnerungen an Elversberg
Auch die Tatsache, aktuell aufgrund der Negativserie immer tiefer abzurutschen und den sicheren Abstand zu den Abstiegsplätzen zu verlieren, bringt Steffen dank seiner Erfahrung nicht aus der Ruhe. „Ich kenne Situationen, in denen das Ergebnis nicht passt, zur Genüge“, so der 56-jährige Routinier. „Ich hatte schon einmal 17 Punkte Vorsprung und es hieß, dass wir den noch verspielen. Nein, haben wir nicht! Wir haben uns gefangen, sind am Ende mit vier Punkten Vorsprung aufgestiegen.“ Im Frühjahr 2023 war das, als Steffen als Trainer der SV Elversberg mit der Drittliga-Meisterschaft der direkte Durchmarsch von der Regionalliga in die 2. Liga gelang.
Wer am Dienstagabend für Werder im Nachholspiel gegen die TSG Hoffenheim auflaufen kann, bleibt vor allem im Defensivbereich fraglich. Den unter Druck stehenden Trainer bringt das nicht aus der Ruhe.
