Zwei harte Fouls sorgten am vergangenen Spieltag für Diskussionen. Nun bezieht der Chef der Schiedsrichter eindeutig Stellung.
Für Kircher wäre jeweils ein VAR-Eingriff notwendig gewesen
Eine aus seiner Perspektive erfreuliche Zwischenbilanz zur laufenden Spielzeit zog DFB-Schiedsrichter-Boss Knut Kircher am Dienstag beim jährlichen Treffen mit Mitgliedern des Verbands Deutscher Sportjounalisten (VDS) in Frankfurt. Am DFB-Campus präsentierte der Geschäftsführer der DFB-Schiedsrichter GmbH intern erhobene Zahlen, die für klare Leistungsfortschritte der Unparteiischen sprechen, u.a. bei Entscheidungen über Foul- und Handelfmeter.
Bei allem Ärger um technisch bedingte Unzulänglichkeiten der zu Saisonbeginn eingeführten halbautomatischen Abseitstechnologie (SAOT) konnte Kircher zudem verkünden: Die durchschnittliche Checkdauer von Abseitssituationen ist dank der Neuerung von 45 auf 23 Sekunden gesunken. Gewisse Kinderkrankheiten des Systems könnten zudem nach den ersten Monaten bereits überwunden sein: „Wir hatten zuletzt keine technischen Probleme mehr.“
Gesundheitsschutz soll nicht unter hoher Eingriffsschwelle leiden
Ausdrücklich kritisch sieht Kircher unterdessen zwei heiß diskutierte Entscheidungen vom vergangenen Wochenende: Sowohl der Leipziger Nicolas Seiwald als auch Dortmunds Nico Schlotterbeck waren bei ihren harten Fouls mit offener Sohle gegen Bayerns Leon Goretzka respektive St. Paulis Arkadiusz Pyrka jeweils mit einer Verwarnung davongekommen. Die Schiedsrichter Sascha Stegemann (Leipzig-Bayern) und Harm Osmers (BVB-St. Pauli) zogen jeweils Gelb, die Video-Assistenten Christian Dingert bzw. Johann Pfeifer verzichteten auf einen Eingriff. Auch der kicker bewertete beide Entscheidungen als vertretbar.
Für Kircher ein Anlass, den Fokus wieder stärker auf den Gesundheitsschutz der Spieler zu legen, wie der Ex-FIFA-Referee betont. „Ich könnte jetzt zufrieden sein, weil wir beide Szenen einheitlich bewertet haben“, so der 56-Jährige. „Das ist grundsätzlich gut. Allerdings wäre mir noch lieber gewesen, wir hätten es einheitlich richtig gemacht.“ In beiden Fällen wäre nach Einschätzung der Sportlichen Leitung der DFB-Schiedsrichter eine Rote Karte die passende Konsequenz gewesen – und auch ein Eingriff des VAR. Die grundsätzlich gewünschte hohe Eingriffsschwelle dürfe gegenüber dem Gesundheitsschutz keine Priorität genießen.
Zwei harte Fouls sorgten am vergangenen Spieltag für Diskussionen. Nun bezieht der Chef der Schiedsrichter eindeutig Stellung.
