Eintracht-Coach Albert Riera legt viel Wert auf eine positive Grundstimmung im Alltag. Er warnt vor einer unrealistischen Erwartungshaltung und gibt zu bedenken: „Die Spieler sind exakt die gleichen wie vor sechs Wochen.“
Eintracht-Lazarett lichtet sich
Albert Riera begann die Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 mit einem knapp siebenminütigen Monolog. Nach der im Anschluss an die Spiele bei St. Pauli (0:0) und gegen Heidenheim (1:0) aufgekommenen Kritik am lahmen Offensivspiel ordnete der Eintracht-Coach das große Ganze ein.
„Noch vor sechs Wochen haben wir die meisten Gegentore in ganz Europa kassiert“, erinnert Riera an die enorme Anfälligkeit unter seinen Vorgängern Dino Toppmöller und Dennis Schmitt. Innerhalb kürzester Zeit ist es ihm gelungen, das Team zu stabilisieren. Zuletzt stand hinten dreimal in Folge die Null.
„Wir sind nicht perfekt.“ (Albert Riera)
„Wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben, wir können nicht fliegen. Die Spieler sind exakt die gleichen wie vor sechs Wochen. Wir sind nicht perfekt. Es war vorher kein Desaster, wir sind jetzt aber auch keine Mannschaft voller Maradonas“, konstatiert der 43-Jährige. Tabellarisch sieht er ein Defizit von „zwölf bis 15 Punkten“. Das wird Frankfurt im Saisonendspurt nicht mehr kompensieren können.
Deshalb betont Riera: „Natürlich arbeiten wir daran, die Offensive zu verbessern. Aber wir wissen, wer wir sind. Wir haben ein Defizit von sieben Monaten in unserem Rücken. Wenn du unrealistische Erwartungen hast, wirst du unglücklich sein.“ Das will er unbedingt vermeiden. Vom ersten Tag an versucht er, dem gesamten Klub seine Positivität einzuimpfen.
Erfreulich: Die personelle Lage entspannt sich immer weiter. Verletzungsbedingt fallen lediglich Kaua Santos (Innenbandverletzung im Knie) und Rasmus Kristensen (Syndesmose-OP) aus; Robin Koch fehlt wegen einer Gelb-Roten-Karte. Dass Can Uzun und Younes Ebnoutalib wieder Optionen für den Kader sind, war erwartet worden. Überraschend ist, dass früher als erwartet auch Arthur Theate und Ansgar Knauff zurückkehren könnten. Damit nimmt auch der Verdrängungswettbewerb zu. Riera steht bei der Kaderauswahl vor einigen schwierigen Entscheidungen.
Doppelspitze mit Burkardt?
Offen lässt er, ob Jonathan Burkardt im Duell bei seinem Ex-Klub in der Startelf stehen wird. Riera erklärt, dass die Mannschaft bereit sei, mit zwei Spitzen zu spielen. Die Entscheidung macht er aber von der Systematik und den Stärken und Schwächen des jeweiligen Gegners abhängig. Bei dieser Abwägungsfrage achtet er darauf, dass die Positionierung seiner Spieler so ist, dass sie nach Ballverlusten gut ins Gegenpressing kommen. Stabilität als oberstes Gebot.
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In Mainz sieht Riera sein Team physisch im Vorteil. Die 05er setzten sich am Donnerstagabend im Conference-League-Achtelfinale gegen Sigma Olmütz (2:0) durch. „Am liebsten wäre es mir gewesen, wenn sie erst in der Verlängerung gewonnen hätten“, sagt Riera. Trotzdem setzt er auf den Frische-Faktor seines Teams: „Wir haben fast April, da bist du nicht mehr so frisch wie noch im September und Oktober. Das ist ein Vorteil für uns, da es in der ersten Elf von Mainz keine großen Veränderungen geben wird. Wir müssen geduldig bleiben und zeigen, dass wir frischer sind als sie.“
Historisch betrachtet ist Mainz für die Eintracht allerdings kein gutes Pflaster: In der Bundesliga gewann Frankfurt nur eines von 17 Auswärtsspielen am Rhein (6 Niederlagen, 10 Remis). Nimmt man die 2. Liga hinzu, verschlechtert sich die Bilanz sogar noch auf einen Sieg in 21 Gastspielen (7 Niederlagen, 13 Remis).
Eintracht-Coach Albert Riera legt viel Wert auf eine positive Grundstimmung im Alltag. Er warnt vor einer unrealistischen Erwartungshaltung und gibt zu bedenken: „Die Spieler sind exakt die gleichen wie vor sechs Wochen.“
