Wechselambitionen, Gegentorflut, Trainerwechsel: Aurele Amenda kann nach schwierigen Wochen bei Eintracht Frankfurt die Chance nutzen, die sich durch Arthur Theates Verletzung bot. Der Ausfall Rasmus Kristensens bedingt weitere Umstellungen.
Bekommt auch Baum seine Chance?
Wenige Sekunden vor der Halbzeitpause meistert Aurele Amenda am Samstagnachmittag seine härteste Prüfung. Rasmus Kristensen schickt den Innenverteidiger mit einem unsauberen Rückpass in Richtung des eigenen Tores in die brenzlige Situation. Gladbachs Haris Tabakovic lauert schon in bester Position – doch Amenda rettet per Grätsche in höchster Not die 2:0-Pausenführung und ebnet damit den Weg zum recht souveränen 3:0-Heimsieg.
Noch vor wenigen Wochen war nicht absehbar, dass der Schweizer entscheidend zum ersten Sieg nach neun erfolglosen Anläufen beiträgt. Amenda wollte weg aus Frankfurt. Nicht verwunderlich angesichts der nur 247 Spielminuten, die Dino Toppmöller dem 22-Jährigen in der Bundesliga vor der Winterpause gab. 135 Minuten Champions League kamen bis dato obendrauf. Eine unbefriedigende Situation nach 24 Pflichtspielen. Für den Verteidiger geht es zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr nur um die persönliche Weiterentwicklung als Sportler, sondern auch um die WM-Teilnahme mit der Schweiz.
Interessenten gab es genug, wirklich konkret wurde ein Wechsel aber nie, weil die Eintracht den Innenverteidiger nicht ziehen lassen wollte. Zum einen, weil Sportchef Markus Krösche von Amendas Qualität überzeugt ist, zum anderen, weil er einen Ersatz hätte beschaffen müssen.
Gegentorflut im Januar
Der Januar verlief für Amenda unabhängig von Wechselambitionen auch auf dem Platz recht turbulent. Zwar stand der 1,94 Meter große Hüne erst unter Toppmöller und dann unter dem Interimsduo viermal in der Startelf, konnte sich inmitten der völlig verunsicherten SGE-Abwehr aber nicht profilieren und musste in Stuttgart (2:3), sowie daheim gegen Hoffenheim (1:3), Leverkusen (1:3) und Tottenham (0:2) die Flut der Gegentreffer über sich ergehen lassen.
Unter Albert Riera gerät Amenda zunächst ins Hintertreffen. Bei seinem Debüt an der Seitenlinie bei Union Berlin bekommen Arthur Theate und Robin Koch den Vorzug im Abwehrzentrum. Kristensen ergänzte die nominelle Viererkette immer wieder zu einem Dreierverbund. Und sehr wahrscheinlich wäre es bei dieser Konstellation erst mal geblieben, wäre nicht das Verletzungspech der treue Begleiter dieser Saison. Theates Meniskusverletzung, verbunden mit einem voraussichtlichen Ausfall bis Ende März, spülte Amenda wieder in die Startelf.
Und da machte er gegen Gladbach ein richtig gutes Spiel. „Er hat es sehr gut gemacht, sehr unaufgeregt“, lobte Robin Koch seinen Nebenmann, der als resoluter Zweikämpfer gefiel, was die Daten bestätigen. 73 Prozent seiner elf Zweikämpfe am Boden gewann Amenda, 62 Prozent seiner acht Luftzweikämpfe. Die harmlose Gladbacher Offensivabteilung war sicher kein Gradmesser, doch das Spiel dürfte den wichtigsten Zweck erfüllt haben: Sicherheit geben und Selbstvertrauen sammeln.
Nach 20 Gegentoren aus den ersten sieben Pflichtspielen des Jahres setzte Riera bei seinem Heimdebüt auf einfache, klare Maßnahmen. Gegen den Ball verteidigte die SGE teils mit sechs Spielern in letzter Linie, um das Zentrum zu verdichten. Koch sprach von „klaren Prinzipien“, die Riera der Mannschaft gegeben habe: „Es hat sich sehr gut auf dem Platz angefühlt.“ Sportvorstand Krösche gefiel „eine gewisse defensive Struktur“ und „eine ganz andere Verteidigungsmentalität“.
Baum als möglicher Kristensen-Ersatz
Einspielen kann sich diese Abwehrformation aber nicht. Kristensens Sprunggelenkverletzung zwang Riera schon in der Halbzeitpause am Samstag zum Wechseln. Nnamdi Collins übernahm und machte seine Sache solide. Doch ob der 22-Jährige sein monatelanges Formtief damit schon überwunden hat, bleibt abzuwarten.
Für die Kristensen-Position kommt auch Elias Baum infrage, dessen einziger Einsatz in dieser Saison Ende Dezember beim HSV (1:1) schon nach 13 Minuten wegen einer Innenbandverletzung endete. Gegen Gladbach saß der 20-Jährige, der in der Vorsaison als Leihspieler bei der SV Elversberg überzeugte, erstmals wieder auf der Bank. Das in Frankfurt geborene Eigengewächs hofft darauf, den Trainerwechsel für sich nutzen zu können. „Für alle geht es bei null los und ich erhoffe mir natürlich Einsatzchancen in den kommenden Monaten. Dann liegt es an mir, alles dafür zu geben, diese zu nutzen“, sagte er unlängst im vereinseigenen Podcast.
Wechselambitionen, Gegentorflut, Trainerwechsel: Aurele Amenda kann nach schwierigen Wochen bei Eintracht Frankfurt die Chance nutzen, die sich durch Arthur Theates Verletzung bot. Der Ausfall Rasmus Kristensens bedingt weitere Umstellungen.
