Dieses Wochenende bot mit den packenden Final-Duellen im Tennis und im Handball Spannung pur. Spannung, die in der Bundesliga mit ihren routinierten Abläufen fehlt. Ist es Zeit für eine revolutionäre Veränderung im deutschen Fußball?
kicker-Kolumne zum Wochenende mit Tennis, Handball und Fußball
Carlos Alcaraz gegen Novak Djokovic. Dänemark gegen Deutschland. An diesem Wochenende wurde natürlich auch Fußball gespielt, aber die Highlights lieferten andere Sportarten. Ihre Endspiele sind immer wieder begeisternd. Gewinnen oder verlieren, epischer Held sein oder trauriger Verlierer, do or die – das ist es, was uns alle fasziniert. Ein Match, ein Abend, eine Entscheidung. Mega!
Nichts geht über ein Finale. Das ist oben an der Weltspitze so, genau wie unten an der Basis, derzeit im ganzen Land zu erleben bei den unzähligen Hallenturnieren im Jugendfußball. Für jedes Kind ist ein Endspiel ein tolles, ein aufregendes Erlebnis. Es knistert in der Halle, dann geht es raus aufs Feld, Musik ertönt, die Champions-League-Hymne etwa. So ein Gefühl bringt dir nur der Sport. Turniere, in denen jeder gegen jeden gespielt wird, sind auch schön. Sie sind fairer, weil hier immer der Richtige, der Beste gewinnt. Sie sind oft unaufgeregter. Sie bringen meist mehr Spielzeit für alle Kids. Der Reiz eines Finals, der fehlt ihnen am Ende trotzdem.
Langeweile in der Bundesliga – so sollte Sport nicht sein
Ein K.-o.-Duell Mann gegen Mann ist nirgends so packend wie im Tennis. Schon das Fünf-Stunden-Halbfinale zwischen Alcaraz und dem wirklich starken Alexander Zverev bot alles, was einen sportlichen Fight ausmacht. Das Spiel? Weltklasse! Die Umarmung danach? Ergreifend. Und da stand das große Finale erst noch bevor, in das Djokovic gegen Jannik Sinner ähnlich spektakulär einzog. Dänemarks und Deutschlands Handballer wären im Modus jeder gegen jeden wohl auch Erster und Zweiter geworden, aber ein Showdown zweier Giganten toppt doch alles. Am nächsten Wochenende steigt der Super Bowl, das ultimative Endspiel als Krönung der Play-offs, in denen schon die Post abging. Zudem wird bei Olympia um Gold gekämpft.
Das Gegenmodell zu all dem ist die Fußball-Bundesliga. 306 Spiele, jeder gegen jeden, keinerlei Zuspitzung. Augsburg hin, Hamburg her – Bayern dürfte wieder Meister werden, zum 13. Mal in 14 Jahren. Es wird kein Endspiel geben, sondern routinierte Bierduschen und zwei Minuten humba humba. Die Bosse werden vom „ehrlichsten Titel“ reden und recht haben. Doch wäre es nicht schöner, wenn sich die Münchner durch Play-offs kämpfen müssten und dann im Finale die Dortmunder schlagen? Vielleicht wären sie dann in 14 Jahren nur elfmal Meister geworden. Für den Wettbewerb aber, für die Attraktion Bundesliga, da wären Play-offs und Finalspiele, zur Not im Best-of-three-Modus, damit auch wirklich der Stärkste die Schale bekommt, ein Segen. Aktuell ist das Meisterrennen langweilig. So sollte Sport nicht sein.
Dieses Wochenende bot mit den packenden Final-Duellen im Tennis und im Handball Spannung pur. Spannung, die in der Bundesliga mit ihren routinierten Abläufen fehlt. Ist es Zeit für eine revolutionäre Veränderung im deutschen Fußball?
