Der VfL Wolfsburg stellt sich im Abstiegskampf neu auf. Dieter Hecking soll die Mannschaft retten, Aufsichtsrat Diego Benaglio rückt näher heran – und Sportdirektor Pirmin Schwegler wechselt auf die Bank.
Die VfL-Fixpunkte im Abstiegskampf
Pirmin Schwegler, der am Montag 39 Jahre alt wurde, will sich gar nicht erst in die Gefahr begeben, ein Wort über die Geschehnisse der vergangenen Wochen zu verlieren und sich dabei womöglich auch über seinen Ex-Boss äußern zu müssen. Nach dem 1:2 gegen den Hamburger SV wurde die Entlassung von Geschäftsführer Peter Christiansen vollzogen.
„Es waren sehr intensive drei Monate“, blickt Schwegler zurück auf die Zeit seit seinem Amtsantritt Mitte Dezember, „ich habe vieles mitbekommen, vieles miterlebt“, das reiche normal für ein, zwei Saisons. „Aber es hilft nicht, nach hinten zu schauen.“ Der Schweizer rückt nun automatisch noch stärker in die Verantwortung. Und nimmt ab sofort an Spieltagen einen Platz auf der Bank ein.
„Der VAR, der Vierte Offizielle und Dieter Hecking – das passt nicht immer.“ (Der neue VfL-Trainer holt sich mit Pirmin Schwegler Unterstützung auf die Bank)
Diese Idee hatte es zuletzt schon gegeben, nun wird sie unter dem neuen Trainer Dieter Hecking in die Tat umgesetzt. „Der VAR, der Vierte Offizielle und Dieter Hecking – das passt nicht immer“, sagt der Coach lachend. Er benötige Schweglers Unterstützung an seiner Seite. „So kann Pirmin als Bezugsperson zum Vierten Offiziellen wirken, in ruhiger Art intervenieren. Dann bin ich da raus und laufe nicht Gefahr, Gelb zu bekommen.“ Außerdem gehe es darum, „die Reihen zu schließen“, wie Hecking betont: „Die Mannschaft soll wissen: Das sind jetzt unsere Fixpunkte, unsere wichtigsten Ansprechpartner in den nächsten Wochen.“
Zu diesen Fixpunkten gehört ab sofort noch stärker Diego Benaglio. Der Meistertorwart, seit dieser Saison im Wolfsburger Aufsichtsrat und seit Kurzem auch im Präsidium des Kontrollgremiums, rückt nach der Trennung von Geschäftsführer Christiansen noch näher heran. Ans Team, an den Trainer, an den Sportdirektor. „Wir haben Diego gebeten, diese sportliche Lücke zu füllen, bis Saisonende diese Aufgaben wahrzunehmen“, sagt Aufsichtsratsboss Sebastian Rudolph. „Er behält seine Funktion als Aufsichtsrat, wird aber als Bindeglied zu Dieter Hecking, Pirmin Schwegler, zur Mannschaft und zum Staff agieren.“
Und zu den Fans, wie es Benaglio schon am Samstag demonstriert hatte. Nachdem die Situation in der Wolfsburger Nordkurve nach dem 1:2 gegen den HSV eskalierte, Pyrotechnik und Rauchbomben gezündet wurden, da war es der frühere Keeper, der gemeinsam mit Sportdirektor Schwegler den schweren Gang in die Kurve antrat, das Gespräch mit dem wütenden und enttäuschten Anhang suchte.
Benaglio, zuletzt als Aufsichtsrat eher in der Beobachterrolle, ist in der größten Krise der Vereinsgeschichte zurück im Tagesgeschäft beim VfL. Boss Rudolph dankt dem 42-Jährigen, der zu seiner Vertrauensperson geworden ist, „für diese Loyalität und diese Verbindung zum Verein“. Der VfL Wolfsburg bündelt seine Kräfte im Abstiegskampf. Und in der Hoffnung, dass es angesichts von vier Punkten Rückstand zum rettenden Ufer noch nicht zu spät ist.
Der VfL Wolfsburg stellt sich im Abstiegskampf neu auf. Dieter Hecking soll die Mannschaft retten, Aufsichtsrat Diego Benaglio rückt näher heran – und Sportdirektor Pirmin Schwegler wechselt auf die Bank.
