Mit Ole Book als Sportdirektor bricht bei Borussia Dortmund eine neue Zeit an. Bei der Vorstellung des 40-Jährigen erklären die BVB-Verantwortlichen die neue Zwei-Wege-Strategie. Mutige Personalentscheidungen und eine gute Passung im Kader sollen den Weg zum Erfolg ebnen.
Dortmunds Zwei-Wege-Strategie
Gerade einmal drei Stunden ist Ole Book am Mittwoch im Amt, als er das erste Mal vor die Medienvertreter tritt. Das Interesse am neuen Sportdirektor von Borussia Dortmund ist groß, als er um 12 Uhr den Pressekonferenzraum im Signal-Iduna-Park betritt. Als Erfolgsmanager beim Zweitligisten SV Elversberg hat sich der 40-Jährige zwar einen guten Namen in der Branche gemacht, außerhalb aber ist er noch weitgehend unbekannt. Was auch daran ablesbar ist, als dass die meisten Medien noch immer von „Nils-Ole“ sprechen und schreiben. Obwohl ihn zuletzt seine Mutter so genannt hatte, als er als Fünfjähriger was ausgefressen hatte, wie er auf eine entsprechende Nachfrage erklärt.
„Was sich der BVB wünscht, deckt sich mit dem, was ich zu bieten habe“
Aufgewachsen in Beckum und früh mit dem BVB sozialisiert, war es stets ein Wunschgedanke von Book, einmal für die Borussia zu arbeiten. Dieser Tag ist am Mittwoch gekommen. Am Ziel aber sieht er sich damit noch lange nicht. „Ich war mein Leben lang Fan, mein Vater und mein Sohn ebenso. Am Lebensendziel aber bin ich noch nicht, denn ich habe den beruflichen Wunsch, erfolgreich hier zu arbeiten – und dieses Ziel ist noch nicht erreicht“, sagt er.
- Die PK des neuen BVB-Sportdirektors Book zum Nachlesen
Wenn überhaupt, sind an diesem Mittwoch erst die ersten Trippelschritte auf dem Weg dahin genommen. Durch erste Kennenlerngespräche mit dem Staff und einigen Spielern sowie einen Austausch mit Trainer Niko Kovac, der künftig sein engster Ansprechpartner im Klub werden soll. Das Gefühl nach ereignisreichen 72 Stunden, in denen sich der BVB nicht nur von Books Vorgänger Sebastian Kehl trennte, sondern die Geschäftsführer Carsten Cramer und Lars Ricken auch gleich beim Nachfolger Nägel mit Köpfen machte, beschreibt der selbstbewusst auftretende neue Mann in Dortmund so: „Was sich der BVB wünscht, deckt sich mit dem, was ich zu bieten habe. Es passt alles zusammen.“
Book soll den Neuanfang prägen
Bei Kehl, dem Ricken und Cramer am Mittwoch öffentlich noch Worte der Dankbarkeit widmeten, war dieses Gefühl in der Führung zuletzt nicht mehr gegeben. Nach 24 Jahren beim BVB war das Gefühl da, dass die Geschichte möglicherweise auserzählt sei, ein Neuanfang hermüsse. Für Kehl wird dieser außerhalb Dortmunds liegen, beim BVB soll er von Book geprägt werden.
„Wir sprechen nicht von einem kompletten Neubau, hier wurde vieles sehr gut gemacht, das Fundament ist sehr ordentlich, das Haus schick, aber wir haben auch noch Ausbaureserven“, sagt Cramer. „Wir wollen und müssen bereit sein, Veränderungen einzugehen und auch mal unkonventionelle Maßnahmen zu treffen, für die auch neue Gesichter stehen. In Ole Book haben wir ein frisches, unverbrauchtes Gesicht verpflichtet, mit dem wir dem Wunsch Ausdruck verleihen, die Menschen noch mehr für den BVB zu begeistern.“
Ein erstes To-do von Book wird ein Gespräch mit Schlotterbeck sein
Book eilt der Ruf des „Perlentauchers“ voraus. In Elversberg entdeckte er reihenweise Talente, die sich in der Folge teils zu Nationalspielern entwickelten. Nick Woltemade etwa, oder Fisnik Asllani. Auch in Dortmund soll er dieses Gespür für spannende, junge Spieler einbringen. Allerdings wird der BVB auch künftig nicht „mit einer U-21-Mannschaft auflaufen“, wie Ricken explizit unterstreicht: „Wir werden eine Zwei-Wege-Strategie fahren. Mit erfahrenen Spielern, die den Talenten Führung und eine Möglichkeit zum Anlehnen geben. Wir können nicht einfach sagen ‚Jugend forscht‘ und dann werden wir Siebter. Wir benötigen eine gesunde Mischung.“ Denn klar ist auch, dass der mutige neue Ansatz des BVB auch beinhaltet, wieder stärker danach zu streben, den FC Bayern zu attackieren. Es gehe, wie Book betont, „um den kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Erfolg. Für alle drei Ebenen fühle ich mich verantwortlich.“
Viel Zeit zum Einarbeiten bleibt Book nicht. Am Nachmittag ist ein Termin auf der Geschäftsstelle geplant, um noch mehr Mitarbeiter kennenzulernen – dann wird er sich an die Kaderplanung machen. Eines der ersten To-dos auf seiner Liste wird ein Gespräch mit Nico Schlotterbeck sein. Die Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung waren bereits unter seinem Vorgänger Kehl weitgehend fortgeschritten. Es liegt ein Papier auf dem Tisch, das eine Verlängerung samt Gehaltsanpassung ebenso beinhaltet wie Ausstiegsmöglichkeiten. Unterschrieben aber ist noch nichts, auch wenn die Signale der Schlotterbeck-Seite Dortmunds Bosse zuletzt vorsichtig optimistisch stimmten. Dass sich der Klub verändert und dabei auch durch die Verpflichtung Books frischen Esprit versprüht, dürfte der ehrgeizige Nationalspieler mit großem Interesse registriert haben.
Book: „Es geht vor allem um die Passung“
Was die weiteren Personalplanungen angeht, lässt sich Book am Mittwoch noch nicht in die Karten schauen. Kein Wunder zu so einem frühen Zeitpunkt. Wohl aber gibt er Einblick darin, wie er generell einen Kader plant und worauf er Wert legt. „Es geht vor allem um die Passung. Wir wollen ein Team ins Rennen schicken, bei dem jedes Rädchen ins andere greift“, sagt er. „Fleiß ist dabei die Basis des Scoutings. Das Scouting ist die Basis der Kaderplanung. Und die Kaderplanung ist die Basis des Erfolgs.“
Erste Ideen, wo er den Kader weiterentwickeln wolle, habe er bereits. Wofür der BVB künftig fußballerisch stehen soll, ist ebenfalls vordefiniert. Mut soll auch hier an erster Stelle stehen. Kein Zweifel, es sind neue Zeiten bei der Borussia, die – wie man am Beispiel Books sieht – nicht länger in Problemen und Risiken denken will, sondern in Chancen.
Mit Ole Book als Sportdirektor bricht bei Borussia Dortmund eine neue Zeit an. Bei der Vorstellung des 40-Jährigen erklären die BVB-Verantwortlichen die neue Zwei-Wege-Strategie. Mutige Personalentscheidungen und eine gute Passung im Kader sollen den Weg zum Erfolg ebnen.
