Wieder einen Rückstand gedreht, wieder haben die Joker gezündet – der SC Freiburg ist auch in der Liga zurück auf Kurs. Bei Igor Matanovic ist durch das 2:1 gegen den HSV „Last von den Schultern gefallen“. Eine Abwehr-Säule bereitet allerdings Sorgen.
Erlösung für den Stürmer, Sorgen um Lienhart
Julian Schuster gab am Samstagabend Einblick in die Vorbereitung auf das Spiel gegen den HSV. „Wir haben es vor dem Spiel noch mal thematisiert, dass die Jungs, die nicht beginnen dürfen, mit ihrer Enttäuschung positiv umgehen und sich entsprechend einbringen sollen, wenn sie reinkommen.“
Das hat erneut bestens geklappt. Während kurz vor Weihnachten Derry Scherhant nach seiner Einwechslung den 4:3-Siegtreffer in Wolfsburg erzielt hatte, waren diesmal Niklas Beste und Igor Matanovic entscheidend. Beste gab nach einem Kopfball von Johan Manzambi den Ball flach nach innen, wo Matanovic mit gutem Stürmer-Instinkt lauerte und den Ball zum 2:1 ins Netz drückte.
Auch wenn Matanovics Tor nicht hätte zählen dürfen, weil Manzambi im Kopfballduell Jordan Torunarigha regelwidrig mit dem über Schulterhöhe abgespreizten Oberarm im Gesicht getroffen hatte und der VAR hätte intervenieren müssen – am Ende stand der sechste Saisonsieg der Freiburger auf der Anzeigetafel.
Es war der dritte Dreier mit nur einem Tor-Vorsprung. Vergangene Saison waren knappe Siege ein großer Erfolgsfaktor für den Europa-League-Einzug, elf der 16 Saisonerfolge gingen mit der kleinstmöglichen Differenz zugunsten der Freiburger aus. Diese Winner-Qualität kam während des insgesamt holprigen Auftakts in die aktuelle Liga-Spielzeit lange nicht so sehr zum Tragen. Erst das 2:1 gegen St. Pauli Anfang November markierte den ersten Erfolg dieser Art.
Fünf der letzten sieben Spiele gewonnen
Aktuell ist das Team von Julian Schuster aber auch in der Liga wieder auf Kurs, hat nur noch drei Zähler Rückstand auf den Siebten Eintracht Frankfurt und fünf der letzten sieben Pflichtspiele gewonnen. Auch, weil die SC-Profis erneut einen Rückstand drehten. In Wolfsburg war ihnen das sogar zweimal gelungen, gegen Dortmund zuvor hatten sie noch ein 1:1 erreicht.
„Nach einem Rückstand gehen die Köpfe nicht runter, sondern der Fokus bleibt auf der Aufgabe“, lobte Schuster. Erfreulich war für den SC-Coach zudem die dominante Anfangsphase mit drei stark herausgespielten Chancen, als lediglich die Effizienz fehlte. Der Vortrag nach den 30 Minuten und die nicht sehr souveräne Schlussphase in Überzahl nach Führung bieten hingegen Anlass für Verbesserungen.
Bei Matanovic persönlich stehen derweil Freude und Erlösung klar im Vordergrund. Schon gegen Dortmund hatte der Sommerzugang das vermeintliche 2:1 kurz vor Schluss erzielt, das aber wegen vorheriger Abseitsposition aberkannt wurde. Diesmal hatten er und der SC das erwähnte Glück, das bei knappen Siegen immer mal dazugehört und Freiburg auch bei der Strafstoß-Entscheidung vor dem 1:1 gewogen war.
„Jetzt habe ich mich auch einfach selbst belohnt für die Arbeit, die ich geleistet habe.“ (Igor Matanovic)
Der Pfiff des insgesamt schwachen Schiedsrichters Timo Gerach nach dem geringfügigen Kontakt von Daniel Elfadli mit der Wade Lucas Hölers, den der SC-Stürmer effektreich ausnutzte, war jedenfalls sehr schmeichelhaft zugunsten der Gastgeber.
Alls das war Matanovic nach dem Abpfiff nachvollziehbarerweise egal. „Natürlich bin ich überglücklich. Man hat es am Jubel auch gesehen, dass mir ein bisschen Last von den Schultern gefallen ist, weil das erste halbe Jahr für mich ziemlich schwer war“, sagte der kroatische Nationalspieler bei DAZN. Nur einmal hat der 6,7-Millionen-Euro-Zugang in jetzt 21 Saisoneinsätzen ein Startelfmandat erhalten – im Pokal in Düsseldorf – und insgesamt die externen und eigenen Erwartungen noch nicht erfüllt.
- Neuer Anlauf für eine größere Rolle: Was Matanovic in Freiburg leisten soll (k+)
Nun hat er einen Schritt gemacht auf dem Weg zu einer größeren Rolle im SC-Team und zum heiß ersehnten WM-Ticket mit Kroatiens Nationalteam. Matanovic ist mit wettbewerbsübergreifend vier Saisontoren zusammen mit Johan Manzambi nun der drittbeste Torjäger im Team, nach Scherhant (5) und Dauer-Top-Scorer Vincenzo Grifo (10).
„Es ist eine Sache, die mich auszeichnet, niemals aufzugeben, egal wie die Situation ist. Jetzt habe ich mich auch einfach selbst belohnt für die Arbeit, die ich geleistet habe“, sagte Matanovic und dankte danach seinen Teamkollegen: „Es zeichnet die Mannschaft sehr stark aus, wie mir danach jeder Einzelne gratuliert hat. Ich fühle mich sehr wohl in der Mannschaft und wir können so weitermachen.“
Wieder Sorgen um Lienhart
Gegen weitere Siege mit entscheidenden Matanovic-Toren hätte sicher niemand beim SC etwas einzuwenden. Mit Schwung reisen die SC-Profis zunächst zu am Wochenende spielfreien Leipzigern, um am Mittwoch im elften Anlauf ein schwieriges Ziel erstmals zu erreichen: einen Sieg bei RB einzufahren.
Sorgen bereitet aktuell nur Philipp Lienhart. Der Stamm-Innenverteidiger war nach Leistenproblemen und einer Entzündung im Körper, die ihn zum Jahresende 2025 ausbremsten, vor dem HSV-Spiel laut Schuster topfit, musste nun aber erneut wegen muskulärer Beschwerden ausgewechselt werden.
Ist Rosenfelder wieder eine Alternative?
„Es ist eine ähnliche Körperregion und wir werden es jetzt die nächsten Tage kontrollieren und haben die Hoffnung, dass es nichts allzu Schlimmes ist. Es hat aber nichts mit der alten Verletzung zu tun“, erklärte Schuster. Vertreter Anthony Jung machte gegen Hamburg kein gutes Spiel, sah beim Gegentreffer nicht gut aus, begünstigte einen weiteren HSV-Abschluss, als er einen Ball unterlief und agierte im Aufbau in der zweiten Hälfte eher unglücklich. Eventuell ist am Mittwoch aber auch das schnelle Top-Talent Max Rosenfelder wieder einsatzfähig und eine Option für den Fall eines Lienhart-Ausfalls.
Wieder einen Rückstand gedreht, wieder haben die Joker gezündet – der SC Freiburg ist auch in der Liga zurück auf Kurs. Bei Igor Matanovic ist durch das 2:1 gegen den HSV „Last von den Schultern gefallen“. Eine Abwehr-Säule bereitet allerdings Sorgen.
