Müssen Fußballer den Hass im Netz einfach ertragen? kicker-Reporter Sebastian Wolff findet, dass die unter dem Deckmantel der Anonymität verfassten Kommentare häufig zu weit gehen. Die Worte von HSV-Stürmer Ransford Königsdörffer sollten wachrütteln. Ein Kommentar.
Kommentar zum Thema Hass im Netz
Fußballer, das steht völlig außer Frage, verdienen bisweilen Unsummen. Bei oberflächlicher Betrachtung ließe sich sagen, sie kassieren auch Schmerzensgeld für die eine oder andere öffentliche Attacke, die sie mitunter weit unter der Gürtellinie hinnehmen müssen. Aber ist damit wirklich alles abgegolten? Ein Protokoll der abgelaufenen Woche aus dem Leben von HSV-Stürmer Ransford Königsdörffer wirft zumindest die Frage auf: Bis zu welchem Grad kann Geld gewisse Dinge kompensieren? Und wie weit darf es eigentlich in den sozialen Medien (noch) gehen?
Ein junger Mann im Alter von 24 Jahren, der vor Kameras und Mikrofonen eher flüstert als dass er spricht, stand am vergangenen Dienstag zum Auftakt in die Hamburger Trainingswoche ausführlich Rede und Antwort und sagte etwas Bewegendes so, als wollte er es möglichst beiläufig wirken lassen: „Gehatet wurde ich schon.“ Er hat dann in den folgenden Sätzen eine gewisse Gleichgültigkeit darüber zu transportieren versucht („Das geht mir am Arsch vorbei“) und doch bleibt eine Aussage stehen, die aufrütteln sollte.
Bestenfalls vor allem jene, die sich angesprochen fühlen müssen. Dass teilweise widerwärtige Kommentare im Netz mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme sind und dass nicht zwingend Fans, sondern vermehrt „Trittbrettfahrer“ die Verfasser sind, macht die Situation nicht wirklich besser. Denn es bleibt die Frage: Was treibt Menschen dazu, andere unter dem Deckmantel der Anonymität zu verunglimpfen?
Auch Großverdiener sind abhängig von Vertrauen
Der Umgang des HSV mit seinem Spieler war von ausgesprochener Behutsamkeit und der von Königsdörffer selbst mit dieser Situation von bemerkenswerter Beharrlichkeit geprägt. Am Samstag gegen den 1. FC Union erlebten beide Seiten so etwas wie einen Zahltag, und das nicht allein wegen des Doppelpacks des Stürmers. Insbesondere die Überzeugung, mit der er sein zweites Tor erzielte, seinen Gegenspieler wie einen Schuljungen stehen ließ und dann lehrbuchmäßig abschloss, führte deutlich vor Augen, wie abhängig Menschen (und auch die Großverdiener unter ihnen) von Vertrauen sind. Von dem, was sie in sich tragen, und, wenn dieses fehlt, von jenem, das sie vermittelt bekommen.
Königsdörffer steht nun bei vier Saisontreffern. Das ist immer noch nicht sonderlich viel für einen Stürmer, und er wird auch wieder Chancen vergeben. Er wird sich dann auch wieder sachlicher Kritik stellen müssen, denn die inhaltliche öffentliche Bewertung ist tatsächlich ein Teil des Geschäfts. Häme und Widerwärtigkeiten zählen nicht dazu, und seine drei Treffer in den letzten beiden Spielen waren jetzt schon erfolgreiche Schüsse gegen die Hetze und Hetzer im Netz. Seine Worte „Gehatet wurde ich schon“ hat Königsdörffer nicht im Ton einer Anklage formuliert. Eigentlich aber müssten sie genau das sein und einen Aufschrei auslösen.
Müssen Fußballer den Hass im Netz einfach ertragen? kicker-Reporter Sebastian Wolff findet, dass die unter dem Deckmantel der Anonymität verfassten Kommentare häufig zu weit gehen. Die Worte von HSV-Stürmer Ransford Königsdörffer sollten wachrütteln. Ein Kommentar.
