Nur acht Spieler waren bei ihrem 400. Bundesliga-Spiel jünger als Matthias Ginter, der am Samstag diesem elitären Klub beitreten kann. Sportdirektor Klemens Hartenbach würdigt die eindrucksvolle Karriere des Freiburger Eigengewächses und erinnert an den „bahnbrechenden Einstieg“.
Erinnerungen an sein „bahnbrechendes“ Debüt
Erst Mitte vergangener Woche, vor dem abschließenden Gruppenspiel in der Europa League in Lille, lobte Freiburgs Trainer Julian Schuster seinen Abwehrchef. „Für einen Trainer ist es immer wichtig, wenn du eine Achse hast, auf die du dich verlassen kannst“, sagte der 40-Jährige auch in Bezug auf seinen früheren Mitspieler Matthias Ginter, der so gut wie immer zur Verfügung steht und hinten zentraler Anker dieser Freiburger Achse ist. Vor allem, weil er verlässlich gute Leistungen abliefert.
„Er ist mit seiner körperlichen und mentalen Frische einer unserer stabilsten und konstantesten Spieler“, so Schuster: „Offensiv findet er Lösungen mit dem Ball am Fuß, dazu kommt punktuelle Torgefährlichkeit, das ist eine absolute Qualität. Defensiv hilft er uns im hohen Pressing durch seine Kopfballstärke hinten vieles wegzuverteidigen.“ Wie schon in der vergangenen Saison ist Ginter, der derzeit wettbewerbsübergreifend bei bemerkenswerten fünf Assists steht, nach kicker-Noten (aktuell 3,05 in der Bundesliga) der beste Freiburger Feldspieler unter den Stammkräften.
Der Abwehrchef, der selbst den Anspruch formuliert, „mit 32 Jahren besser zu sein als mit 27“, hat bereits eine eindrucksvolle Karriere hinter sich. Im DFB-Trikot wurde der 51-malige Nationalspieler unter anderem 2014 Weltmeister und holte 2016 Olympia-Silber mit dem Team D, auf Vereinsebene hat Ginter bereits 506 Pflichtspiele absolviert. In der Bundesliga steht er deshalb nun vor einer magischen Marke.
Letztmals vor über 34 Jahren war ein 400er-Neuling jünger
Der SC-Innenverteidiger ist der Feldspieler mit den meisten Einsätzen unter den aktiven Bundesliga-Profis und wird aller Wahrscheinlichkeit nach am Samstag gegen Werder Bremen seinen 400. Einsatz in der deutschen Eliteklasse absolvieren. Dieses große Jubiläum würde er dann in einem relativ jungen Alter erreichen, mit 32 Jahren und 19 Tagen. Nur sechs Feldspieler und zwei Keeper waren seit Ligagründung 1963 beim Eintritt in den 400er-Klub der Bundesliga jünger als Ginter.
Zusätzlich bemerkenswert: Der letzte jüngere Neuling, Eike Immel (damals als Torwart für den VfB Stuttgart aktiv), trat vor über 34 Jahren, im August 1991, dem 400er-Klub bei, mit seinerzeit 30 Jahren und 248 Tagen. Jünger als Immel bei dieser Marke war insgesamt nur Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel. Der ewige Charly absolvierte 1985 mit 30 Jahren und 168 Tagen sein 400. Ligaspiel für Eintracht Frankfurt. Ansonsten ist beispielsweise auch Berti Vogts, Weltmeister von 1974 und Europameister als Spieler und Trainer, für Ginter altersmäßig nicht mehr erreichbar in diesem „jugendlichen“ 400er-Ranking. Große Namen aus früheren Zeiten.
Große Namen der noch aktuellen Generation, wie Thomas Müller, Manuel Neuer oder auch der ebenso beim SC ausgebildete Nationaltorwart Oliver Baumann, waren hingegen bei Erreichen der 400er-Marke allesamt älter, als es wohl Ginter sein wird. All das nötigt auch Klemens Hartenbach großen Respekt ab. „Matze hat schon ganz schön was erreicht in seiner Karriere, wenn man auch sieht, bei welchen Vereinen er noch war und wie er in der Nationalmannschaft über Jahre gewirkt hat. Diese tolle und besondere Marke zeigt auch, wie professionell er mit sich und seinem Körper umgeht“, sagt der SC-Sportdirektor über den früheren Freiburger Fußballschüler, der zwischen 2014 und seiner Rückkehr 2022 für Dortmund und Mönchengladbach gespielt hat.
„Das war ein bahnbrechender Einstieg von Matze, der uns allen neues Leben eingehaucht hat, als unser ganzes Schiff schon dem Untergang geweiht war.“ (SC-Sportdirektor Klemens Hartenbach über Ginters BL-Debüt)
Hartenbach erinnert an dieser Stelle nochmals an Ginters erstes Bundesliga-Spiel im Januar 2012. Das Duell mit dem FC Augsburg war seinerzeit auch das Debüt von SC-Legende Christian Streich als Cheftrainer der Profis – Ginter entschied es als Joker mit seinem Treffer zum 1:0-Endstand kurz vor Schluss zugunsten der Gastgeber, die damals am Tabellenende rangierten.
„Das war ein bahnbrechender Einstieg von Matze, der uns allen neues Leben eingehaucht hat, als unser ganzes Schiff schon dem Untergang geweiht war“, sagt Hartenbach im Rückblick. „Ohne dieses Tor wären wir vielleicht abgestiegen. Mit ganz viel Pathos kann man sich im Rückblick auch fragen, wie sich der Verein ohne diesen Sieg entwickelt hätte“, fügt der Sportdirektor hinzu. Das kann er heute mit einem Schmunzeln gelassen aussprechen.
„Das soll und wird ihn in seinem Ehrgeiz nicht bremsen“
Der Verein, der zunächst unter Streich sensationell den Ligaverbleib 2012 erreichte, hat sich schließlich über viele Jahre eindrucksvoll zum regelmäßigen Europacup-Teilnehmer entwickelt. Und Ginter seine erwähnte Laufbahn folgen lassen. Doch auch die magische 400er-Marke soll beim Innenverteidiger noch längst nicht die Endstation sein.
„Das soll und wird ihn in seinem Ehrgeiz nicht bremsen“, macht sich Hartenbach diesbezüglich keine Sorgen und lobt Ginters Einstellung: „Bei seiner Rückkehr 2022 haben beide Seiten noch Steigerungspotenzial bei ihm gesehen. Um das auszuschöpfen, hat er erst unter Christian Streich und jetzt unter Julian Schuster immer voll mitgezogen und ist nach wie vor bereit, sich weiterzuentwickeln. Das ist vorbildlich.“
„Klarheit, Klasse und Konzentration“: Was Freiburgs Innenverteidigung auszeichnet
Zusammen mit seinem derzeit verletzten Stammpartner Philipp Lienhart (Bauchmuskelblessur) bildet Ginter seit seiner Rückkehr zum SC eines der stabilsten Innenverteidiger-Duos der Liga. Obwohl bzw. gerade, weil die beiden keine auffällig emotionalen Lautsprecher und Einpeitscher sind, die über große Gesten oder spektakuläre Grätschen auffallen. „Wir haben sicher nicht die lautstärkste Innenverteidigung“, findet auch Hartenbach: „Aber eine, die sich durch Klarheit, Klasse und Konzentration auszeichnet.“
Auch, wenn Ginter auch außerhalb des Platzes eher ein zurückhaltender Typ ist, kann er in seinem ehrgeizigen Streben nach Verbesserung auch unbequem sein und intern anecken. Zuletzt hat er etwa nach dem 2:2 in Augsburg zum wiederholten Mal auf Probleme im (offensiven) Ballbesitzspiel seiner Mannschaft hingewiesen.
All das gehört zu Ginters Gesamtpaket. Auf seinem Weg sind dem 1,91-Meter-Mann, der diese Saison nur ein einziges Pflichtspiel wegen eines Magen-Darm-Infekts verpasste, noch weitere Meilensteine zuzutrauen. Aber zunächst gilt es, am Samstag auf dem Rasen auch wirklich den ersten Schritt in den 400er-Klub zu setzen.
Nur acht Spieler waren bei ihrem 400. Bundesliga-Spiel jünger als Matthias Ginter, der am Samstag diesem elitären Klub beitreten kann. Sportdirektor Klemens Hartenbach würdigt die eindrucksvolle Karriere des Freiburger Eigengewächses und erinnert an den „bahnbrechenden Einstieg“.
