Im Frühsommer stand Christian Ilzer bei der TSG schon vor dem Aus – nun ist er der Ingenieur der wohl größten Positivüberraschung dieser Bundesliga-Saison.
Vor dem Spitzenspiel beim FC Bayern
Christian Ilzer ist nun wirklich nicht das, was man unter einem Leisetreter versteht. Nein, ganz im Gegenteil. Der Trainer der TSG Hoffenheim spricht seine Anliegen und Wünsche aus. Wofür er vor knapp einem Jahr noch belächelt worden war.
Rückblende in den März 2025, als Ilzer in einem Interview mit dem kicker betonte: „In fünf Jahren will ich um die Meisterschaft spielen.“ Die TSG lag damals wohlgemerkt auf Rang 14 der Bundesliga, des Österreichers Pflichtspiel-Zwischenbilanz fiel mit fünf Siegen, sieben Unentschieden und zehn Niederlagen mager aus. Entsprechend fragte sich der ein oder andere kritische Geist, ob Ilzer womöglich an Realitätsverlust leide.
Elf Monate später reist Hoffenheim zum FC Bayern, wo an diesem Sonntag (17.30 Uhr, LIVE bei kicker) das Spitzenspiel der deutschen Beletage ansteht. Auf Augenhöhe ist man noch nicht ganz, aber knapp darunter. Die gedrehten Stellschrauben sind natürlich vielfältig, aber eine sticht ganz besonders ins Auge: Aus der in aller Regel schönen Fußball spielenden TSG ist ein Team geworden, das diese Sportart auch arbeitet.
„Damals galt es, eine Krise gut zu moderieren“
„Vor allem Chris hat es reingebracht, dass alle gegen den Ball arbeiten“, lobt Sportgeschäftsführer Andreas Schicker „seinen“ Coach, mit dem er auch schon bei Sturm Graz erfolgreich zusammenarbeitete und das Double in der Alpenrepublik holte. „Das fängt ganz vorne an, wenn ich sehe, wie sich Tim Lemperle aufreibt. Ich könnte aber auch jeden anderen dahinter aufzählen.“ Aber: Es war ein komplexer Prozess, so recht angenommen hat das Team die physische Komponente erst im Sommer, startet seither durch und ist schon sehr viel früher an dem Punkt angekommen, die Spitzenteams zu fordern, als Ilzer es einst prophezeit hatte.
„Als wir damals gesprochen haben, galt es, eine Krise gut zu moderieren“, blickt der 48-Jährige, der im Frühsommer 2025 zwischenzeitlich vor dem Aus stand, auf seine steile Titel-These zurück und erklärt: „Da muss man dann auch einmal gedanklich weit weg gehen von dieser Krise. Genauso gehört es jetzt dazu, eine erfolgreiche Phase gut zu moderieren und den Fokus auf die wichtigen Dinge zu richten.“ Die Schulterklopfer fühlten sich gut an, seien aber auszublenden, so Ilzer, gemäß dem Motto: „Am Ende bringt uns nur weiter, jedes einzelne Training bestmöglich zu nutzen, damit wir am Sonntag unsere stärkste Leistung auf den Platz zu bringen.“ Es ist davon auszugehen, dass sich seine Schützlinge diese Worte zu Herzen nehmen. Aus dem einst Belächelten ist längst der respektierte Ingenieur der wohl größten Überraschung dieser Bundesliga-Saison geworden.
Im Frühsommer stand Christian Ilzer bei der TSG schon vor dem Aus – nun ist er der Ingenieur der wohl größten Positivüberraschung dieser Bundesliga-Saison.
