Nach der ersten Hälfte in Dortmund durfte der Hamburger SV (voreilig) von der Rettung träumen, nach 90 Minuten und einer hochverdienten 2:3-Niederlage trotz 2:0-Führung steht fest: Der Weg zum Klassenerhalt ist noch lange nicht beschritten. Und könnte in der Verfassung der zweiten 45 Minuten steinig werden.
Mikelbrencis wird beim 2:3 zum Sinnbild
Geradezu hilflos hatte sich der Aufsteiger nach der Pause entfesselt aufspielenden Borussen ergeben müssen, war weder mit noch gegen den Ball fähig, sich zu wehren. In der vordersten Linie wurden keine Bälle mehr festgemacht, ganz hinten wurden immer weniger verteidigt. Sämtliche drei Elfmeter, verursacht von Warmed Omari vor und William Mikelbrencis sowie Miro Muheim nach der Pause, zeugten von zeitweiliger Überforderung – einzig Daniel Heuer Fernandes konnte sich dem Dortmunder Dauerdruck entgegenstemmen und überzeugte mit mehr als einem halben Dutzend großartiger Paraden über die gesamte Spielzeit.
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Heuer Fernandes: „Wir werden das richtig einordnen“
Der Frust, dass es trotz der Zwei-Tore-Führung zur Pause am Ende nicht reichte, war bei sämtlichen Beteiligten greifbar. „Die Elfmeter“, sagt Merlin Polzin, „waren extrem bitter.“ Und nicht die einzigen Aussetzer: Mikelbrencis hatte den BVB zunächst mit einem unnötigen Foul an Maximilian Beier vor dem 1:2 ins Spiel gebracht und dann auch noch mit einem verunglückten Einwurf das 2:2 eingeleitet.
Für den französischen Rechtsverteidiger war der Auftritt vom Samstagabend gewissermaßen sinnbildlich. In der Entstehung des ersten Hamburger Treffers hatte er wieder einmal seine Qualitäten im Vorwärtsgang gezeigt und ausgespielt, dann aber seine Defizite im Verteidigen zum wiederholten Mal nicht kaschieren können.
Zur Erinnerung: Schon beim 1:1 gegen Köln am vergangenen Wochenende hatte Mikelbrencis erst das Führungstor vorbereitet und dann vor dem Ausgleich geschlafen. Der Unterschied zum Aufsteiger-Duell: Der BVB besaß die Fähigkeit, Hamburger Defizite auch so entscheidend zu bestrafen, dass es dieses Mal nicht zu einem Zähler langte.
Ein Punkt beim großen Favoriten hätte für den Abstiegskampf und die Köpfe eine bedeutende Wirkung gehabt, die leeren Hände nach diesem Spielverlauf indes können die Folgen eines Rückschlags haben. Heuer Fernandes ist in der Bewertung der 2:3-Niederlage Augenmaß wichtig. „Wir werden das richtig einordnen“, sagt der Keeper, „wir wissen, gegen wen wir verloren haben und wo wir herkommen.“
Gleichwohl weiß der 33-Jährige auch: „Wir wurden in der zweiten Halbzeit richtig erdrückt, kamen gar nicht mehr in unsere Momente mit dem Ball.“ Muheim untermauert: „Wir hatten gar keine eigenen Ballbesitzphasen mehr.“ Belegt werden die Aussagen durch diese Statistik: Im gegnerischen Strafraum hatten die Hanseaten im zweiten Durchgang keinen Ballkontakt mehr, auch der Austausch der gesamten Offensive verpuffte.
Heuer Fernandes ist überzeugt, dass der HSV aus dem Topspiel vom Samstagabend „ganz viel mitnehmen kann.“ Tatsächlich lieferte er im ersten Durchgang mit aggressivem Verteidigen und mutigem Umschalten Ansatzpunkte, wie der Weg zum Klassenerhalt aussehen kann. Der Neuling zeigte indes auch, wie ein Vorsprung noch durch die Hände gleiten kann.
Nach der ersten Hälfte in Dortmund durfte der Hamburger SV (voreilig) von der Rettung träumen, nach 90 Minuten und einer hochverdienten 2:3-Niederlage trotz 2:0-Führung steht fest: Der Weg zum Klassenerhalt ist noch lange nicht beschritten. Und könnte in der Verfassung der zweiten 45 Minuten steinig werden.
