Hoeneß über Berater: „Es muss uns gelingen, die Halsabschneider auszusortieren“ 

Im Rahmen einer Ehrung des früheren Eintracht-Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Steubing sprach Uli Hoeneß Klartext. Über Berater, 50+1, Harry Kane und einen Rat an die SGE.

Große Prominenz bei Steubing-Ehrung

An der Frankfurt School of Finance & Management versammelte sich am Donnerstagabend die geballte Fußballkompetenz. Uli Hoeneß war keine 24 Stunden nach dem Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Atalanta Bergamo angereist und traf auf alte Bundesliga-Weggefährten: Rekordspieler Karl-Heinz Körbel war ebenso gekommen wie Fredi Bobic, Armin Veh und Dragoslav Stepanovic. Auch die Eintracht-Vorstände Axel Hellmann, Julien Zamberk und Philipp Reschke saßen im Publikum, als Wolfgang Steubing vor 300 geladenen Gästen und Studenten die Ehrensenatorwürde der Hochschule verliehen bekam.

Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende der Eintracht Frankfurt Fußball AG ist seit vielen Jahren eng mit der privaten Hochschule verbunden, für den Campus-Bau spendete er eine Million Euro. Hochschulpräsident Prof. Dr. Nils Stieglitz und der frühere Commerzbank-Vorstandssprecher Prof. Dr. h.c. Klaus-Peter Müller, Ehrenvorsitzender des Stiftungsrats, würdigten den Gründer der Wertpapierhandelsbank Steubing AG in ihren Reden für sein Wirken als Unternehmer, Mäzen und Freund. In seiner Laudatio nannte Müller den 76 Jahre alten Steubing einen „erfolgreichen Unternehmer, hoch engagierten und langjährigen Freund des Sports und Mäzen des Fußballs, sehr großzügigen Förderer und sehr guten Freund“.

Auch Hoeneß ergriff im Rahmen eines halbstündigen Talks auf der Bühne das Wort und verriet, dass Steubing schon seit dem 1. Juli 1996 Mitglied beim FC Bayern ist. Sogar die Mitgliedsnummer hatte er parat: 25.087. Der Ehrenpräsident des FC Bayern bezog zu aktuellen und grundsätzlichen Themen im Fußball Stellung. Außerdem erteilte er Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann einen Rat. Hoeneß sprach über …

… seine Verbindung zu Wolfgang Steubing: „Wir lernten uns 2018 am Abend vor dem Pokalendspiel in Berlin zwischen der Eintracht und Bayern kennen und verstanden uns auf Anhieb. Das war ein Abend mit allem Drum und Dran. Die Eintracht fristete ein Mauerblümchendasein. Wolfgang Steubing hat mit seiner Arbeit dazu beigetragen, dass sie jetzt auch in Deutschland eine größere Nummer ist. Ich sehe sehr viele Parallelen zwischen seinem und meinem Leben. Er verkörpert genau das, wie Management heutzutage sein muss: dass man anpackt, dass man optimistisch ist, dass man auch mal kritisch ist, dass man soziale Kompetenz hat. Wir kommen aus vergleichbaren Verhältnissen und haben uns von unten nach oben durchgeboxt. Ich war am Anfang nicht ganz so sozial eingestellt wie heute. Wenn ich gegen Willy Lemke und all diese Kerle kämpfen musste, habe ich meine Ellenbogen eingesetzt. Aber je besser es mir und auch dem FC Bayern ging, desto sozialer wurde ich. Meine wichtigste Eigenschaft – und das sehe ich bei Ihnen ganz genauso – ist: Je weiter du oben bist, desto sozialer musst du sein. Die Großen muss man packen, aber die Kleinen muss man schützen. Ich habe diebische Freude, wenn ich helfen kann. Pro Jahr halte ich zum Beispiel zehn bis 15 Vorträge, für die ich zwischen 20.000 und 40.000 Euro erhalte. Ich spende alles, was ich außerhalb meiner Kapitalanlagen verdiene.“

„Vom spielerischen Niveau her haben wir lange nicht mehr so große Chancen gehabt wie in diesem Jahr.“ (Uli Hoeneß über Bayerns Chancen in der Champions League)

… die sportlichen Ambitionen in dieser Saison: „Ich würde sagen: Deutscher Meister werden wir. Im DFB-Pokal spielen wir im Halbfinale in Leverkusen, das wird schwer. Und wenn man im Viertelfinale gegen Real Madrid spielt, kann man nicht sagen, dass man die Champions League gewinnt. Das wäre total vermessen. Aber vom spielerischen Niveau her haben wir lange nicht mehr so große Chancen gehabt wie in diesem Jahr. Real spielt gar nicht so gut Fußball, aber sie sind überragend in ihren Routinen und auf den Punkt fit. In der Meisterschaft sind sie wieder mal gar nicht so gut, aber sie können von ihrem großen Erfahrungsschatz leben.“

… seine Haltung zur 50+1-Regel: „Der FC Bayern ist wirtschaftlich mit weitem Abstand der gesündeste Verein auf der Welt, weil wir alles selbst erwirtschaftet haben. Wir haben keinen Scheich in Abu Dhabi, keinen Hedgefonds in Boston. Wir beim FC Bayern brauchen die 50+1-Regel nicht. Wir haben 25 Prozent unserer Anteile an Adidas, Audi und die Allianz verkauft. Triple A, sage ich immer. Wollten wir mehr als 30 Prozent verkaufen, müssten wir die Mitglieder befragen und bräuchten eine Dreiviertelmehrheit. Die würden wir auf einer Mitgliederversammlung nicht bekommen. Aber für Vereine wie Mönchengladbach, die durchaus Sponsoren hätten, die mal richtig investieren würden, um die Wettbewerbsfähigkeit in der Bundesliga zu verbessern, wäre es unglaublich hilfreich, wenn auch Sponsoren, Mäzene oder Investoren hier eine Chance bekommen würden.“

… Spielerberater, die im vergangenen Jahr weltweit 1,167 Milliarden Euro kassierten: „Wenn ein Spieler heute ins Ausland geht oder aus dem Ausland kommt, braucht er einen Berater. Es gibt sehr viele seriöse Berater, und es gibt sehr viele Halsabschneider. Es muss uns allen gelingen, die Halsabschneider auszusortieren. Teilweise gibt es für drei Mittagessen zehn Millionen, das kann es nicht sein. Entscheidend ist, dass der Berater nicht denkt, er müsse mehr verdienen als der Spieler. Wir haben das Thema auch bei uns sehr kontrovers diskutiert und werden in den nächsten Monaten versuchen, ein Konzept zu entwickeln, dass wir uns das nicht mehr gefallen lassen. In der G14 hatten wir mal versucht, ein Salary Cap einzuführen. Das hielt genau vier Wochen, danach verstieß, glaube ich, die AC Mailand dagegen.“

„Harry Kane ist weltweit ein Aushängeschild.“ (Uli Hoeneß)

… die Strategie von Eintracht Frankfurt: „Ich kritisiere niemanden. Jeder Verein muss seine eigene Politik machen. Ich persönlich bin kein großer Freund davon, die guten Spieler zu verkaufen. Der FC Bayern ist ein Käuferverein, kein Verkäuferverein. Ich glaube, das ist auch ein bisschen das Geheimnis. Axel Hellmann wird auch noch begreifen, dass man beim Verkauf auf die Dauer auch Substanz verliert. Es ist schön, wenn man mal 50, 60 Millionen bekommt, aber was ist die Konsequenz? Jeder weiß, was man hat. Jeder neue Transfer wird ein bisschen teurer, die eigenen Spieler verlangen ein bisschen mehr Geld. Es geht auch um die Identifikation der Fans mit den Superstars.“

… den Wert von Harry Kane: „Viele dachten: 100 Millionen, die sind ja wahnsinnig. Ich übrigens auch. Heute würde ich ihn für 150 Millionen kaufen. Harry Kane ist weltweit ein Aushängeschild, ein guter Charakter, ein Vorbild für unsere jungen 18-Jährigen. Der nimmt sie in den Arm, sagt ihnen, wie sie den Ball schießen müssen und so weiter. Die großen Stars müssen auch richtig Geld verdienen, die mittleren Stars müssen ein bisschen billiger sein.“

… seinen Arbeitsethos: „Man muss alles mit Leidenschaft machen. Wenn man morgens ins Büro geht, darf man nicht sagen: Jetzt muss ich da schon wieder hin. Neuerdings höre ich auch bei vielen jungen Leuten, dass die Work-Life-Balance wichtiger sei als das Geldverdienen. Das mag manchmal richtig sein, aber in der Regel kommt man so nicht sehr weit. Wenn man für jede Überstunde bezahlt werden will, am Freitagabend um 17 Uhr Schluss machen muss und man nach dem Wochenende erst am Montag um 8 Uhr wieder erreichbar ist, kann in der Zwischenzeit in Iran die Welt untergehen und man bekommt es nicht mit. Das darf nicht passieren.“

 Im Rahmen einer Ehrung des früheren Eintracht-Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Steubing sprach Uli Hoeneß Klartext. Über Berater, 50+1, Harry Kane und einen Rat an die SGE. 

 

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