„Härtestes Spiel meiner Karriere“: Irvine ist St. Paulis Überlebenskämpfer 

Der FC St. Pauli hat im Abstiegskampf ein wichtiges Lebenszeichen gesendet. Zum Gesicht und Impulsgeber des 2:1-Erfolgs über den VfB Stuttgart wurde mit Jackson Irvine ein Profi, der eigentlich nur eine Halbzeit spielen sollte.

90 Minuten statt 45 oder 60

Eines war Alexander Blessin knapp eine Stunde nach dem Abpfiff im Presseraum des Millerntor-Stadions wichtig. Grundsätzlich, erklärte St. Paulis Trainer, hebe er Einzelne nicht heraus, bei seinem Kapitän aber müsse er eine Ausnahme machen. „An Jacko muss ich ein Sonderlob aussprechen.“

Weil sich Jackson Irvine seit Wochen mit Schmerzen am im Vorjahr operierten linken Fuß durch die Spiele schleppt und die Beschwerden eigentlich nur Kurzeinsätze zulassen. Gegen die Schwaben stand er in der Startelf, weil mit Hauke Wahl, Eric Smith und Joel Chima Fujita eine komplette zentrale Achse fehlte. Und der Australier hielt durch, obwohl er, wenn er gerade nicht lief oder im Zweikampf war, nur noch humpelte.

In der Pause war Irvine nicht beim Team, sondern wurde behandelt

Blessin beschrieb das Vorgehen mit und von Irvine nach der Partie bemerkenswert offen. In der Pause sei der Australier zunächst gar nicht beim Team, sondern direkt bei der Behandlung gewesen. „Dann habe ich ihn gefragt, ob noch zehn oder 15 Minuten gehen, damit wir stabil in die zweite Hälfte hineinkommen, und er hat Ja gesagt.“

So wurden aus den zunächst geplanten 45 Minuten zunächst 60 und dann sogar die vollen 90. „Ich hoffe“, erklärt Blessin, „dass es jetzt nicht schlimmer wird. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Verletzung wieder schlimmer werden kann, ist gering. Es geht da in erster Linie um Schmerzen.“

Den Beweis, dass Irvine Schmerzen ausblenden kann, hat er am Samstag ein weiteres Mal und so eindrucksvoll wie nie zuvor erbracht. In Abwesenheit etlicher Stammkräfte, die indes zeitnah wieder zurückkommen könnten, hat er sich aufgeopfert in einer Partie, in der für St. Pauli angesichts der Tabellenkonstellation im Keller allein der Sieg gezählt hat. Nach dem 2:1 gegen die Schwaben regiert die Hoffnung auf einen neuerlichen Wendepunkt.

„Wenn der Trainer mich nicht runternimmt, nehme ich mich auch nicht runter“

Zur Erinnerung: Im Hinspiel hatte St. Pauli nach dem Traumstart in die Saison mit sieben Punkten aus drei Spielen erstmals verloren und war danach tief die Kellertreppe hinabgestürzt. Am Samstag knipste Blessins Rest-Elf im Keller das Licht wieder an. „Die Art und Weise kann ein Wendepunkt sein. Im Hinspiel hatte uns der VfB den Schneid abgekauft“, erinnerte auch Blessin an das 0:2 im September, „heute aber war der Wille bei uns größer.“ Und keiner symbolisierte diesen besser als Irvine.

Der Mittelfeldantreiber versuchte im Nachgang gar nicht erst mit Worten zu kaschieren, was im Stadion und an den TV-Bildschirmen ohnehin jeder gesehen hatte. „Es war eines der härtesten Spiele meiner Karriere.“ Eines, in das auch er große Hoffnungen setzt: „Uns haben so viele Spieler gefehlt, das sollte ein Wendepunkt sein.“

Klar ist: Wird Stuttgart tatsächlich erneut zum Wendemanöver dieser Spielzeit, so wird dieses vor allem mit dem Kapitän in Verbindung stehen. Sein Rezept, sich demonstrativ in jeden Zweikampf zu stürzen, anstatt von Bord zu gehen, erklärte er mit einer Logik, die beispielhaft für seinen Auftritt ist: „Wenn der Trainer mich nicht runternimmt, dann nehme ich mich auch nicht selbst runter.“

 Der FC St. Pauli hat im Abstiegskampf ein wichtiges Lebenszeichen gesendet. Zum Gesicht und Impulsgeber des 2:1-Erfolgs über den VfB Stuttgart wurde mit Jackson Irvine ein Profi, der eigentlich nur eine Halbzeit spielen sollte. 

 

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