Beim Sieg der Bayern in Bremen trumpfte Leon Goretzka mal wieder auf. Weil er dort auftauchte, wo er nicht mehr oft zu finden ist.
Bayerns Mittelfeldspieler überzeugt in Bremen
Interviews mit Leon Goretzka sind eine Seltenheit geworden, auch die kurz nach einem Spiel. Immer wieder hatte der bayerische Mittelfeldspieler in den vergangenen Jahren Rede und Antwort gestanden in den Katakomben der Bundesliga-Stadien, bis sich im Sommer 2024 Grundsätzliches änderte.
Die Bayern hätten ihren langjährigen Leistungsträger gerne abgegeben, Goretzkas erstes Gespräch mit dem neuen Trainer Vincent Kompany fand unter ebenjenen Bedingungen statt. „Die Entscheidung von dem Verein war, dass er vielleicht einen neuen Schritt machen muss“, blickt der Belgier anderthalb Jahre später zurück.
Goretzka blieb trotzdem. „Die ersten Wochen unter Kompany waren nicht einfach für mich“, erzählte er am Samstag bei Sky, nachdem er in Bremen sein zweites Saisontor erzielt und eine gute Leistung gezeigt hatte. „Aber ich hatte von Anfang an ein super Verhältnis zum Trainer, er hat immer ehrlich mit mir kommuniziert. Er hat mir gesagt, dass ich meine Chance kriege, wenn ich meine Leistung bringe und weiter arbeite. Genauso ist es dann ja auch gekommen.“
„Ich kann mich gut erinnern, dass wir gesagt haben, dass wir das noch einmal erreichen wollen mit Fans.“ (Goretzka über ein mögliches Triple und mehr)
Goretzka, längst nicht mehr der Wellenbrecher wie in besten Zeiten, spielte auch in Kompanys Premierensaison – wie eigentlich bei allen Vorgängern – keine unwichtige Rolle, immerhin acht Scorerpunkte und die zurückgewonnene Meisterschaft sprangen am Ende heraus.
Beim FC Bayern heben sie bis heute stets die vorbildliche Einstellung und die guten Trainingsleistungen Goretzkas hervor, auch wenn dieser keine Hauptrolle mehr spielt und den Verein im Sommer nach dem Vertragsende definitiv verlassen wird. „Aber er ist ja einer, der Bayern München auch im Herzen trägt“, findet Sportvorstand Max Eberl und begrüßt den Entschluss des Spielers, zumindest bis Juli noch in München zu bleiben.
Atletico klopfte im Januar bei Goretzka an
Atletico Madrid hätte Goretzka gerne schon im Januar verpflichtet. Und „wenn einen so große Vereine umwerben“, wie es der inzwischen 31-Jährige formulierte, sind Gedankenspiele wohl ganz normal. „Trotzdem habe ich mich klar zum FC Bayern bekannt.“ Und Eberl ist genau wie Sportdirektor Freund und Trainer Kompany „sehr, sehr froh, dass er bei uns ist, dass er eben dieses halbe Jahr mitmacht“.
Goretzka, glaubt Eberl, „spürt was. Er möchte seine großartige Zeit bei Bayern krönen.“ Was angesichts von unzähligen Meisterschaften und dem Sextuple 2020 vielleicht gar nicht mehr nötig wäre. Doch auch Goretzka hat das Gefühl, „dass alles möglich ist“ in dieser Saison. „Ich kann mich gut erinnern, dass wir gesagt haben, dass wir das noch einmal erreichen wollen mit Fans.“
Er selbst trägt dazu immer mal wieder etwas bei, wie am Samstag an der Weser, als Goretzka den Ball vor Harry Kanes Distanzschuss zum 2:0 eroberte. Oder beim 3:0, als er selbst wie zu besten Zeiten öfter mal am gegnerischen Strafraum auftauchte und in gefährliche Abschlusssituationen kam. „Heute habe ich mich manchmal in dem altbekannten Raum aufgehalten, und Phonzy (Alphonso Davies, Anm. d. Red.) hat mich gut gefunden. Da freut man sich natürlich, wenn man mal wieder ein Törchen machen kann.“
Über Jahre hatte Goretzka sich dadurch ausgezeichnet, als einer der besten Box-to-Box-Spieler Europas von Strafraum zu Strafraum zu gelangen; als starker Zweikämpfer, als Balleroberer – und als torgefährlicher Mittelfeldspieler mit einem guten Gespür für den Ball. In Bremen wirkte es zeitweise wie der alte Goretzka.
Der Stammplatz neben Joshua Kimmich gehört trotzdem weiterhin Aleksandar Pavlovic, der in allen wichtigen Spielen neben dem Nationalmannschaftskapitän auf der Doppelsechs gefragt war. Hängen lässt sich Goretzka deshalb schon lange nicht mehr. „Ich habe eine intrinsische Motivation, was Fußball betrifft – mein Leben lang. Für mich gehört es zum Profidasein dazu, dass man sein Bestes gibt, um die Farben auf dem Platz zu vertreten. Mal läuft’s besser, mal schlechter. Insgesamt überwiegen die positiven Phasen deutlich.“
Beim Sieg der Bayern in Bremen trumpfte Leon Goretzka mal wieder auf. Weil er dort auftauchte, wo er nicht mehr oft zu finden ist.
