Freiburg fährt beim 2:1 gegen Gladbach den vierten knappen Liga-Heimsieg in Serie ein. Auch dank eines Abwehrchefs mit besonderen Talenten. Dazu sorgt die Pokal-Auslosung für spezielle Gefühle.
Neunter Saisonsieg und ein besonderes Los
Nur Max Langenhan verhinderte den perfekten Sonntag für Julian Schuster. Freiburgs Trainer hatte sich einen Sieg gegen Gladbach und ein Heimspiel im DFB-Pokal-Halbfinale gewünscht. Doch Rodel-Olympia-Sieger Langenhan loste den Sport-Club als Auswärtsteam Landesrivale Stuttgart zu. Für Schuster immerhin die zweitbeste Lösung, hatte der frühere Mittelfeldspieler doch in seiner schwäbischen Heimat beim VfB seine Profikarriere gestartet.
Inzwischen ist der seit 2008 beim SC angestellte Schuster aber längst Freiburger im Herzen und wird im April durch diese Paarung auch eine besondere Gelegenheit erhalten. „Ich denke immer in Chancen. So haben wir die Möglichkeit, das ‚Trauma‘ aus 2013 zu verarbeiten und hoffentlich im Pokal den vorletzten Schritt gehen zu können“, sagte Schuster nach Abpfiff und spielte auf das Pokal-Halbfinale 2013 an, das die Breisgauer mit 1:2 in Stuttgart verloren.
Routiniers ausschlaggebend
Vor 13 Jahren stand auch schon Matthias Ginter in der Freiburger Startelf, damals sogar an der Seite von Schuster als Sechser – und auf der Bank saß der heutige SC-Rekordspieler Christian Günter. Vor allem den beiden Routiniers war es zu verdanken, dass gegen Gladbach überhaupt die Basis für einen perfekten Schuster-Sonntag gelegt wurde. Günter vereitelte kurz vor Abpfiff beherzt und konsequent eine potenzielle Großchance von Haris Tabakovic – das hätte das 2:2 und somit das Herschenken eines zuvor nicht glanzvoll herausgespielten, aber durch defensive Stabilität und offensive Effizienz dennoch verdienten Sieges bedeuten können.
Den Weg zum neunten Dreier der Saison hatte Ginter geebnet und dabei nach einem von Gladbachs Kevin Diks verlängerten langen Einwurf Philipp Treus für Stürmer-Lehrmaterial gesorgt. Obwohl Joe Scally eng an ihm dran gestanden hatte, bugsierte der Freiburger Abwehrchef den Ball in der Drehung sowie im Fallen per Direktabnahme über den Innenpfosten ins Tor. Eine starke Einzelleistung.
Lob für Ginters Torriecher
Noch habe sich kein Trainer getraut, ihn wirklich als Neuner aufzubieten, scherzte Ginter nach der Partie, der aber bei knappen Rückständen in der Schlussphase regelmäßig tatsächlich ins Angriffszentrum beordert wird. „Das Tor zu machen, ist schon absolute Mittelstürmer-Manier“, lobte Schuster und stellte neben Ginters fußballerischer Klasse und Kopfballstärke vor allem dessen auch offensiv gut funktionierenden Riecher heraus.
„Es ist dieses Gefühl, wo kann der Ball runterkommen? Ich finde, ganz ausgeprägt ist das bei Thomas Müller, einfach den richtigen Schritt im richtigen Moment zu machen und dann vor dem Gegenspieler zu sein, Situationen zu erahnen, zu antizipieren“, sagte Schuster und wählte neben Ginters berühmtem Weltmeister-Kollegen noch eine Freiburger Legende als sehr ehrenvolle Vergleichsgröße: „Nils (SC-Rekordtorjäger Petersen, Anm. d Red.) hatte das auch sehr ausgeprägt und ich finde, das ist schon eben auch bei Gintes wahrzunehmen.“
Es war bei allen Komplimenten allerdings Ginters erster Saisontreffer, nachdem er in der ersten Saison nach seiner Freiburg-Rückkehr, 2022/23, fünfmal getroffen und nach einer Null-Runde 2023/24 in der vergangenen Saison dreimal eingenetzt hatte. Das brachte Kapitän Günter während Ginters Interview im Hintergrund auch lautstark zum Ausdruck: „Endlich hast du mal wieder getroffen, Gintes!“
Der Angesprochene musste schmunzeln. Wer um den riesigen Ehrgeiz des 51-maligen Nationalspielers weiß, kann sich aber gut vorstellen, dass ihn die etwas längere Torlos-Serie auch als Abwehrspieler sicher ein wenig beschäftigt haben dürfte. Grundsätzlich sollte der SC auf Basis des vierten knappen Liga-Heimsiegs in Serie offensiv noch Gefährlichkeit zulegen. „Es war kein Leckerbissen, aber wir hatten das Spiel irgendwie unter Kontrolle“, sagte Ginter.
Auch, wenn es ganz am Ende noch mal brenzlig wurde, waren angesichts eines Chancenverhältnisses von 4:2 eine stabile Defensive und offensive Effizienz ausschlaggebend dafür, dass der SC mit zwei Punkten Vorsprung nächsten Sonntag nach Frankfurt reist. Das wird ein direktes Duell um Platz sieben, der wohl am Ende für ein Europacup-Ticket reichen wird. Sechs Punkte vor den Breisgauern steht Leverkusen auf Platz sechs, das als nächstes Team in Freiburg gastieren wird.
Ginter erwartet schwierige Spiele, betont aber auch: „Frankfurt und Leverkusen sind zwei Mannschaften aus unserem Dunstkreis. Da wollen wir die Richtung vorgeben, was diese Saison in der Liga noch möglich ist.“ Und, auch wenn im März zwischendurch schon das Achtelfinale in der Europa League ansteht, wartet dann im April in Stuttgart ein besonderer Termin. Um Revanche zu nehmen und für Ginter vielleicht auch, um trotz seiner sicher umfangreichen Defensivaufgaben sein Torkonto weiter aufzustocken.
Freiburg fährt beim 2:1 gegen Gladbach den vierten knappen Liga-Heimsieg in Serie ein. Auch dank eines Abwehrchefs mit besonderen Talenten. Dazu sorgt die Pokal-Auslosung für spezielle Gefühle.
