Am Millerntor erlebte Bremens Schlussmann Mio Backhaus einen rabenschwarzen Tag, war an beiden Gegentoren mehr oder weniger stark beteiligt. Marco Friedl fehlten am Ende die Worte, aber nicht wegen des Torhüters.
Bremer Keeper Backhaus erlebt schwarzen Tag
„Ich habe oft richtige und passende Worte, heute bin ich schon sehr sprachlos, weil ich es nicht vorhersehen konnte, dass das Spiel so endet“, sagte ein sichtlich bedienter Marco Friedl nach der 1:2-Niederlage beim FC St. Pauli. Er ärgerte sich über den Spielverlauf sowie die beiden Gegentore, die Werder kassiert hatte. „Wir hatten in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel, haben hinten gar nichts zugelassen und waren vorn gefährlich – und dann kriegen wir ein Tor, was nicht absehbar war“, sagte Friedl mit Blick auf das 0:1 von Hauke Wahl, bei dem Schlussmann Mio Backhaus schlichtweg am Ball vorbeigriff.
„Ein Tor, das in 50 oder 100 Fällen kein Tor ist“, stellte Friedl fest und nahm den Torhüter direkt in Schutz: „Wenn du einen Fehler machst, dann fühlt es sich scheiße an. Mio hat über die Saison unglaublich gute Spiele gemacht und uns oft den Arsch gerettet. Das passiert.“
Leonardo Bittencourt ergänzte, dass Backhaus schon selbst wisse, was für ein Fehler ihm da unterlaufen sei. „Fußball ist ein Fehlersport, und das gehört dazu“, führte Bittencourt weiter aus und verwies darauf, dass bei einem Torwartfehler der Ball eben in der Regel hineingehe. „Der Junge ist noch jung, das gehört dazu. Leider ist der Zeitpunkt nicht so gut, um Fehler zu machen, aber daran wird er wachsen. Wir machen ihm keinen Vorwurf. Er ist jetzt schon ein Weltklasse-Torwart“, so der 32-Jährige weiter.
„Keine Schuldzuweisungen“
Ähnlich äußerte sich Daniel Thioune. „In einer normalen Welt hält jeder Torhüter diesen Ball. Da ist es relativ klar, wo der Fehler liegt“, gab der Werder-Coach offen zu, betonte aber auch, dass es „keine Schuldzuweisungen“ an den Torhüter gebe. „Es gibt keinen, der Mio etwas vorwirft. Er ist blutjung, spielt eine gute Saison und wir werden noch viel von ihm sehen“, so Thioune weiter, dem aber auch nicht entgangen sein dürfte, dass Backhaus auch beim letztlich entscheidenden 1:2 großen Anteil hatte.
Der 21-Jährige spielte einen langen Ball auf den gerade einmal 1,70 Meter langen Bittencourt, der prompt das Leder nicht festmachen konnte, – und dann folgte eine ganze „Fehlerkette“ der Bremer, wie Thioune feststellte, die schlussendlich zum Gegentor führte. „Das ist ein Ablauf, den haben wir so in der Saison noch nie gespielt. Wir stehen mit beiden Außenverteidigern hoch, wollen öffnen und spielen dann einen Chipball auf den kleinsten Spieler auf dem Feld“, schimpfte Friedl: „Dass der Ball wie ein Bumerang zurückkommt, ist offensichtlich. Das sind Sachen, die mich ärgern. In unserer Situation dürfen solche Dummheiten nicht passieren.“
Das Spiel wurde in der Offensive verloren
Thioune merkte aber auch an, dass Werder das Spiel nicht vor dem eigenen Tor, sondern „vor dem gegnerischen Tor“ verloren habe. Schließlich sei Bremen eine Stunde lang die bessere Mannschaft gewesen. Insofern gilt: „Wenn man sich für den Aufwand nicht belohnt, dann muss man nicht in der 60. Minute auf den Torwart schauen, wenn er den Ball reinbekommt. Das funktioniert in meiner Welt nicht.“
Friedl verwies auch darauf, dass es die Hanseaten schlicht nicht schafften, ihre Klasse einzusetzen. „Wir müssen unsere Schnelligkeit, die Außen, unsere Spielintelligenz und unsere Qualität im Mittelfeld einfach auf den Platz bringen“, forderte der Österreicher und stellte fest: „Davon ist leider im Moment nichts zu sehen. Deshalb ist es schwierig.“
So hilft es auch nicht, dass der SVW sich in der ersten Halbzeit gut verkauft hat, schließlich war es auch nicht das erste Mal, dass ein Spiel so lief. „Wir haben viele Spiele, wo wir schon mit dem Fuß in der Tür waren, es dann aber nicht auf unsere Seite ziehen konnten“, wusste Friedl und gab zu, dass Bremen zu Recht da stehe, wo es eben steht, „wenn du 13 Spiele nicht gewinnst“, also auf Platz 17 der Tabelle.
Der Negativlauf bleibt nicht ohne Folgen. „Selbstvertrauen haben wir aktuell null Komma null – und das sieht man auch“, gab Friedl zu und betonte, dass die Sieglos-Serie von 13 Spielen in Folge „Bände spricht. Vorn kriegen wir den Ball nicht rein und hinten kriegen wir aus den dümmsten Situationen Gegentore.“ So sei es einfach zu wenig.
„Wir brauchen einen Befreiungsschlag“, forderte der Kapitän, wohl wissend um „die extreme Drucksituation für uns alle“. Den Kopf in den Sand zu stecken, brächte aber auch nichts, also „müssen wir jetzt auch mal in Führung gehen und es dann in beiden Sechzehnern final zu Ende bringen.“ Dafür brauche man auch „Führungsspieler, die vorangehen und die Mannschaft mitziehen“.
Das nächste Sechs-Punkte-Spiel steht derweil schon kommende Woche an. Am Samstag (LIVE! ab 15.30 Uhr bei kicker) geht es gegen Schlusslicht Heidenheim – und Thioune, der noch immer als Werder-Coach punktlos ist, gab die Marschroute schon mal vor: „Beharrlich arbeiten, Fokus auf Heidenheim und keine Ausreden mehr!“
Am Millerntor erlebte Bremens Schlussmann Mio Backhaus einen rabenschwarzen Tag, war an beiden Gegentoren mehr oder weniger stark beteiligt. Marco Friedl fehlten am Ende die Worte, aber nicht wegen des Torhüters.
