In Unterzahl verschmelzen zehn Freiburger zum beseelten Kollektiv. Das begeistert nicht nur ihren Trainer.
Umstrittene Rote Karte wird zur entscheidenden Triebfeder
Ein „Gamechanger“ war die umstrittene Rote Karte gegen Johan Manzambi am Samstag allemal. Freiburg agierte ab der 52. Minute in Unterzahl, die mit 0:1 im Hintertreffen liegenden Bremer witterten folgerichtig Morgenluft. Zugleich verlieh dieses zumindest subjektiv erlittene Unrecht den Hausherren entscheidenden Antrieb. So war nun förmlich mit Händen zu greifen, wie jeder Einzelne seine Wut über die Schiri-Entscheidung auf dem Feld in Energie umwandelte – und die zehn verbliebenen Individuen zu einem beseelten Kollektiv verschmolzen.
„Die Mannschaft hat als große Gruppe den Sieg erkämpft“, bestätigt ein zu Recht stolzer Trainer Julian Schuster. „Ich muss den Jungs ein großes Kompliment machen, wie sie zusammen, miteinander und füreinander verteidigt haben.“ Niklas Beste, der im 39. Pflichtspiel für den SC seinen Premierentreffer feiern durfte – einen überaus sehenswerten Schlenzer mit links -, schwärmt: „Nach der Roten Karte hat sich gezeigt, was für einen Teamspirit wir haben.“ Verbunden mit einer Reife, die Schuster so auf den Punkt bringt: „Sie haben nicht nur leidenschaftlich, sondern auch clever verteidigt, inhaltlich-taktisch einfach sehr gut.“
„Ein wichtiger Schritt, so in Unterzahl zu verteidigen.“ (Christian Günter)
Was konkret bedeutete: Sich im und um den eigenen Strafraum regelrecht einzugraben und dort voll auf die eigene Widerstandsfähigkeit zu vertrauen, unter weitestgehendem Verzicht auf kraftraubende Entlastungsversuche. „Dass da die Flanken erstmal reinfliegen, kannst du nicht verhindern“, resümiert Kapitän Christian Günter, „aber in der Box-Aufnahme waren wir richtig gut, haben alles rausgeköpft. Es ist ein wichtiger Schritt, so zu zeigen, was es heißt, in Unterzahl zu verteidigen. Vor ein paar Jahren wären wir noch nicht so weit gewesen, das so zu verteidigen, so gallig.“
Dass diese Abwehrschlacht in letzter Linie durchweg mit Absolventen der klubeigenen Fußballschule geschlagen wurde – von Jubilar Matthias Ginter (32, 400. Bundesligaspiel), über Nebenmann Max Rosenfelder (22), Günter (32) und Keeper Noah Atubolu (23) bis hin zu Frischling Bruno Ogbus (20, siebter Einsatz) -, sorgte bei Schuster hinterher umso mehr für „leuchtende Augen“. Auch wenn die Freiburger dank ihrer selbst erarbeiteten wirtschaftlichen Möglichkeiten im Ligavergleich längst kein Underdog mehr sind, war der Auftritt gegen Werder einmal mehr schlagender Beweis: Ihren Behauptungswillen gegen äußere Widrigkeiten aller Art in Verbindung mit einem familiär anmutenden Charakter haben sich die Breisgauer auch als Europa-Kandidat bewahrt.
In Unterzahl verschmelzen zehn Freiburger zum beseelten Kollektiv. Das begeistert nicht nur ihren Trainer.
