Hartnäckig halten sich Gerüchte um mögliche Fluchtgedanken von Dortmunds Sommerneuzugang Fabio Silva. Die BVB-Verantwortlichen denken allerdings gar nicht daran, den Stürmer schon wieder ziehen zu lassen.
BVB denkt nicht an vorzeitigen Verkauf
Aus dem Trainingslager des BVB in Marbella berichtet Matthias Dersch
Dass es in Marbella zu Jahresbeginn auch mal heftiger regnen kann, das weiß Dortmunds Sportdirektor Sebastian Kehl noch aus eigener Spieler-Erfahrung. Seit vielen Jahren ist der BVB regelmäßig in diesem Teil Spaniens zu Gast, um sich auf die zweite Halbserie vorzubereiten. Die eine oder andere Trainingseinheit musste aufgrund starker Schauer immer mal wieder verlegt oder im Ablauf geändert werden. So wie an diesem Sonntag, als es von morgens bis abends durchschüttete – und gleich zweimal automatische Warnhinweise auf die Smartphones verschickt wurden, unnötige Wege zu vermeiden.
Mit Guirassy versteht sich Fabio Silva im Training gut
Trainer Niko Kovac wich mit seinen Profis deshalb auf ein anderes Trainingsgelände als das vorab gebuchte aus, um sein Training wie geplant durchzuziehen. Auf dem Plan stehen vor allem Angriffs- und Umschaltübungen mit hoher Intensität. Es dauert nicht lange, bis Fabio Silvas kinnlange Locken klatschnass am Kopf des Portugiesen kleben. Schlecht gelaunt wirkt er deshalb nicht. Im Gegenteil: Immer wieder spricht der Angreifer gut gelaunt mit Serhou Guirassy, mit dem er viele der Übungen gemeinsam absolviert. Die beiden Stürmer, die nicht nur Teamkollegen, sondern auch Konkurrenten sind, verstehen sich offensichtlich gut. Das Duo spricht und lacht viel im Laufe der Einheit.
Es sind Bilder, die dem BVB Hoffnung machen. Zum einen darauf, dass Guirassy, der in der ersten Halbserie oft missmutig wirkte und stark an Torgefahr einbüßte, künftig wieder mehr Freude versprüht. Zum anderen darauf, dass auch Silva endlich richtig durchstartet. 22,5 Millionen Euro überwies der BVB im Sommer direkt an dessen Ex-Klub Wolverhampton Wanderers, vier weitere Millionen können durch Boni hinzukommen. Dass der 23-Jährige gleich mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet wurde, spricht für die langfristigen Pläne des Klubs mit dem Nationalstürmer Portugals.
Holpriger Start, aber gute Werte
Der Start allerdings verlief holprig: Silva kam angeschlagen in Dortmund an und musste zunächst behutsam aufgebaut werden. Als er dann spielfit war, kam er weniger zum Einsatz, als er sich das selbst erhofft hatte. Nur 356 Minuten, verteilt auf 16 Einsätze, stehen nach seiner ersten Halbserie in Schwarz-Gelb in der Bilanz. Dass ihm in dieser kurzen Zeit ein Treffer und vier Vorlagen gelangen, spricht wiederum für die grundsätzliche Qualität, die der bewegliche und raffinierte Angreifer mitbringt.
Aufgrund der geringen Einsatzzeiten halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach der Portugiese bereits nach Fluchtoptionen suche. Beim BVB allerdings denkt man gar nicht daran, ihn nach nur einem halben Jahr schon wieder abzugeben. Bereits vor der kurzen Winterpause sprach Sport-Geschäftsführer Lars Ricken im kicker-Interview ein klares „Nein“ aus. In Marbella bekräftigt Kehl diese Haltung: „Wir haben definitiv nicht den Plan“, sagt der BVB-Sportdirektor am Tag nach der regennassen Einheit. „Fabio hatte ein bisschen Anlaufschwierigkeiten, aber im Endeffekt hat er gezeigt, dass er großes Potenzial besitzt.“
Gerüchte? „Das ist Teil des Geschäfts“
Und das soll er in der zweiten Halbserie noch häufiger unter Beweis stellen. Durch seine Vielseitigkeit in der Offensive gibt es für Kovac mehrere Optionen, ihn einzubauen: als alleinige Spitze, als Doppelspitze neben Guirassy oder aber in einer Dreier-Offensive als halblinker oder halbrechter Part hinter Dortmunds Toptorjäger. „Wir wollen unsere Torgefahr erhöhen, noch kreativer werden im letzten Drittel. Genau dieses Profil deckt Fabio ab“, sagt Kehl, den die anhaltenden Spekulationen um Silva nicht beunruhigen. „Mich irritieren im Transferfenster nie Gerüchte. Es ist ein Teil des Geschäfts, dass Dinge am Leben gehalten werden.“
Die Hebel hält ohnehin der BVB in der Hand. Noch läuft der Vertrag des Lockenkopfs, der auf eine Teilnahme an der WM 2026 hofft, schließlich viereinhalb Jahre lang. Und in dieser Zeit kann in Marbella noch viel Wasser vom Himmel fallen.
Hartnäckig halten sich Gerüchte um mögliche Fluchtgedanken von Dortmunds Sommerneuzugang Fabio Silva. Die BVB-Verantwortlichen denken allerdings gar nicht daran, den Stürmer schon wieder ziehen zu lassen.
