Der Auftritt des VfL Wolfsburg in Stuttgart war erschreckend schwach, kam einem Offenbarungseid gleich. Yannick Gerhardt sprach anschließend davon, dass der Verin „nicht gesund“ sei, während Coach Daniel Bauer „Atmosphäre und Kultur innerhalb des Klubs aktuell“ die Bundesligatauglichkeit absprach.
Gerhardt fehlen die Worte
„Ich bin der, der Worte finden muss und ich kann es auch nicht erklären“, sagte ein sichtlich bedienter Yannick Gerhardt nach der 0:4-Schlappe in Stuttgart bei DAZN und gab zu, dass die Wölfe „gerade in der ersten Halbzeit nicht gleichwertig und in allen Belangen unterlegen waren“. Dann helfe auch die Steigerung nach dem Seitenwechsel nicht. „Wenn du immer nur eine Halbzeit irgendwie mithältst, dann reicht das nicht. Wir können das Spiel wieder abhaken, es ist sehr frustrierend und enttäuschend.“
Gerhardt verwies darauf, dass er schon länger im Klub sei und merkte an, dass es derzeit nicht gut um den VfL stehe. „Es sieht nicht so gut aus“, der Verein sei „nicht gesund“. So würde man immer vom eigenen Potenzial sprechen, das dann aber nicht auf dem Platz umsetzen. „Wir haben es zu selten geschafft, unseren Ansprüchen gerecht zu werden. Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität ist viel zu groß“, betonte der Mittelfeldmann und verwies auf die Dringlichkeit der Situation: „Wir kämpfen komplett ums Überleben, wir müssen das annehmen, wir kämpfen um jeden einzelnen Scheiß-Punkt.“ Jetzt geht es eben darum, „nicht mehr vom Potenzial zu reden, sondern die Spieler zu finden, die das über 90 Minuten ziehen.“
Bauer gibt strukturelle Probleme zu
Trainer Daniel Bauer wirkte auch ein wenig ratlos und war dennoch auch ein wenig darum bemüht, nicht alles komplett madig zu machen. So verwies er auf die Laufleistung seiner Mannschaft, die mit 122,06 Kilometern sogar leicht besser war als die des VfB (121,25 km). „Wir haben schon dagegengehalten“, sagte der 43-Jährige: „Die Jungs probieren alles und es ist nicht so, dass sie sich aufgegeben haben. Der Gegner war einfach besser.“ Bauer wusste aber auch, dass wieder einmal die Defensive der Knackpunkt war. „Es ist nicht so, dass die Mannschaft nicht will, aber die Fehler sind einfach wiederkehrend.“ Dass der VfB sich nach dem 1:0 dann in einen „Rausch gespielt“ habe, half dann auch nicht.
Angesprochen auf Gerhardts Aussage, dass der VfL derzeit nicht gesund sei, erklärte Bauer, dass es besser sei, manche Dinge intern zu belassen, nur um dann doch zu offenbaren, dass es offenbar strukturelle Probleme innerhalb des Klubs gibt. „Fakt ist, dass wir viele Strukturen ändern müssen und die Atmosphäre und die Kultur innerhalb des Klubs aktuell nicht bundesligatauglich sind“, sagte Bauer und forderte: „Ein anderes Mindset in der gesamten Struktur.“
Er verriet aber auch, dass man bereits „viele Prozesse angeschoben“ habe, aber das sei eben auch „ein sehr harter Weg“ und „Entwicklung braucht Zeit“. Diese aber habe man beim VfL derzeit nicht, schließlich sei der Bundesliga-Alltag stets auch ein „Ergebnissport – gar keine Frage. Am Ende spiegelt sich alles so ein bisschen auf dem Platz wider“. Am Ende liegt es dann doch an der Mannschaft, „anders aufzutreten“.
Bauer würde sein letztes Hemd geben
In Stuttgart hätte dann auch die zweite Halbzeit gezeigt, wie es funktionieren könnte. In der spielte der VfL mit einer Fünferkette und war dann auch stabiler, allerdings hatten die Stuttgarter da auch schon in den Verwaltungsmodus geschaltet. „In der zweiten Halbzeit ging es weniger um Taktik, wir haben versucht, alles reinzuhauen, sodass es verträglicher war. Trotzdem reichte es nicht“, merkte Bauer an und meinte, dass Wolfsburg womöglich „taktisch einen kompletten Switch“ brauchen könnte.
Ob er den Schalter umlegen wird dürfen, konnte Bauer nicht beantworten. Trotz der Tatsache, dass der VfL im neuen Jahr noch sieglos ist (zwei Punkte aus sieben Spielen) und gemeinsam mit Schlusslicht Heidenheim die schlechteste Abwehr der Liga stellt (53 Gegentore, 25 gab es allein im neuen Jahr), meinte Bauer, dass ihm bislang kein Ultimatum ausgesprochen wurde. Auch betonte er, dass er „total bereit und willens ist, den Weg bis zum Ende zu gehen. Ich bin auch bereit, mein letztes Hemd zu geben. Aber ich entscheide das nicht. Punkt.“ Nach kicker-Informationen könnte Dieter Hecking als Feuerwehrmann kommen.
Klar ist: Wolfsburg hat noch zehn Spiele, um den drohenden Abstieg zu verhindern. Kommenden Samstag kommt der HSV nach Niedersachsen. „Gegen Hamburg ist es das nächste Endspiel, da müssen wir Punkte holen“, weiß auch Gerhardt und versprach: „Auch wenn es unglaubwürdig ist, was ich hier sage. Wir werden bis zum Schluss nicht aufgeben. Wir haben noch zehn Endspiele.“
Der Auftritt des VfL Wolfsburg in Stuttgart war erschreckend schwach, kam einem Offenbarungseid gleich. Yannick Gerhardt sprach anschließend davon, dass der Verin „nicht gesund“ sei, während Coach Daniel Bauer „Atmosphäre und Kultur innerhalb des Klubs aktuell“ die Bundesligatauglichkeit absprach.
