In den 1990er Jahren waren die Hallenmasters für Fußballfans in der Winterpause eine gern gesehene und spektakuläre Abwechslung. Der kicker wirft zusammen mit Mario Basler einen nostalgischen Blick auf diese Events.
Basler erinnert sich
Fußballerische Langeweile in der Winterpause? Früher war das nicht der Fall. Denn mit den Hallenmasters gab es für viele Fußballfans eine gern gesehene Abwechslung. In den Hallen konnten die Fans ihre Stars hautnah miterleben, erstklassigen Budenzauber gab es obendrauf. „Es war immer ein schönes Wochenende, man war nah an den Fans dran. Es hat immer Spaß gemacht, in der Halle zu spielen“, erinnert sich Mario Basler im Gespräch mit dem kicker zurück.
Zwischen 1988 und 2001 wurde der DFB-Hallenpokal, auch Hallen-Masters genannt, ausgetragen. Anschließend stellte der DFB den Wettbewerb ein. „Allgemein war es dann mit der Zeit so, dass die Vereine gesagt haben, dass die wichtigeren Spieler geschont werden. Das lag natürlich auch an der Verletzungsgefahr“, so Basler.
Zu Beginn ging es aber zur Sache, fast alle Teams boten ihre Stammspieler auf und es entwickelte sich somit erstklassiger Budenzauber. Ein Highlight war natürlich auch Basler, der für diese Events wie gemacht war. Der 262-malige Bundesliga-Spieler streifte sich auch schon mal das Torwarttrikot über, marschierte mit nach vorne und jagte die Kugel mit Volldampf in die Maschen. „Ich habe alle Positionen gespielt. Es gab ja dann den fliegenden Torwart, dann hattest du Überzahl. Das war eigentlich die perfekte Position für mich“, so der ehemalige Mittelfeldmann. „In der Halle hat es mir unheimlich Spaß gemacht, man konnte aus 20 Metern draufballern und musste nicht viel laufen.“
Rekordtitelträger ist Borussia Dortmund mit vier Siegen, je einmal gewannen Werder Bremen, der Hamburger SV, Bayer Leverkusen, der 1. FC Köln, Bayer Uerdingen, der KSC, die Münchner Löwen, die SpVgg Greuther Fürth, der 1. FC Kaiserslautern, Hansa Rostock und die SpVgg Unterhaching. Torschützenkönige wurden unter anderem Maurizio Gaudino, Frank Mill, Wynton Rufer, Paulo Sergio oder Stefan Effenberg. Zum besten Spieler des Turniers gekürt wurden beispielsweise Bruno Labbadia, Basler (1997 mit Bayern) oder Mehmet Scholl.
Herzog, Scholl & Co. zaubern
Es gab also einige feine Kicker, die sich die Ehre gegeben haben und den Fans die Winterpause in der Halle oder vor dem Fernseher versüßten. „In Bremen war es natürlich Andreas Herzog. Aber auch Oliver Reck im Tor oder Uli Borowka waren stark in der Halle. In München dann natürlich ein Scholl, mit dem man richtig gut kicken konnte. Oder auch Giovane Elber. Es gab schon unheimlich viele, mit denen man gerne zusammengespielt hat“, erinnert sich Basler an die besten Mitspieler in der Halle. Doch ganz oben konnte es aus Baslers Sicht natürlich nur einen geben: „Ich sage immer: Wenn ich aufgelaufen bin, wurde ich als bester Torhüter, Feldspieler und Torschütze ausgezeichnet.“
Für die etwas älteren Fußballfans ist es vor allem Nostalgie, wenn sie an jene Hallen-Masters zurückdenken und sich eventuell das ein oder andere Highlight anschauen. Man denke nur an Zauberfuß Jay-Jay Okocha mit seinen weißen Schuhen, Ballstreichler Thomas Häßler oder das Bremer Sturmduo Ailton und Claudio Pizarro. Die Hallen waren lange proppenvoll, auch weil die Teams ihre besten Spieler schickten.
„Es waren ja fast immer dieselben dabei. Es gibt auch Spieler, die können in der Halle spielen und es gibt andere, die sollten nicht in der Halle spielen. Da war immer relativ schnell klar, wer in einer Mannschaft spielt“, so Basler. „Es gibt einige, die hatten einfach in der Halle nichts verloren. Draußen ja, da können sie die Bälle weit wegschießen, aber das gibt es in der Halle nicht. Da gibt es dann schon Spieler, die eher prädestiniert dafür sind.“
Letzter Sieger war die SpVgg Unterhaching
Im Laufe der Zeit änderte sich einiges an diesem Event, denn aufgrund des Verletzungsrisikos wurden die wichtigen Spieler häufig geschont, daraufhin nahm auch das Zuschauerinteresse ab. „Die Halle war immer voll, es hat großen Spaß gemacht. Viele sind zu Beginn auch mit der besten Mannschaft gekommen, das war dann später nicht mehr so, da kamen dann oft Spieler aus der zweiten Mannschaft“, sagt Basler. „Aber die Anfangszeit war schon geil, wir haben auch in Bremen immer mit der besten Mannschaft gespielt, bei uns haben fast nur Stammspieler gespielt.“
„Es gibt einige, die hatten einfach in der Halle nichts verloren. Draußen ja, da können sie die Bälle weit wegschießen, aber das gibt es in der Halle nicht.“ (Mario Basler)
Seit 2001 gibt es das Event nicht mehr, der letzte Sieger war die SpVgg Unterhaching. Hallenturniere gibt es in den letzten Jahren zwar immer noch in der Winterpause, allerdings spielen dort ehemalige Kicker mit ihren Traditionsmannschaften. Eine Rückkehr zum Hallen-Masters scheint eher ausgeschlossen, zu voll ist mittlerweile der Terminplan, zu hoch das Risiko für Verletzungen. „Da gibt es einfach keine Zeit mehr“, findet auch Basler. „Es geht ja nach einer kurzen Winterpause schnell wieder weiter. Die Jungs haben unheimlich viele Spiele mit der Champions League oder auch Klub-WM im Sommer.“
Was bleibt, ist aber zumindest die Erinnerung und der ein oder anderen Clip auf Youtube, in dem Basler & Co. die ganz feine Klinge auspacken …
In den 1990er Jahren waren die Hallenmasters für Fußballfans in der Winterpause eine gern gesehene und spektakuläre Abwechslung. Der kicker wirft zusammen mit Mario Basler einen nostalgischen Blick auf diese Events.
