Neuer Lack oder ein Pfeifkonzert? Mainz sucht das Auswärtsgefühl 

Der dritte Sieg im dritten Auswärtsspiel setzt die Mainzer Serie und zugleich das Rätsel fort, warum es im eigenen Stadion nicht klappen will. Womöglich hilft der Griff in die mentale Trickkiste.

Die Diskrepanz wirft Rätsel auf

Die fast 20.000 Sitzschalen im Mainzer Stadion bis zum kommenden Wochenende grün zu lackieren, ist wohl etwas zu aufwendig. Es braucht also andere Tricks, um das kommende Heimspiel gegen Werder Bremen wie ein Auswärtsspiel wirken zu lassen. Vielleicht reicht ja schon das Abspielen der Werder-Hymne „Lebenslang Grün-Weiß“. Oder ein Pfeifkonzert beim Einlaufen der eigenen Mannschaft. Sechs Tage bleiben, um der Kreativität in Mainz freien Lauf zu lassen.

Trainer Urs Fischer dürfte die verbleibende Zeit vielmehr mit der intensiven Suche nach den sportlichen Gründen für die spielortabhängige Diskrepanz verbringen. Mit der makellosen Ausbeute von neun Punkten aus drei Spielen sind die Mainzer nach dem 1:0 auf Schalke das beste Auswärtsteam der Liga, saisonübergreifend sind es schon fünf Siege in Serie. Zu Hause läuft es gar nicht. Ein Punkt aus den drei Spielen dieser Saison, kein Sieg aus den letzten sechs Spielen in der Mewa-Arena seit Ende März.

Amiri: „Wir haben leider zwei so krass verschiedene Gesichter“

„Mir fehlt selbst die Erklärung dafür“, rätselte Nadiem Amiri am Samstagnachmittag in Gelsenkirchen. „Wir haben leider zwei so krass verschiedene Gesichter.“ Große und volle Stadien – wie in Hamburg, Gladbach und auf Schalke – geben dem Team offensichtlich einen zusätzlichen Motivationskick. „Ich mag das irgendwie“, gab Siegtorschütze Phillip Tietz zu. „Wenn da Pfiffe kommen und du dir denkst: 60.000 Menschen, jetzt kannst du dich hier richtig zeigen. Das ist immer ein cooles Gefühl.“

Die Basis, damit auch die knapp 30.000 Anhänger aus dem Mainzer Stadion mal wieder mit einem coolen Gefühl nach Hause gehen, bildet eine Defensivleistung wie auf Schalke. Auch wenn die harmlose S04-Offensive keine Herausforderung darstellte, haben die Mainzer ihre zuletzt verloren gegangenen Grundtugenden wiedergefunden. Kenan Karaman, Kapitän der eigentlich für ihre Intensität bekannten Schalker, brachte es auf den Punkt: „Die Mainzer waren uns körperlich überlegen.“

Weil sich außerdem diesmal keine individuellen Fehler in der Defensive einschlichen, steht nach zehn Gegentoren in drei Spielen wieder die Null. Das frische Selbstvertrauen dürfte speziell dem erst 18-jährigen Kacper Potulski nach schwierigen Wochen auf die Beine helfen. Der linke Innenverteidiger machte sein bestes Spiel in dieser Saison und war mit 64 Prozent gewonnener Zweikämpfe, in der Luft sogar 78 Prozent, der sicherste Verteidiger.

Was von all dem im eigenen Wohnzimmer übrig bleibt, wird sich am kommenden Samstag ab 15.30 Uhr zeigen. „Zu Hause mache man sich vielleicht einen zu großen Druck“, während man auswärts „gelöster“ sei, lauten mögliche Erklärungsansätze Fischers. Vielleicht greift der Schweizer ja auch mal in die mentale Trickkiste. Es soll ja schon Trainer gegeben haben, die die Kabinen oder die Bänke am Spielfeldrand gewechselt haben. An der Trikotfarbe liegt es jedenfalls nicht. Auf Schalke siegte Mainz im gewohnten Heim-Rot.

 Der dritte Sieg im dritten Auswärtsspiel setzt die Mainzer Serie und zugleich das Rätsel fort, warum es im eigenen Stadion nicht klappen will. Womöglich hilft der Griff in die mentale Trickkiste. 

 

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