Jamal Musiala bestimmt die Themenlage beim FC Bayern. Trainer Vincent Kompany geriet trotz der jüngsten Vorfälle ins Schwärmen.
Kompany sieht ihn „eine Stufe über den Top-Spielern“
Neben dem kleinen und kuscheligen Pressekonferenz-Raum liegt beim FC Bayern direkt die Cafeteria für die Profis und den Staff, deshalb ist es manchmal sogar möglich, ganz vorsichtig zu lauschen, was da drüben wohl gesagt wird. Auch wenn außer Lachern oder Geburtstagsständchen nicht viel herüberkommt.
Vincent Kompany dürfte sich spätestens dort am frühen Freitagmorgen noch einmal rückversichert haben, was er über Jamal Musiala sagen wird und sagen möchte, bevor er den Raum wechselt. Klar war dem Bayern-Trainer, dass er spätestens auf der Pressekonferenz vor dem Supercup in Dortmund zum Gesundheitszustand seiner Nummer 10 befragt werden würde.
„Wir gehen damit schon länger um“, sagte Kompany über Musiala, der sowohl im Test gegen Leipzig (3:1) als auch in Heidenheim (4:2) wenige Minuten nach seiner Einwechslung zusammengebrochen war und anschließend öffentlich gemacht hatte, unter Absencen in Folge einer neurologischen Dysfunktion zu leiden. Tatsächlich wussten die Bayern mindestens „schon die ganze letzte Saison“ Bescheid, wie Sportvorstand Max Eberl ergänzte.
„So haben wir Jamal seit seiner Verletzung gegen Paris nicht mehr gesehen.“ (Kompany über Musialas Form)
Es war Musialas Wunsch, die Öffentlichkeit nicht einzuweihen in die medizinischen Neuigkeiten, er wollte weiterspielen, und die Medikamente erlaubten es ihm, bis sie umgestellt wurden und die Aussetzer verursachten. „Der erste Schockmoment ist schon einige Zeit her, seitdem haben wir viel mehr Informationen bekommen und die Situation viel besser verstanden“, erklärt Kompany. „Wir haben jede Entscheidung mit den allerbesten Informationen von den allergrößten Experten getroffen. Es ist bei uns nicht so, dass wir in einer Unruhe damit umgehen, es ist eigentlich total das Gegenteil.“
Was sich übrigens belegen lässt, wenn man sich die Minuten des Vorfalls in Heidenheim noch einmal anschaut. Die Spieler beider Mannschaften bildeten zwar eine Traube um Musiala, in Panik verfiel jedoch niemand. Michael Olise, der eng mit Musiala befreundet ist, holte sich sogar taktische Anweisungen an der Auswechselbank ab. Schon drei Tage zuvor gegen Leipzig war Kompany während des ersten Zusammenbruchs erstaunlich gelassen geblieben, während die Arena in Unruhe verfallen war. „Für die Öffentlichkeit war es das erste Mal. Da stellt man sich viele Fragen, ist völlig normal.“
Musiala fällt nicht lange aus – Kompany lobt Form und freut sich
Die Bayern hingegen überließen Musiala die Bühne und die Gelegenheit, sich selbst zu äußern. Was am späten Dienstagabend in Heidenheim nicht mehr zu verhindern war. Seitdem hat es weitere Gespräche gegeben, der Trainer hingegen konzentriert sich voll und ganz auf die Vorbereitung des Supercups, bei dem Musiala nicht mitwirken, sondern individuell arbeiten wird. Für den Bundesliga-Auftakt gegen Stuttgart sechs Tage später könnte der Dribbelkünstler sehr wohl wieder infrage kommen.
Bei allen öffentlichen Sorgen um Musiala hat Kompany nämlich recht, wenn er auf die wenigen, aber sehr guten Minuten seines Spielers verweist, der sowohl im Training Eindruck hinterließ als auch gegen Leipzig und Heidenheim. „Er hat im Sommer die Platte aus seinem Fuß entfernt bekommen“, sagt Kompany. „Und wenn einige die Fußballanalyse gemacht haben, dann haben Sie einen Jamal gesehen, wie er schon lange nicht mehr auf dem Fußballplatz war.“
Deshalb bleibt der Trainer gelassen. „Ich freue mich auf den Gegenangriff von Jamal, der irgendwann kommt. Weil er Dinge kann, die nur außergewöhnliche Spieler machen können. Ich habe das Gefühl, dass er wieder alle Mittel hat, die Fragen auf dem Platz zu beantworten. Auch wenn es jetzt für euch eine total andere Situation ist: Ich weiß, dass er einen Riesenfortschritt gemacht hat in diesem Sommer. Schaut euch die Minuten an, die er gespielt hat. Da hat er Sachen gemacht, die nicht auf dem gleichen Level war wie unsere besten Spieler, sondern eine Stufe höher. So haben wir Jamal seit seiner Verletzung gegen Paris nicht mehr gesehen.“
Jamal Musiala bestimmt die Themenlage beim FC Bayern. Trainer Vincent Kompany geriet trotz der jüngsten Vorfälle ins Schwärmen.
