Werder und die Keeper-Verkäufe: Erst ging Michael Zetterer, dann Mio Backhaus – und bald Karl Hein? Erst einmal sieht man im estnischen Nationalkeeper eine vielversprechende Lösung für das Tor. Aber auch eine langfristige?
Suche nach Nummer zwei
In den letzten Wochen ging es für ihn von London über Bremen nach Tallinn: Dort stand Karl Hein am Samstagabend im Pärnu Rannastaadion für die estnische Nationalmannschaft im Tor, der 1:0-Sieg gegen die Auswahl der Faröer bedeutete sein 46. Länderspiel – und den ersten Pflichtspieleinsatz seit November 2025.
In der Zwischenzeit ist viel passiert. Aufgrund einer Mitte März erlittenen Daumenverletzung fiel der Kapitän der Esten nicht nur für die beiden kurz darauf ausgetragenen Länderspiele aus, sondern auch für die restliche Saison beim SV Werder Bremen.
Beim Bundesligisten lag sein letzter Einsatz indes noch länger zurück: Am 5. und 6. Spieltag hatte der 24-Jährige den seinerzeit verletzten Stammkeeper Mio Backhaus vertreten, an dem ansonsten für die Bremer Nummer zwei jedoch kein Vorbeikommen war in der abgelaufenen Saison.
Eine Rochade als Win-win-win-Situation
Und doch hatte der Ersatzkeeper seine Zeit während des auf ein Jahr angelegten Leihgeschäfts mit dem FC Arsenal so für sich genutzt, dass sich der Klub nun aus voller Überzeugung für Hein als neue Nummer eins entschieden hat. Von London, wo Hein die Reha absolvierte, flog er zur Vertragsunterschrift an die Weser – und von dort weiter zum Nationalteam.
Durch den Backhaus-Wechsel nach Freiburg ergab sich in Bremen somit eine vermeintliche Win-win-win-Situation auf dieser Position: Der deutsche U-21-Nationalkeeper konnte den sich eröffnenden Karrieresprung in den Breisgau wahrnehmen. Hein wiederum bekam jene Rolle, auf die er ein Jahr geduldig gewartet hatte.
Und Werder? Machte bei der Rochade im Tor ein sattes Plus, das künftig noch die Zehn-Millionen-Euro-Marke überschreiten könnte. Backhaus brachte eine Basisablöse (ohne Bonuszahlungen) von zwölf Millionen Euro, Hein kam für etwas weniger als drei Millionen Euro.
Hein: Dauerlösung mit Verkaufspotenzial
Der Este, der insbesondere bei seinem Bundesligadebüt in München trotz einer 0:4-Niederlage einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte, hat nun also einerseits die Aussicht darauf, zur Dauerlösung am Osterdeich zu werden, bekam einen Vertrag bis 2030. Oder anderseits: Angesichts seines jungen Alters und großem Entwicklungspotenzial in der Zukunft weitere Bremer Transfer-Einnahmen zu versprechen.
Im Tor hatte Werder ja schon vor einem Jahr mit dem Verkauf von Michael Zetterer nach Frankfurt sechs Millionen Euro eingenommen. In Zeiten dringend benötigter, aber kaum realisierter Werder-Verkäufe entwickelte sich dort zuletzt gewissermaßen eine verlässliche Erlös-Position – im Kader und in der Bilanz.
Zuzuschreiben ist das zum einen dem Trainerteam um den langjährigen Torwarttrainer Christian Vander (seit 2014 im Klub), aber auch den Entscheidern. Backhaus wurde beispielsweise ein Weg aufgezeigt, der über die eigene Jugend, eine Ausleihe zum FC Volendam und ein Jahr als Nummer zwei in der Bundesliga letztlich zum Stammkeeper führte (wenngleich begünstigt durch Zetterers Verkauf).
Entscheidet sich Kastenmeier für Werder?
Damit dieser Kreislauf jedoch auch weiter aufrechterhalten wird, sucht der Klub noch nach einer geeigneten neuen Nummer zwei, die den Konkurrenzdruck auf Hein hochhält – und grundsätzlich ebenfalls Nummer-eins-Ambitionen hegt.
Florian Kastenmeier von Zweitliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf, der auch von Hannover 96 umworben wird, ist nicht der einzige Kandidat, bleibt aber wohl die heißeste Spur. Sollte der 28-Jährige sich den Wechsel zu Werder vorstellen können, könnte es schnell gehen, heißt es. Doch noch dauert eine Entscheidung an.
Werder und die Keeper-Verkäufe: Erst ging Michael Zetterer, dann Mio Backhaus – und bald Karl Hein? Erst einmal sieht man im estnischen Nationalkeeper eine vielversprechende Lösung für das Tor. Aber auch eine langfristige?
