Klare Worte fielen bei einer emotional geführten Mitgliederversammlung von Borussia Mönchengladbach. Der Sportchef erklärte den Auftrag für die Zukunft. Der Trainer blickte kritisch auf die Mannschaft und fordert künftig mehr Gier. Der Präsident legte seine Gefühlswelt offen.
Emotionale Mitgliederversammlung bei Borussia Mönchengladbach
Mit Spannung erwarteten die anwesenden 1623 Mitglieder die erste Rede von Rouven Schröder als Sportchef von Borussia Mönchengladbach. Wohin geht die Reise beim fünfmaligen Deutschen Meister? Welche Pläne verfolgt der Sportchef, der erst im Oktober die Nachfolge von Roland Virkus angetreten hat?
„Wir sind noch nicht in der Liga. Es fehlt noch etwas“, sagte der „Head of Sports“ bei seiner Bestandsaufnahme der sportlichen Situation. Am Sonntag (17.30 Uhr, LIVE! bei kicker) kommt die Borussia aus Dortmund in den Borussia-Park, dann soll der finale Schritt zur Rettung gelingen – und dem Klub die ersehnte Planungssicherheit fürs nächste Bundesliga-Jahr verschaffen. Denn Schröder weiß, dass viel Arbeit auf ihn wartet, um den Verein wieder in ruhigere Fahrwasser zu führen und den Turnaround schaffen zu können. Entscheidend dabei: die Neuausrichtung der Mannschaft. „Wir brauchen ein richtig gutes Fenster im Sommer“, betonte Schröder.
Schröder warnt: „Sonst wird alles so bleiben, wie es war“
Durch die Weltmeisterschaft werde sich der Markt aber zäh entwickeln, so der Ausblick des Managers, „es werden Gelder spät fließen“. Eine weitere Schwierigkeit bei der Planung sei der wirtschaftliche Faktor. „Wir müssen die Kaderkosten senken“, weiß Schröder um seinen Auftrag – und den Spagat, der vor ihm liegt. „Dabei müssen wir trotz geringerer Kaderkosten an der Qualität des Kaders schrauben.“
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„Mut“ lautete das Schlagwort, das Schröders Rede bestimmte. „Mut – wir brauchen Mut. Bei allem, was passiert. Mut zur Veränderung. Mut zu Entscheidungen. Mut zur Konsequenz.“ Denn Schröder will und muss weitere Veränderungen anstoßen. „Sonst wird alles so bleiben, wie es war.“
Talente fördern
Ein Aspekt werde das Fördern der eigenen Talente sein. Dass die verschiedenen Jahrgänge bei den Nachwuchsmannschaften einiges an Potenzial offenbaren, haben sie bereits unter Beweis gestellt – siehe das Beispiel Wael Mohya. „Wir haben ganz, ganz tolle Spieler in unseren Reihen. Wir werden sie in der Vorbereitung und am Tegernsee sehen“, kündigte Schröder an und stellte noch einmal heraus: „Es ist ein klarer Auftrag, diese Talente zu fördern.“
Polanski mit Überzeugung: „Wir werden es schaffen“
Auch Eugen Polanski trat ans Mikrofon und stellte sich später den Mitgliedern bei der Aussprache. Dass es Kritik geben würde aufgrund der sportlichen Situation, lag auf der Hand. „Ich habe andere Ansprüche an die Mannschaft und an mich selbst. Aber wir müssen Schritt für Schritt gehen und können nicht drei auf einmal nehmen“, erklärte der Fohlen-Trainer. Es sei „nicht das, was ich mir unter Erfolg vorstelle. Aber diese Saison ist es unser Erfolg, den Verein in der Liga zu halten“, sagte Polanski. Bei seinen Ausführungen war klar herauszuhören, dass der frühere Spieler fest mit seinem Verbleib auf der Trainerbank rechnet – so hatte es Polanski schon nach dem 1:1 in Wolfsburg im Falle des Klassenerhalts erklärt.
„Wir werden es schaffen, in der Liga zu bleiben. Meine Überzeugung war vom ersten Tag an riesengroß, auch wenn mich die Mannschaft tagtäglich an den Rand des Wahnsinns bringt. Trotzdem habe ich diese Überzeugung von der Qualität der Mannschaft“, so Polanski weiter. Der 40-Jährige machte dabei keinen Hehl daraus, dass es ihm in der Kabine teilweise zu genügsam zugehe: „Wir haben eine echt gute Fußballmannschaft, wir haben gute Charaktere. Aber mir persönlich fehlt ein bisschen die Gier auf Erfolg.“
„Wir haben sehr liebe Spieler. Wir brauchen aber auch ein paar Arschlöcher in der Mannschaft.“ (Eugen Polanski zur Zukunft von Borussia Mönchengladbach)
Ein hungrigeres Team soll in der nächsten Saison auf dem Platz zu sehen sein. Klartext Polanski: „Wir haben sehr liebe Spieler. Wir brauchen aber auch ein paar Arschlöcher in der Mannschaft.“ Und: „Für mich war und ist in dieser Saison wichtig, dass wir in der Liga bleiben. Dann bin ich voller Tatendrang, gewisse Sachen zu ändern, wie ich sie haben will und wie Borussia Mönchengladbach sich anfühlen soll.“
Bonhof emotional: „Ich hatte gedacht, wir sind stabiler“
Präsident Rainer Bonhof zeigte sich derweil hochemotional bei seinem Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate. „Ein Scheißjahr“, startete Bonhof und brach in Tränen aus. „Ich hatte gedacht, wir sind stabiler. Das ist leider nicht eingetreten, und wir sind den Leidensweg so, wie wir alle hier stehen, mit der Mannschaft mitgegangen.“
Mit zitternder Stimme erinnerte er an das spektakuläre 3:3 beim Derby in Köln, als die Borussen zweimal eine Führung aus der Hand gegeben und den Sieg verspielt hatten. „Das geht auch am Präsidenten nicht vorbei.“ Bonhof schloss: „Wenn du aber dann bei Auswärtsspielen bist und unsere Fans siehst … Für die lohnt es sich, nicht abzusteigen.“
Klare Worte wurden von allen Beteiligten während der dreieinhalb Stunden bei der diesjährigen Mitgliederversammlung gefunden. Die Taten müssen nun folgen.
Klare Worte fielen bei einer emotional geführten Mitgliederversammlung von Borussia Mönchengladbach. Der Sportchef erklärte den Auftrag für die Zukunft. Der Trainer blickte kritisch auf die Mannschaft und fordert künftig mehr Gier. Der Präsident legte seine Gefühlswelt offen.
