Nach acht Partien ohne Sieg ging der 1. FC Köln gegen Werder Bremen mal wieder als Gewinner vom Rasen. Das erleichtert den Aufsteiger ungemein, doch die Baustellen sind nicht weniger geworden.
Coach Wagner lobt und kritisiert
Dass am Sonntagabend mal wieder kölsche Partymusik aus der Kabine des 1. FC Köln im Müngersdorfer Stadion zu hören war, fühlte sich beinahe etwas seltsam an. Mehr als zwei Monate musste der Aufsteiger auf einen Sieg warten – acht Partien, die sich im Abstiegskampf der Bundesliga wie eine Ewigkeit anfühlen.
Doch nun platzte der Knoten. „Unfassbar wichtig“, fand Torhüter und Kapitän Marvin Schwäbe den 3:1-Erfolg. Dass die gesamte Konkurrenz im Tabellenkeller patzte und Köln nun fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hat, verstärkte das erlösende Gefühl zusätzlich: „Man hat gesehen, was wir für einen großen Schritt machen können. Das war die Extramotivation, die wir gebraucht haben.“
Stress, den kein Kölner gebraucht hätte
Nach Monaten voller Pech war dabei seit längerer Zeit auch wieder das Matchglück aufseiten des Aufsteigers. „Wir haben ein gutes Spiel gemacht“, fand Schwäbe zwar, nannte aber gleich auch den Grund: „Natürlich hat uns die Rote Karte gutgetan.“ Dass es zuvor den zweiten Strafstoß der Saison gab – nur Schlusslicht Heidenheim durfte ähnlich selten zum Punkt gehen – und Ragner Aches Foulspiel gegen Romano Schmid Mitte der zweiten Hälfte nur eine Verwarnung zur Folge hatte, kam dazu.
- Das Restprogramm der 18 Bundesligisten
Trotzdem sorgten die sich aufbäumenden Bremer nach dem Anschlusstreffer nochmal für Stress. „Gebraucht hätte ich den nicht“, bekannte Schwäbe und monierte: „Wir hätten vorher die Situationen zwingender ausspielen können, um das nicht zuzulassen.“ Doch der FC machte den Deckel nicht drauf und hätte sich beinahe selbst ein Bein gestellt. Trainer René Wagner musste das erlösende Gefühl so zumindest ein wenig mit Kritik dämpfen.
Wagner geht es um Selbstvertrauen
„Man hat auch mit einem Mann mehr gemerkt, dass die Jungs nicht die absolute Sicherheit hatten“, sagte der Coach, der seinem Team eine deutlich kontrolliertere Herangehensweise als noch sein Ex-Chef Lukas Kwasniok verordnet hat. Mehr Ruhe am Ball, aber auch spürbar weniger Offensivdruck sollen die Fehlerquote drücken. „Wir versuchen, länger am Ball zu sein“, erklärt Wagner und begründet: „Es tut uns gut, in Spielen zu sein, in denen es nicht nur hin und her geht.“ Trotzdem, das mahnte der 37-Jährige deutlich an, dürfe man „bei aller Kontrolle nicht vergessen, auch das gegnerische Tor zu attackieren. Das war mir nicht zielstrebig genug.“
Das fühlte auch das Kölner Publikum, das zwischenzeitlich hörbar um die etwas wackelige FC-Führung bangte und von dem vorsichtigen Auftritt in Überzahl verwundert schien. „Es geht darum, den Jungs in diesen Phasen Selbstbewusstsein zu geben“, schilderte Wagner, der gleich eine positive Botschaft hinterherschob: „Jetzt sind wir vier Spiele in Folge nicht geschlagen und haben uns einen Sieg geholt. Das sollte Selbstbewusstsein geben für die kommenden Aufgaben.“
In denen steht vor allem das nächste Auswärtsspiel beim FC St. Pauli im Fokus, der Vorsprung könnte auf den Tabellensechzehnten bei einem Sieg auf acht Punkte anschwellen. Dann wäre der FC wohl nahezu durch im Kampf um den Klassenerhalt – oder nach einer Niederlage wieder mittendrin.
Nach acht Partien ohne Sieg ging der 1. FC Köln gegen Werder Bremen mal wieder als Gewinner vom Rasen. Das erleichtert den Aufsteiger ungemein, doch die Baustellen sind nicht weniger geworden.
