„Ich habe nicht viel zu verlieren“: Culbreaths verblüffender Aufstieg bei Bayer 

Selbst gegen den FC Bayern wusste Montrell Culbreath zu überzeugen. Bayers 18-jähriges Talent hat einen bemerkenswerten Weg hingelegt – und sich zu einer starken Alternative entwickelt.

Talent überzeugte gegen Bayern auf der rechten Seite

Axel Tape? Saß nur auf der Bank. Tim Oermann? Ebenso. In Abwesenheit des gelbgesperrten Alejandro Grimaldo setzte Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand gegen den FC Bayern lieber auf Talent Montrell Culbreath aus der eigenen Jugend und behielt mit seiner Entscheidung völlig recht. Während Ernest Poku wie erwartet auf Grimaldos linker Seite startete, bespielte der 18-jährige Culbreath die rechte Flanke – und zeigte beim 1:1 eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Leistung.

Auch Luis Diaz wird nun genau wissen, wer dieser Culbreath ist. Nach fünf Minuten ließ sich Bayerns Flügelspieler vom Youngster übertölpeln, verlor den Ball gegen seinen jungen Kontrahenten, woraufhin die Werkself zum 1:0 traf. Ein gewonnener Zweikampf, auf den noch einige folgen sollten: Letztlich behielt Culbreath in 77 Prozent seiner 13 Duelle die Oberhand – mal schlicht mit erstaunlicher Schläue, mal mit all der Dynamik, die er in seinem 1,72 Meter großen und 65 Kilogramm schweren Körper haben kann.

Culbreath sendet Ausrufezeichen gegen den FC Bayern

Verteidigte Bayer im tiefen Block, zog sich Culbreath nach rechts hinten in die Fünferkette zurück – und besaß Bayer die Kugel, dann schob er nach vorn, versuchte für Gefahr zu sorgen, was einmal für alle bestens sichtbar gelang: Während einer Umschaltaktion spielte ihn Patrik Schick halbrechts frei, Culbreath zog noch einmal auf und schlenzte den Ball mit dem linken Fuß nur knapp am Tor vorbei (31.). Eine verpasste Chance, doch ein weiteres Ausrufezeichen von Bayers Top-Talent.

Nach 77 Minuten dann war sein erst zweiter Startelfeinsatz nach der Partie beim Hamburger SV (1:0) vorüber. Und so cool wie er vorher auf dem Platz gewirkt hatte, so präsentierte er sich nachher auch fernab des Spielfelds. Wie er sein Duell mit Top-Star Diaz vor dem 1:0 bewerten würde? „Das war eine normale Balleroberung.“ Was er zu seinem knapp vorbeigestrichenen Linksschuss zu sagen habe? „Gehört dazu, beim nächsten Mal ist er drin“, meinte Culbreath.

„Ich bin mutig, und dann wird das schon.“ (Bayer Top-Talent Montrell Culbreath über seine Herangehensweise)

Ob es denn etwas Besonderes gewesen sei, gegen Diaz, Michael Olise und Kollegen zu spielen? Das schon, sagte er. „Man macht sich Gedanken vor dem Spiel, danach aber nicht mehr, man spielt einfach. Im Endeffekt sind es auch nur Menschen wie wir alle“, so der flinke Offensivmann, der zudem erklärte: „Ich bin noch jung, ich habe nicht so viel zu verlieren.“ Also versuche er schlicht und ergreifend sein Spiel zu spielen, „ich bin mutig, und dann wird das schon“.

Bisher stimmt das absolut: Es wird. Culbreath, im Sommer 2023 vom 1. FC Kaiserslautern zu Bayer gekommen, legte in den vergangenen Monaten einen bemerkenswerten Aufstieg aus der U 19 hin. Sein Profi-Debüt am 20. Dezember in Leipzig krönte er gleich mit dem Treffer zum 3:1-Endstand. Seither kam er noch dreimal in der Bundesliga sowie zweimal in der Champions League zum Einsatz – und hat sich mittlerweile zu einer starken Alternative entwickelt.

Hjulmand lobt Culbreath: „Er fällt nie aus dem Spiel“

Trainer Kasper Hjulmand lobte: „Er ist immer bereit.“ Er trainiere gut, spiele physisch, sei schnell, gut mit dem rechten wie linken Fuß, habe ein gutes „Finish“ und sei immer aktiv. „Er fällt nie aus dem Spiel, ist immer in Kontakt mit dem Spiel. Wir haben einen Jungen aus unserer Akademie herausgebracht, das ist so gut für unseren Verein. Er ist erst 18, das ist top, wir haben einen Spieler mit Perspektive“, so der Däne, der auch in den kommenden Wochen gewiss auf den feinen Techniker zurückgreifen wird.

Zumal Culbreath offenkundig flexibel einsetzbar ist. „Eigentlich ist Montrell ein Zehner, mehr offensiv, aber er hat sehr gut verteidigt“, so Hjulmand und erklärte, in allzu vielen Mannschaftstrainingseinheiten habe er Culbreath nicht defensiv testen können, dafür in kleineren Spielformen. „Und er hat mich überzeugt.“ Ob er sich sicher gewesen sei, dass es mit ihm gegen Bayern klappen würde? „Das weißt du nie“, so Hjulmand, dessen Vertrauen sich allerdings auszahlte.

Culbreath selbst freute sich: „Ich kriege dieses Vertrauen auch von der Mannschaft. Die Spieler sind auch vor dem Spiel wieder zu mir gekommen und haben gesagt: Ey, mach dein Ding, spiel‘ so wie in Hamburg. Dann wird das schon. Dieses Vertrauen nimmt man mit, dann hat man auch keine Angst.“ Gegen Diaz, Konrad Laimer und Co. war das bestens ersichtlich. Culbreath dribbelte und arbeitete, als wäre er schon lange dabei.

 Selbst gegen den FC Bayern wusste Montrell Culbreath zu überzeugen. Bayers 18-jähriges Talent hat einen bemerkenswerten Weg hingelegt – und sich zu einer starken Alternative entwickelt. 

 

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