Im Sommer zahlte der 1. FC Köln rund acht Millionen Euro Ablöse für Verteidiger Rav van den Berg. Doch aus der Hoffnung, auf Anhieb einen neuen Abwehrchef zu bekommen, wurde nichts. Das könnte sich nun ändern.
Lob für Kölns Verteidiger
Große Ausgaben sind im Fußball immer mit hohen Erwartungen verbunden. Das gilt natürlich auch für den Transfer von Rav van den Berg. Dass der 1. FC Köln im vergangenen Sommer einen jungen Verteidiger aus England holte, erregte ohnehin schon Aufsehen, dass der niederländische U-21-Nationalspieler der jüngere Bruder des ehemaligen Bundesliga-Profis Sepp van den Berg ist, erst recht. Als dann noch durchsickerte, dass der Aufsteiger etwa acht Millionen Euro Ablöse an Zweitligist FC Middlesbrough überwies, bekam van den Berg bereits den Stempel „Königstransfer“.
Komplett überzogen waren die Erwartungen indes nicht: Nach einer wackligen Kölner Zweitliga-Saison erschien der Gedanke des inzwischen zum Sport-Geschäftsführer beförderten Thomas Kessler, in die Defensive zu investieren, logisch. Doch van den Berg wurde vom Pech verfolgt: Erst musste er einen Trainingsrückstand aufholen, dann fiel er gleich in seinem zweiten Spiel beim 3:3 gegen Wolfsburg unglücklich auf die Schulter. Und als er gerade wieder fit war, fing er sich eine Rote Karte gegen Union Berlin ein (0:1) und fehlte erneut, diesmal gesperrt.
Ein Abwehrchef wird dringend benötigt
Irgendwie war der Wurm drin, weshalb van den Berg in dieser Saison noch keine Säule beim FC war, sondern erst sieben Partien von Beginn an und zwei Joker-Einsätze absolviert hat. Zu wenig, angesichts der investierten Summe. Und ganz besonders vor dem Hintergrund, dass der von Verletzungen – wie der von Abwehrchef Timo Hübers (Knie) – geplagte Klub einen souveränen und stabilen Abwehrchef gut gebrauchen könnte.
Doch nachdem Trainer Lukas Kwasniok van den Berg zuletzt gegen Leipzig (1:2) und Stuttgart (1:3) zweimal in Folge 90 Minuten auf der Bank ließ, durfte der Niederländer beim 2:2 gegen Hoffenheim endlich wieder beginnen – und machte einen soliden Job (kicker-Note 3,5).
„Ich habe einen anderen Rav wahrgenommen, der sehr fokussiert war“, lobte Kwasniok anschließend. Der 44-Jährige, der extrem viel Wert auf Trainingsleistungen legt, hatte bereits zuvor van den Bergs Auftritte in den Einheiten am Geißbockheim gelobt. Nun bot er ihn zentral in der Dreierkette auf. Van den Berg enttäuschte ihn nicht.
Der Ruhepol kann auch schnell
„Als Trainer stellst du Spieler auf, wenn du das Gefühl hast: Die sind so weit. Und er war so weit“, fand Kwasniok mit Recht. Zwischen Cenk Özkacar und Joel Schmied gab van den Berg den Ruhepol und zeigte vor allem im Spielaufbau, was ihn von den Kollegen abhebt. Gleichzeitig steht er seinen Kollegen mit 33,7 km/h Spitzengeschwindigkeit sprinttechnisch in nichts nach. Und auch in der Luft macht er eine gute Figur.
„Wir haben viel an Standards gearbeitet und er war auch da ein Dominator und das hat er unter Beweis gestellt“, schilderte Kwasniok, der nach der Trennung von Co-Trainer Hannes Dold die Misere bei ruhenden Bällen in den Griff bekommen will. Van den Berg soll dafür ein Puzzleteil sein. „Er hat die Leistung aus dem Training bestätigt, war ein Fels in der Brandung und hat sehr souverän agiert“, resümierte der FC-Coach und formulierte, was angesichts der Erwartungen nicht nur er hofft: „Das war ein guter Beginn, um in den nächsten Spielen ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft sein zu können.“
Im Sommer zahlte der 1. FC Köln rund acht Millionen Euro Ablöse für Verteidiger Rav van den Berg. Doch aus der Hoffnung, auf Anhieb einen neuen Abwehrchef zu bekommen, wurde nichts. Das könnte sich nun ändern.
