Ob es ohne seine Fehler anders gelaufen wäre? Das bleibt ungeklärt. Doch mit Fehlpässen, einem verursachten Elfmeter und einer Frust-Verwarnung sorgte Bremens routinierter Mittelfeldspieler Senne Lynen für die negativen Höhepunkte im Spiel gegen die Bayern. Sein Trainer nimmt ihn aus der Kritik.
Bremens Belgier agiert eigentlich solide – und ist dennoch der große Verlierer
Eigentlich ist in solchen Fällen die Rede von einem gebrauchten Tag. Der war es irgendwie auch, irgendwie aber auch wieder nicht. Im zentralen Bremer Mittelfeld agierte Senne Lynen weitgehend ordentlich, half später nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Niklas Stark und Karim Coulibaly sogar in hinterster Linie zuverlässig aus. Und dennoch war er nach seinen unglücklichen Aktionen im ersten Durchgang Werders großer Verlierer beim 0:3 gegen die Bayern.
„In den ersten zehn, 15 Minuten waren wir gut im Spiel, da haben viele Sachen geklappt“, setzte der Belgier nach Abpfiff bei seiner Analyse an. „Dann tut es mir leid für die Mannschaft, dass mir der Elfmeter passiert.“ Nachdem er zuvor selbst einen Fehlpass gespielt hatte, gelang es ihm wenige Momente am Ende einer Bremer Kette von unzureichenden Abwehrversuchen gegen Lennart Karl nicht, diesen bei seinem Dribbling im Strafraum regelkonform zu stoppen.
„Mit VAR ist das dann immer ein Elfmeter.“ (Senne Lynen)
„Unten spiele ich den Ball, aber oben gibt es einen Kontakt. Mit VAR ist das dann immer ein Elfmeter.“ So war es. Am Bildschirm hatte Videoassistent Timo Gerach das Vergehen aufgedeckt und Feldschiedsrichter Bastian Dankert, der zunächst weiterlaufen ließ, den entscheidenden Hinweis gegeben. Lynen einsichtig: „Das muss ich besser, cleverer machen.“ Die Folge war fast klar: Natürlich ließ sich Harry Kane die Chance vom Punkt nicht nehmen.
„Beim 2:0 will ich den Ball lang schlagen, treffe dabei den Gegner“
Es sollte der Auftakt zu schlimmen Minuten für Lynen werden. Den schlimmsten überhaupt, seit er sich 2023 den Bremern anschloss? „Ich glaube schon.“ Ein verunglückter Pass an der Strafraumgrenze wird von den Münchnern abgefangen, nur drei Zeigerumdrehungen nach dem Führungstreffer nutzt Kane die nächste Gelegenheit und legt zum Doppelpack nach. „Beim 2:0 will ich den Ball lang schlagen, treffe dabei den Gegner“, kommentierte Lynen, der in seiner nächsten Szene nach Wiederanpfiff auch noch eine Gelbe Karte für sein Einsteigen gegen Bayerns Jonathan Tah an der Mittellinie einsteckte. „Da hatte ich einfach Bock zu grätschen“, schilderte der 26-Jährige seinen verständlichen Groll und entschuldigte sich zugleich: „Man gewinnt vorher elf Spiele nicht, dann ist man frustriert – so soll es auch sein.“
Ungeklärt, aber wahrscheinlich zog Lynen seiner Mannschaft mit den unglücklichen Aktionen früh den berühmten Stecker. Bei seinem Trainer verdarb er es sich damit aber nicht. „Wenn man Lennart Karl auf dem Platz sieht, dann sieht man, wie schnell und geschmeidig seine Bewegungen sind“, holte Daniel Thioune bei seiner Einordnung der fraglichen Szenen aus, um dann zu urteilen: „Da kann Senne sicherlich eher den Raum blockieren anstatt in den Zweikampf zu gehen. Das ist in der Box gefährlich, bei den kleinen Haken und dem leichten Kontakt. Dann ist es ein Foulspiel. Das war nicht so optimal.“ Dennoch nahm der Coach seinen Akteur auch aus der Kritik und sprach eher allgemein: „Der zweite Fehler passierte im Spielaufbau. Das eine oder andere Mal haben wir falsche, andererseits nicht schnell genug gute Entscheidungen getroffen.“
Was er an Lynen grundsätzlich hat, zeigte Thioune schließlich anhand der weiteren Spieleindrücke auf: „Mit der Gelben Karte belastet und den Elfmeter und die Beteiligung am 0:2 einmal ausgenommen hat er 70 Minuten lang ein richtig gutes Spiel gemacht. Auf unterschiedlichen Positionen, später rechts und links in der Dreierkette. Senne ist stabil und ein bisschen werde ich die Hand über ihn halten. Er hängt mit drin, aber darum geht es nicht. Sondern darum, was wir daraus lernen können.“
Ob es ohne seine Fehler anders gelaufen wäre? Das bleibt ungeklärt. Doch mit Fehlpässen, einem verursachten Elfmeter und einer Frust-Verwarnung sorgte Bremens routinierter Mittelfeldspieler Senne Lynen für die negativen Höhepunkte im Spiel gegen die Bayern. Sein Trainer nimmt ihn aus der Kritik.
