Egozentriker, Torjäger – Lebensversicherung? Vieles hängt beim VfL Wolfsburg von Mohammed Amoura ab. Der Stürmer muss im Abstiegskampf funktionieren.
Acht Torschüsse gegen den BVB
In der 83. Minute hatte dann auch Daniel Bauer den Glauben aufgegeben, dass sein Topscorer an diesem Samstagnachmittag doch noch einen Treffer erzielt. Der Trainer holte Mohammed Amoura vom Feld, schlug mit ihm ein, nahm den 1,70-Meter-Angreifer fast schon tröstend in den Arm, drückte ihn an sich. Acht Torschüsse hatte der 25-Jährige zuvor gegen Borussia Dortmund (1:2) abgegeben, teils waren es hochkaratätige Chancen, im Netz gelandet ist kein Ball, den Amoura mit durchaus unkonventioneller Schusstechnik abgefeuert hatte. Den linken Fuß versucht der Stürmer mit aller Macht zu umgehen, gerne nimmt er den Außenrist oder wie am Samstag auch mal die Pike.
Amoura war in der Bringschuld – geliefert hat er nicht
Amoura war in der Bringschuld, nachdem er in der Vorwoche aus disziplinarischen Gründen von Trainer Bauer für das Spiel in Köln (0:1) suspendiert worden war. Geliefert hat der Offensivmann, der eine Trainingseinheit in Anbahnung seiner Reservistenrolle eigenmächtig vorzeitig für beendet erklärt hatte, nicht. Nun wurde der Algerier begnadigt, gelobt für eine außergewöhnliche Trainingswoche, getroffen hat er dennoch nicht.
Nach dem Spiel nahm Bauer seinen glücklosen Angreifer, der in dieser Saison schon siebenmal traf und drei weitere Treffer vorbereitete, auch verbal in den Arm. „Er hat sie nicht mit Absicht nicht verwandelt“, sagt der Coach. „Mo wird diese Woche wieder Gas geben, es geht vor die Kiste, Selbstvertrauen holen. Ich bin davon überzeugt, dass harte Arbeit belohnt wird.“
„Amoura wird der Schlüssel sein – wenn er fit und diszipliniert bleibt.“ (Sky-Experte Didi Hamann über den Wolfsburger Topscorer)
Es ist die große Hoffnung, die da mitschwingt in den Worten Bauers, schließlich stellt Amoura so etwas wie die Wolfsburger Lebensversicherung im Abstiegskampf dar. Für die Rettung des VfL muss der Angreifer funktionieren, und zwar schnell. Das sieht Sky-Experte Didi Hamann nicht anders. „Amoura wird der Schlüssel sein“, sagt der Ex-Nationalspieler, „wenn der fit und diszipliniert bleibt. Sie müssen schauen, dass er jede Woche auf dem Platz steht. Das ist die Hoffnung für den VfL Wolfsburg.“
Das Wenn im Fall Amoura ist freilich nicht unbegründet. Der Trainings-Abbruch des Algeriers war schließlich nicht dessen erster Fehltritt. In der vergangenen Saison hatte er im Training Mitspieler Joakim Maehle körperlich attackiert, darunter litt Amouras Standing in der Mannschaft erheblich. Zuletzt beim Afrika-Cup imitierte er nach dem Achtelfinalsieg Algeriens über die DR Kongo einen bekannten kongolesischen Fan und dessen Pose (eine Hommage an den Unabhängigkeitsführer Patrice Lumumba) spöttisch und legte sich anschließend auf dem Rasen „schlafen“. Eine Aktion, für die er sich später entschuldigte – bei Instagram.
Amoura schweigt schon lange
Geredet hat Amoura in Wolfsburg schon lange nicht mehr. Sämtliche Gesprächsanfragen wurden in den vergangenen Monaten negativ beschieden, der Spieler schweigt zu allen Dingen. Deutsch spricht er nach anderthalb Jahren beim VfL ohnehin noch nicht, er erhält Englisch-Unterricht.
Und nach der Saison ist Amoura womöglich ohnehin weg aus Wolfsburg. Schon im vergangenen Sommer war man durchaus gewillt, den schwer in ein taktisches Korsett integrierbaren Offensivmann, der 2024 von Union Saint-Gilloise kam, zu verkaufen. Jedoch wollten weder Benfica Lissabon noch der saudi-arabische Klub NEOM FC die 40-Millionen-Euro-Forderung der Niedersachsen erfüllen.
32 Scorerpunkte in 49 Bundesligaspielen
Mit Amoura bekommt ein Klub nicht nur einen mitunter egozentrischen Einzelgänger, sondern auch einen außergewöhnlich schnellen und wendigen Spieler, der unberechenbar ist – mitunter auch für den eigenen Trainer und die Teamkollegen. Einen Offensivmann, der auf dem Flügel und im Zentrum für Gefahr sorgen kann, der Spiele im Alleingang entscheiden, den Unterschied machen kann. In 49 Bundesligaspielen sind bei Amoura 32 Scorerpunkte (17 Tore, 15 Vorlagen) notiert – eine starke Quote bei einem ständigen Krisenklub.
Und so ruhen große Hoffnungen darauf, dass Amoura aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat, dass er schnell wieder in die Spur findet, um den VfL vor dem Abstieg zu bewahren. „Der wird die Dinger schon wieder reinhauen“, ist Kapitän Maximilian Arnold optimistisch, „ich hoffe, gleich nächstes Wochenende.“ Dann tritt der VfL am Sonntag (17.30 Uhr, LIVE! bei kicker) bei RB Leipzig an.
Egozentriker, Torjäger – Lebensversicherung? Vieles hängt beim VfL Wolfsburg von Mohammed Amoura ab. Der Stürmer muss im Abstiegskampf funktionieren.
