Was bedeutet die tektonische Machtverschiebung im Verein für die Eintracht? 

In der Mitgliederversammlung bei Eintracht Frankfurt lag einige Brisanz. Gemessen daran verlief der Abend ohne größere Reibungen, beinahe harmonisch. Die Vertreter der aktiven Fanszene reüssierten bei den Gremienwahlen. Was bedeutet das für den Verein?

Zwei Lesarten nach der Mitgliederversammlung

Knapp 2000 Mitglieder und Gäste kamen am Montagabend trotz der schwierigen Witterungsbedingungen zur jährlichen Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt in die Frankfurter Jahrhunderthalle. Die aktive Fanszene hatte im Vorfeld stark mobilisiert, insofern überraschte es nicht, dass sie bei der Wahl ihrer Kandidaten in die Gremien (Verwaltungsrat, Wahlausschuss, Revisoren, Ehrenrat) Erfolg hatte.

Von außen betrachtet wirkte es wie eine tektonische Machtverschiebung. Besonders deutlich wurde das bei der Wahl zum Verwaltungsrat. Die Kandidaten stellten sich einzeln in einer kurzen Rede vor, anschließend waren Fragen erlaubt, bevor es zur Abstimmung kam. Zur Wahl stellte sich unter anderem auch Carlos Gomez, CEO eines Zahlungsdienstleisters, der offiziell Partner der Eintracht ist, geschäftlich aber auch mit anderen Bundesligisten zusammenarbeitet.

Die aktive Fanszene erkennt darin einen problematischen Interessenkonflikt, auch in Hinblick auf Statuten. Gomez wurde im großen Saal der Jahrhunderthalle lange zu seinen geschäftlichen Tätigkeiten befragt. Man könnte auch sagen: verhört. Es half ihm nichts, dass er versicherte, als großer Fan ausschließlich Sponsor der Eintracht zu sein. Am Ende stand er wie ein begossener Pudel da, bei der Wahl landete er auf dem letzten Platz. Die ihm gestellten Fragen waren allesamt legitim, trotzdem entstand der Eindruck, dass Gomez auf subtile Art und Weise diskreditiert werden sollte. Dieser Fall könnte der aktiven Fanszene als Blaupause für künftige Wahlen dienen.

Die positive Lesart

Was bedeutet es für den Verein, dass die Ultras und die gesamte aktive Fanszene immer stärker in die Gremien drängen? Dazu gibt es zwei Lesarten. Fangen wir mit der positiven an. Viele Vertreter der aktiven Fanszene hinterließen bei ihrer Vorstellung einen Top-Eindruck. So zum Beispiel auch der aus der Turnabteilung und Ultraszene stammende Mario Geiß, Jahrgang 1991. Eloquent, exzellent ausgebildet, beruflich erfolgreich und mit ganzem Herzen ein Adler. Geiß erhielt 1263 Stimmen und zog erneut in den Verwaltungsrat ein.

Auch andere Vertreter der Ultras und der aktiven Fanszene überzeugten bei den Vorstellungsrunden. Man könnte es als Glücksfall für einen Verein bezeichnen, wenn Mitglieder der ehrenamtlichen Gremien Herzblut, Ehrgeiz und wirtschaftliches Verständnis vereinen – wie etwa auch Vizepräsident und Ultra Benjamin von Loefen, der in leitender Position bei einem international aufgestellten Fitness- und Wellnessunternehmen arbeitet.

Die kritische Lesart

Doch wie immer im Leben gibt es zwei Seiten der Medaille. Die Fanszene der Eintracht ist in den vergangenen Jahren national wie international in Verruf geraten. Positive Bilder wie auf dem Weg zum Europa-League-Sieg 2022 mit 30.000 Fans in Barcelona verblassen nach und nach. Martialisches Auftreten, Grenzüberschreitungen beim Einsatz von Pyrotechnik, Randale im Block wie jüngst in Barcelona und viele weitere kleinere und größere Vorkommnisse schaden dem Ansehen der gesamten Fanszene. Auch leidenschaftliche, friedliche Allesfahrer haben mit Vorurteilen zu kämpfen. Vorstandssprecher Axel Hellmann hofft, dass sich die Lage durch die Zusammenarbeit mit dem Fanbeirat entspannt.

Wie gesund ist es für einen Verein, wenn Vertreter aus gewaltaffinen Gruppen in die Gremien kommen? Wie frei sind sie in ihren Entscheidungen? Wie reagieren Sponsoren, wenn der Einfluss bestimmter Gruppierungen weiter wächst? Was macht der Vorstand, sollten Ultras in den Aufsichtsrat einziehen? Im besten Fall entsteht gesunde Reibung. Im ungünstigen Fall sind die Gräben so tief, dass dauerhaft Unruhe herrscht.

Es stellt sich auch die Frage: Wann ist der Kipp-Punkt erreicht, an dem bei Ausschreitungen keine internen Sanktionen mehr verhängt werden können? Viele normale Fans hätten sich bereits in den vergangenen Jahren ein härteres Durchgreifen gewünscht. Jetzt sitzt in Wolfgang Trollmann sogar ein Mann aus dem Dunstkreis der Hooligangruppierung Brigade Nassau im Verwaltungsrat. Dem Vernehmen nach lässt es der Familienvater und Unternehmensberater mittlerweile ruhiger angehen.

Verständliche Sorgen der Ultras

Die Ultras treibt die verständliche Sorge um, dass der Wachstumskurs in der Fußball AG mit zu großen wirtschaftlichen Risiken einhergeht. Wer ist denn noch da, sollte Steuermann Markus Krösche eines Tages Schiffbruch erleiden und von Bord gehen? Auch der Mangel an Identifikationsfiguren in der Mannschaft – Stichwort hohe Fluktuation – ist den Anhängern ein Dorn im Auge. Das ist nachvollziehbar. Insofern ist auch der Wunsch nach Plätzen im Aufsichtsrat logisch.

Es ist schwer einzuschätzen, welchen Kurs die Eintracht in den nächsten Jahren einschlagen wird. Auch die nächste Mitgliederversammlung in einem Jahr verspricht Spannung. Präsident Mathias Beck wird sich zur Wiederwahl stellen. Dann wird sich zeigen, ob er der aktiven Fanszene einen oder mehrere Plätze im neunköpfigen Aufsichtsrat anbietet. Fünf Vertreter kommen aus dem e.V.

 In der Mitgliederversammlung bei Eintracht Frankfurt lag einige Brisanz. Gemessen daran verlief der Abend ohne größere Reibungen, beinahe harmonisch. Die Vertreter der aktiven Fanszene reüssierten bei den Gremienwahlen. Was bedeutet das für den Verein? 

 

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