Intensiv suchten die Bremer im Winter nach einem neuen Torjäger. Jovan Milosevic, Leihgabe des VfB Stuttgart, konnte die Erwartungen zunächst nicht erfüllen. Das könnte sich nach dem aktuellen Trend und dem 2:0-Sieg gegen einen Mitkonkurrenten nun ändern.
Serbe steigert seine Quote
Es war eine unglaubliche Szene. Eine, bei der der überzeugteste Werder-Fan durchaus einmal vom Glauben abfallen konnte. Romano Schmid hatte sich links im Heidenheimer Strafraum exzellent durchgearbeitet und scharf nach innen gepasst. Mutterseelenallein stand dort am zweiten Pfosten, wenige Schritte vom leeren Tor entfernt, Jovan Milosevic – und schob den maßgeschneiderten Pass fast parallel zur Torlinie links am Gehäuse vorbei…
„Ich habe noch gefleht: Bitte, geh rein!“
Ein Schockmoment, der sich übel in zwei weitere Aktionen der Bremer einbettete. Hatte schon das vermeintliche 1:0 durch Olivier Deman nach 26 Minuten wegen einer aktiven Abseitsstellung Milosevics nicht gezählt, so war es unmittelbar vor der Pause Romano Schmid, der im Solo Gäste-Torwart Feller umkurvte, dann zunächst mit einem Schuss an den Pfosten des verwaisten Tores traf und schließlich endgültig im Nachschuss am Außennetz scheiterte.
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„Ich weiß nicht, was da passiert ist“, kommentierte Milosevic später relativ locker im Gefühl des Sieges seinen Fehlschuss. „Ich habe nach dem Ballkontakt innerlich noch gefleht: Bitte, geh rein! Das war ganz schön hart, aber es ist passiert, für mich zum ersten Mal in meinem ganzen Leben.“ Doch statt untereinander Schuldvorwürfe zu äußern, sei die Mannschaft in der Halbzeitpause beim Stand von 0:0 noch enger zusammengerückt. „Um ehrlich zu sein: Es machte die Sache viel einfacher, weil ich solche Teamkollegen habe. Alle haben mich in der Kabine unterstützt und gesagt: Kein Problem, mach weiter, du wirst treffen. Und so geschah es dann ja.“
Lob vom Schützen an Vorbereiter Schmid
Kurios: Milosevic hatte sich vor der zweiten Halbzeit selbst noch Schmid zur Seite genommen. „Milosevic sagte zu mir: Komm, wir entscheiden das Spiel noch!“, berichtete der Österreicher, der dann tatsächlich in der 57. Minute eine seiner vielen hochwertigen Hereingaben mustergültig auf Milosevics Kopf zirkelte. Von dort aus gelangte der Ball zum 1:0 ins Heidenheimer Tor – der Bann war gebrochen. Das Lob des Torschützen galt dem Vorbereiter: „Super, wie Romano die Gelegenheit nutzt, wenn er einen freien Fuß hat.“
Auch Daniel Thioune stimmte das versöhnlich. „Das kann einen, martialisch gesprochen, ja schon umbringen…“, kommentierte der Trainer noch am Sonntag die Fehlschüsse, und speziell auf Milosevic gemünzt: „Gut, dass er entspannt damit umgegangen ist und er wusste, dass seine nächste Möglichkeit kommt.“ Beide Spieler, Milosevic wie Schmid, hätten in der zweiten Halbzeit gezeigt, dass sie es besser können.
Intensiv hatten die Bremer im Winter nach einem neuen Torjäger gesucht, nachdem sich Victor Boniface einer Knieoperation unterzogen hatte. Per Leihgeschäft war Milosevic vom VfB Stuttgart, der den 20-Jährigen zuvor schon an Partizan Belgrad verliehen hatte, im Januar an die Weser gelangt. Nach all seinen Wechseln hatte es Milosevic zunächst schwer im neuen, zudem sportlich unruhigen Umfeld. Ein Tor erzielte er zwar recht schnell beim 3:3 gegen Frankfurt, dann aber ging es nicht flüssig weiter, erfüllten sich die Erwartungen nicht. Bis zum Sonntag vor einer Woche, als er als Joker bei Werders 1:2 auf St. Pauli traf.
Nun dieses wichtige Tor beim 2:0-Heimsieg gegen Heidenheim – Tor Nummer drei im achten Einsatz, das Milosevic im internen Ranking der nicht mit vielen Toren gesegneten Werderaner weit nach vorne spült: Nur Jens Stage, der sechs Tore verbucht, und der aktuell verletzte Samuel Mbangula (drei Treffer) waren so erfolgreich wie er. Allerdings: Legt man die Tore auf die absolvierten Einsatzminuten um, so glänzt Milosevic mit rechnerisch „nur“ 100 benötigten Minuten pro Tor. Stage traf im Schnitt alle 314 Minuten, Mbangula nach jeweils 329 Zeigerumdrehungen. Bei den Spielern mit mindestens drei Toren in der Bundesliga stehen nur Jonathan Burkardt (87 Minuten pro Tor) und Harry Kane (65 Minuten pro Tor) in dieser Statistik vor Milosevic.
Im Abstiegskampf: „Der Sieg stärkt unsere Überzeugung“
Unfreiwillig „schönte“ der Stürmer seine Quote möglicherweise, weil er sich nach 69 Minuten mit Rückenbeschwerden auswechseln lassen musste. „Nichts Schlimmes. Ich kann schon wieder ordentlich und aufrecht gehen“, so seine Auskunft nach dem Spiel. Die Frage nun: Taugt Milosevic im weiterlaufenden Abstiegskampf der Bundesliga für die Bremer als Unterschiedsspieler, vielleicht als Torversicherung? „Ich weiß nicht. Aber der Sieg stärkt unsere Überzeugung. Und Überzeugung ist das Wichtigste. Wir werden sehen!“
Intensiv suchten die Bremer im Winter nach einem neuen Torjäger. Jovan Milosevic, Leihgabe des VfB Stuttgart, konnte die Erwartungen zunächst nicht erfüllen. Das könnte sich nach dem aktuellen Trend und dem 2:0-Sieg gegen einen Mitkonkurrenten nun ändern.
